Rubrik: Kleiner Fehler, große Wirkung

Bad, so bad

Nachdem ich am Freitag das Bild vom »Körpermist« gebloggt hatte, sah ich bei Twitter dieses Foto, das der Präsentationsberater Peter Claus Lamprecht aufgenommen hat und das wunderbar dazu passt. Denn auch dabei sorgt die Mischung aus Deutsch und Englisch in Kombination mit mangelhafter Zeichensetzung für Missverständnisse.

In beiden Fällen ergibt die eine Hälfte der Zusammensetzung, in diesem Fall das »BAD«, in beiden Sprachen Sinn – aber leider einen völlig unterschiedlichen.

Die einzige Möglichkeit, eindeutig zu dokumentieren, dass hier mit »Bad« das Badezimmer gemeint ist, bleibt ungenutzt: der Bindestrich. Stünde dort nämlich »BAD-DESIGN«, könnte das »BAD« aus rein sprachlicher Sicht gar nicht das englische Wort für »schlecht« sein – schließlich stehen Adjektive allein und werden weder im Deutschen noch im Englischen an das Hauptwort gekoppelt, das sie näher beschreiben.

Dass notwendige Bindestriche nicht gesetzt werden, ist ja leider fast schon normal. Hier sorgt dieses Versäumnis für eine Abwertung des eigenen Geschäfts, die so wohl kaum beabsichtigt ist. Dass viele Badezimmer-Einrichtungsgeschäfte diesen Fehler machen, tröstet da höchstens ein bisschen.

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Heilende Schuhe

In Hamburg-Barmbek steht ein Kaufhaus seit 4 Jahren leer und verrottet so vor sich hin. Weil das schon lange kein schöner Anblick mehr ist – und auch, weil nun endlich geklärt ist, wie es mit dem Schandfleck weitergehen soll –, wurde die Schaufensterzeile vor Kurzem mit Spanplatten verkleidet, auf denen nun hübsch bunte Plakate Lust auf das machen sollen, was hier in Kürze entsteht.

Okay. Alles ist besser als der Zustand der letzten 4 Jahre. Schade nur, dass keiner die Plakate noch mal gegengelesen hat, bevor sie in Druck gingen:

Richtig ist »High Heels« – übersetzt: hohe Absätze. Die Schreibweise mit ea gehört zu einem Verb (»to heal« = heilen), das mit hochhackigen Schuhen ungefähr so viel zu tun hat wie ein Fisch mit einem Fahrrad. Abgesehen davon ist der Bindestrich falsch, denn es handelt sich nicht um eine Wortzusammensetzung (Kompositum), sondern um eine schlichte Folge von Adjektiv (»high«) und Substantiv (»heels«). Weder im Deutschen noch im Englischen setzt man da einen Bindestrich.

Könnte natürlich ein Marketing-Trick sein, um die weibliche Neigung zum inflationären Schuhkauf zu rechtfertigen – von etwas, das heilende Wirkung hat, darf es schließlich ruhig ein bisschen mehr sein …

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Frische Kirchen!

Bevor man etwas zum Druck freigibt, sollte man immer noch mal genau hingucken. Das gilt generell, aber ganz besonders für Werbeanzeigen und alles, was nur sehr wenig Text hat. Denn je weniger Text, desto mehr fallen die Schreibfehler auf.

So wie hier:

Wir lernen: In Hamburg gibt es nicht nur katholische und evangelische, sondern auch Knubber-Kirchen!

Und diese Kirchen stehen im Altenland, also dort, wo alle unsere alten Leute wohnen. Nicht zu verwechseln mit dem Alten Land, in dem die Kirsch- und viele andere Obstbäume stehen.

Alles klar?

(gesehen am Hamburger Hauptbahnhof)

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Die Dortmunder Legungswelle

Ach ja, die Bindestriche … kaum ein Zeichen wird so oft ignoriert und missbraucht – wobei Ersteres deutlich häufiger vorkommt. Hier haben wir mal ein Beispiel dafür, dass ein Bindestrich auch für Missverständnisse sorgen kann:

Legungswelle_@Evo2me

Zugegeben: In einem Wort – Zechenstilllegungswelle – wäre es zwar auch nicht gerade übersichtlich, aber doch noch verständlich. Ich würde hier ganz auf den Bindestrich verzichten und das Ganze in einem Wort schreiben.

Wenn man bei langen Begriffen Bindestriche setzt, dann an Stellen, die das Wort sinnvoll aufteilen, wobei »sinnvoll« der springende Punkt ist: Man zerlegt den Bandwurm in Portionen, die das menschliche Gehirn auf Anhieb erfassen und verarbeiten kann. In diesem Fall böte sich der Bindestrich nach den Zechen an: »Zechen-Stilllegungswelle«.

Für die Autoren dieser Texttafel in einem Industriemuseum in Dortmund hatte die ausgewogene Optik offenbar einen höheren Stellenwert: Säuberlich teilten sie die 23 Buchstaben in zwei Portionen mit 11 bzw. 12 Buchstaben und schufen damit Raum für mannigfaltige Neuinterpretationen des Begriffs.

Auch eine Möglichkeit – aber als Entscheidungskriterium für die Lesbarkeit nicht zu empfehlen.

Danke an Dierk Haasis/@Evo2Me für das Foto!

