Rubrik: Wort-Wildwuchs

Wort-Wildwuchs (7)

In einem Internetforum bietet jemand

»Synergien, wovon beide Seiten profitieren«.

Toll. Eine Synergie, von der nur eine Seite profitiert, ist ja auch keine Synergie mehr. Das ist genau der gleiche Unsinn wie eine »Win-win-Situation für beide Seiten«. Da knabbere ich auch jedes Mal ein kleines Eckchen aus der Tischkante.

Mal ganz abgesehen davon, dass »wovon« in diesem Satz stilistisch sehr unschön ist. Viel besser wäre »von denen«, wenn man das Ganze denn überhaupt bräuchte (was ja nicht der Fall ist, weil »Synergien« allein alles aussagt, was gesagt werden sollte).

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Das längste deutsche Hauptwort

Gerade las ich, welches Wort als das längste deutsche Hauptwort gilt. Wie kaum anders zu erwarten, stammt es aus der Juristensprache und lautet:

Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz (RflEttÜAÜG)

63 Buchstaben. Sollen wir da jetzt Respekt bekunden? Mir ist eher zum Weinen zumute …

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Wort-Wildwuchs (6)

Wenn einem Künstler nach seinem Tod ein Preis verliehen wird, dann nennt man das »posthum« (oder neuerdings auch »postum« geschrieben). So geschehen beispielsweise bei Heath Ledger, der soeben für seine Rolle in »The Dark Knight« posthum einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt.

Heute steht im Hamburger Abendblatt Folgendes über die Verleihung des Musikpreises Echo an Udo Lindenberg:

Bereits bei der ersten Echo-Verleihung 1992 wurde der Panikrocker mit dem Lebenswerk-Echo abgespeist, in der Regel eine präposthume Anerkennung für verdiente Musiker, deren größte Erfolge schon länger zurückliegen. (…)
(Hamburger Abendblatt, 23.02.2009) 

Ein Wort, ein Blödsinn: präposthum. Schon rein technisch betrachtet heben sich »prä« (lat. vor) und »post« (lat. nach) auf. In seiner inhaltlichen Aussage ist dieses Wort fast schon beleidigend: Er lebt noch, aber viel wird da wohl nicht mehr kommen, könnte man interpretieren. (Wie falsch man in diesem Fall liegen kann, zeigt ja genau dieses Beispiel von Udo Lindenberg ziemlich eindrucksvoll.)

Im Kabarett und ähnlichen Bereichen hat diese Wortschöpfung durchaus Potenzial, wie das gleichnamige Lied von Konstantin Wecker aus dem Jahr 2005 beweist. In der Berichterstattung der Tagespresse ist es dagegen fehl am Platz.

(Danke für den Hinweis an Katja!)

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Was RTL mit Ferkeln zu tun hat

Da erzählte ich neulich von einem Fernsehmoderator, der Agrarwissenschaften studiert und mit einer Arbeit über Abferkelbuchten für Schweine abgeschlossen hat. Ich hatte den mal in einer Talkshow gesehen, und das Wort »Abferkelbuchten« hatte mich so fasziniert, dass ich es nach Jahren ohne Schwierigkeiten aus meinem Gedächtnis hervorkramte. Dieses Wort allein hätte schon einen Blogeintrag gerechtfertigt.

Anders sah es mit dem Namen dieses Moderators aus. Wer war das bloß gewesen? 

Nachdem ich diese Frage einen halben Tag mit mir herumgetragen hatte, war ich ziemlich sicher, dass es Peter Kloeppel, der Nachrichtenmann von RTL, gewesen sein musste. Um ganz sicher zu sein, startete ich eine Google-Suche – und musste ziemlich lachen, als die neunmalkluge Suchmaschine ihre übliche Meinten-Sie-wirklich-diese-Suchbegriffe-oder-vielleicht-doch-eher-diese-hier-Frage stellte:

(Quelle: google.de)

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Wort-Wildwuchs (5)

Die schönsten Ungetüme gibt es immer noch in Behörden und in der Juristerei. Vor ein paar Tagen ist mir dieses Prachtexemplar zugelaufen:

Verwaltungsmodernisierungsgrundsätzegesetz

Da ist jeder Lektor machtlos, denn solche »Wörter« sind sozusagen vom Gesetz geschützt, die darf man nicht trennen, auch wenn sie dann deutlich besser zu lesen wären.

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Wort-Wildwuchs (4)

Vor einiger Zeit lektorierte ich einen Text, in dem sehr viel gehandelt wurde. Ab und zu war der Autor vor lauter Aktionismus aber übers Ziel hinausgeschossen. Begriffe wie 

der handelnde Akteur

lasse ich nicht durchgehen. Ein Akteur wäre kein Akteur, würde er nicht handeln. Wortabzug!

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Wort-Wildwuchs (3)

Dass eine Kneipe nicht unbedingt an einer Straßenecke liegen muss, um eine »Eckkneipe« zu sein, ist mittlerweile bekannt. Im Zuge des Nichtraucherschutzgesetzes durften wir aber in dieser Woche noch eine ganz neue Bezeichnung für diese Art von Lokal lernen – und zwar direkt vom Bundesverfassungsgericht. Dort lautet der korrekte Begriff

getränkegeprägte Kleingastronomie.

Ich höre ihn ganz laut wiehern, den Amtsschimmel!

Quelle: www.bundesverfassungsgericht.de ; Pressemitteilung Nr. 78/2008

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Wort-Wildwuchs (2)

An dem Begriff »Win-win-Situation« habe ich grundsätzlich überhaupt nichts auszusetzen, denn es gibt für mein Empfinden kein deutsches Wort, das auch nur annähernd so griffig ist. Eine Win-win-Situation ist eine Konstellation oder eine Entwicklung, in bzw. von der alle Beteiligten profitieren. All das ist in dem Begriff schon enthalten.

Und weil das so ist, braucht man es nicht noch einmal extra zu schreiben: »Damit haben wir eine Win-win-Situation für beide Seiten« oder Ähnliches lese ich ziemlich häufig. Wieder lassen sich drei Wörter einsparen, wieder wird ein Text schlanker und übersichtlicher, ohne etwas von seinem Inhalt einzubüßen. Schönes Arbeiten!

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Wort-Wildwuchs (1)

In dieser Rubrik werde ich in loser Folge Wörter vorstellen, die sich immer weiter verbreiten, obwohl sie falsch sind. Oder Wörter, die mir aus anderen Gründen Unwohlsein verursachen. Und da gibt es einige. Zum Beispiel:

Mund-zu-Mund-Propaganda

Dieses Wort gibt es in der deutschen Sprache eigentlich gar nicht. Es heißt Mundpropaganda. Irgendjemand hat das wohl mal mit »Mund-zu-Mund-Beatmung« verwechselt (interessanterweise sagt aber niemand »Mundbeatmung«), und nachdem einer angefangen hat, sagten es immer mehr. Dabei ist es viel sperriger als das korrekte Wort! Während sonst überall der Trend zur Abkürzung oder zu hippen englischen Kurzformen geht, ist es hier genau umgekehrt. Und das Ungetüm beschreibt noch nicht einmal das, was bei der Mundpropaganda tatsächlich passiert. Denn es geht nicht von Mund zu Mund, sondern von Mund zu Ohr. 

Sprache ist schon merkwürdig. Sie lebt, und das ist schön, aber den Sinn verfehlt sie manchmal trotzdem.

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