Wort-Wildwuchs (6)

Wenn einem Künstler nach seinem Tod ein Preis verliehen wird, dann nennt man das »posthum« (oder neuerdings auch »postum« geschrieben). So geschehen beispielsweise bei Heath Ledger, der soeben für seine Rolle in »The Dark Knight« posthum einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt.

Heute steht im Hamburger Abendblatt Folgendes über die Verleihung des Musikpreises Echo an Udo Lindenberg:

Bereits bei der ersten Echo-Verleihung 1992 wurde der Panikrocker mit dem Lebenswerk-Echo abgespeist, in der Regel eine präposthume Anerkennung für verdiente Musiker, deren größte Erfolge schon länger zurückliegen. (…)
(Hamburger Abendblatt, 23.02.2009) 

Ein Wort, ein Blödsinn: präposthum. Schon rein technisch betrachtet heben sich »prä« (lat. vor) und »post« (lat. nach) auf. In seiner inhaltlichen Aussage ist dieses Wort fast schon beleidigend: Er lebt noch, aber viel wird da wohl nicht mehr kommen, könnte man interpretieren. (Wie falsch man in diesem Fall liegen kann, zeigt ja genau dieses Beispiel von Udo Lindenberg ziemlich eindrucksvoll.)

Im Kabarett und ähnlichen Bereichen hat diese Wortschöpfung durchaus Potenzial, wie das gleichnamige Lied von Konstantin Wecker aus dem Jahr 2005 beweist. In der Berichterstattung der Tagespresse ist es dagegen fehl am Platz.

(Danke für den Hinweis an Katja!)

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