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Feuer frei!

Kürzlich erreichte mich dieses Fundstück aus einem Ferienhaus in Dänemark:

Klar, möglich ist alles. Aber es kann mir doch keiner erzählen, dass DAS keinen Ärger mit dem Vermieter gibt! 🙂

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Beauftragen vs. in Auftrag geben

Folgenden Satzanfang fand ich neulich in einem zu lektorierenden Text:

Eine von der Stiftung beauftragte Studie zeigte, dass …

Es ist klar, wie das Ganze gemeint ist – wie es nur gemeint sein kann: Die Stiftung hat jemandem den Auftrag gegeben, eine Studie durchzuführen. Und doch ist das Partizip »beauftragte« hier falsch. Das Verb »beauftragen« braucht zwingend ein Objekt, und zwar eines, das in diesem Fall im Akkusativ steht (Frage: »Wen oder was?«): Man beauftragt immer jemanden, etwas zu tun.

Das Partizip »beauftragte« kann sich demnach nur auf eine Person oder Institution beziehen, die einen Auftrag erhalten hat bzw. ausführt.

Im oben zitierten Satz bezieht es sich aber auf die Studie selbst, und die hat nun ganz sicher keinen Auftrag. Richtig ist deshalb:

Eine von der Stiftung in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass …

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Geht doch!

Kundenbewertungen im Netz sind doch immer wieder ein Quell der Freude:

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Soweit ich weiß, ist es noch nicht so weit

Zwei von drei Veranstaltungseinladungen beginnen mit den Worten: »Es ist wieder soweit!«

Ich mag es nicht mehr lesen.

Abgesehen davon, dass es kaum eine langweiligere und einfallslosere Einleitung für solche Texte gibt, ist das Ganze auch noch in aller Regel falsch geschrieben – nämlich so, wie ich es gerade zitiert habe. Richtig ist aber in diesem Fall die Getrenntschreibung: »Es ist wieder so weit!«

Zusammengeschrieben wird nur dann, wenn »soweit« als Konjunktion einen Nebensatz einleitet, der dann in der Regel anzeigt, dass man die Aussage des Hauptsatzes vorsichtig einschränkt:

Soweit ich weiß, ist er noch im Urlaub.

In allen anderen Fällen schreibt man getrennt, auch wenn es noch so oft anders zu lesen ist. Richtig ist also:

So weit die Theorie. Kommen wir nun zur Praxis.
Ich kann gar nicht so weit laufen.

Apropos laufen – kürzlich fand ich diese Headline im Netz:

Hier ist es sogar so, dass beide Schreibungen einen Sinn ergeben. In dem Artikel ging es um untrainierte Jedermann-Sportler, die sich vornehmen, einen Marathon zu laufen. Da kann man nun bezüglich der Überschrift interpretieren: In der gewählten Schreibung bedeutet sie so viel wie »Falls die Knie das aushalten(, ist das zu schaffen)«. Als schlüssiger empfinde ich hier aber die Getrenntschreibung, sodass die Aussage wäre: Diese Sportler können eine bestimmte Strecke (= so weit) laufen, bis die Schmerzen in den Knien sie zum Aufgeben zwingen.

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Das tut weh

Mundspülung soll Menschen helfen, die schmerzempfindliche Zähne haben. So weit, so richtig. Was aber auf dieser Flasche steht, ist sprachlicher Blödsinn – wenn auch von einer Art, die sich für viele erst auf den zweiten Blick offenbart. Sprachpingels Spezialgebiet!

Das zweite Versprechen lautet: Diese Mundspülung schützt vor Zahnhalskaries. Daran ist sprachlich nichts auszusetzen.

Wovor aber schützt sie zuerst?

Vor Zähnen.

Merken Sie was? Hier wird das, was geschützt werden soll – die Zähne –, verwechselt mit dem, wovor geschützt werden soll: nämlich der Schmerzempfindlichkeit. Ich treibe das Bild, das hier (versehentlich) gezeichnet wird, mal auf die Spitze, damit deutlich wird, woran es hapert: Niemand mit schmerzempfindlichen Zähnen wird Sie mehr beißen, wenn Sie Ihren Mund regelmäßig mit dieser Flüssigkeit spülen.

Klassischer Fall von »Aber man versteht doch, was gemeint ist!« – klar. Aber das hier ist nicht umsonst das Sprachpingel-Blog. 😉

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Menschenauflauf

Ich habe hier ja neulich schon mal festgestellt, dass Bindestriche eher zu selten gesetzt werden als zu oft. In dem betreffenden Blogeintrag habe ich die Tütensuppe, auf deren Packung der Untertitel »Heißer-Genuss« prangt, mit einem vierblättrigen Kleeblatt verglichen – denn auch nach zu viel gesetzten Bindestrichen kann man lange suchen.

Aber sie sind doch nicht ganz so selten, wie ich dachte. Hier ist noch so ein Beispiel:

Dass der Strich für einen Bindestrich ein wenig zu lang geraten ist – geschenkt. Viel interessanter ist die Bedeutungsverschiebung, die er bewirkt.

Sprachlich betrachtet ist ein »Budapester-Salat« nämlich nicht ein Salat aus Budapest (das wäre er nur ohne den Bindestrich), sondern ein Salat aus Budapestern. Kannibalismus im Supermarkt!

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