Rubrik: Allgemein

»Zwei Minuten für die Sprache« (10/2017): Quellenangaben mit Präposition

Aus den Nachrichten kennen wir alle die indirekte Rede. Sie gibt, wie der Name schon sagt, eine Aussage nicht Wort für Wort wieder, sondern in mittelbarer Form. Das Verb der wiedergegebenen Aussage steht dann im Konjunktiv. Ein Beispiel:

Minister XY sagt wörtlich: »Das Gesetz ist ein großer Gewinn.«
Nachrichtensprecher: Der Minister sagte, das Gesetz sei ein großer Gewinn.

Ich gehe davon aus, dass die meisten von Ihnen das wussten. Tatsächlich geht es mir in diesem Newsletter auch nicht um die einfache indirekte Rede, sondern um Quellenangaben, die mit »laut«, »zufolge«, »gemäß« und ähnlichen Präpositionen gebildet werden. Dort finde ich nämlich bei meiner Arbeit sehr häufig ebenfalls Verben im Konjunktiv. Genau diese »Konkurrenzformen der indirekten Rede«, wie der Duden sie nennt, werden aber in der Regel ohne Konjunktiv gebildet:

Laut dem Minister ist (nicht: sei) das Gesetz ein großer Gewinn.
Dem Minister zufolge ist (nicht: sei) das Gesetz ein großer Gewinn.

Dass der Sprecher bzw. Schreiber hier die Meinung eines anderen wiedergibt, selbst aber keine Gewähr für die Gültigkeit der Aussage übernimmt, ist durch »laut« bzw. »zufolge« bereits ausgedrückt. Anders als im obigen Beispiel ist ein Konjunktiv dann nicht mehr nötig.

 

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Gerade schrieb ich es noch …

In diesem Beitrag orakelte ich Anfang dieses Jahres:

Expertise: Eine Expertise ist im Deutschen laut Duden (noch) ausschließlich ein Gutachten, aber kein Synonym für Fachwissen und/oder Erfahrung. Ich betone: noch. Denn die Verwendung im letzteren Sinne ist mittlerweile so verbreitet, dass sie vermutlich in einer der nächsten Auflagen enthalten sein wird.

Tatsächlich begegnet einem die Expertise ja überall – im alltäglichen Sprachgebrauch ebenso wie in der Werbung (Haarpflege!). Und schon seit langer Zeit ist in gefühlt mindestens 95 Prozent aller Fälle damit Fachwissen gemeint.

Dieser Tatsache konnte sich offenbar auch die Duden-Redaktion nicht mehr verschließen: In der kürzlich erschienenen 27. Auflage ist die Bedeutung nun auch verzeichnet.

Duden, Band 1, 27. Auflage (2017)

Darüber kann man nun jammern oder sich freuen – Tatsache ist, dass der Duden deskriptiv arbeitet, also den tatsächlichen Sprachgebrauch abbildet. Und nach diesem Maßstab war die Änderung zweifellos fällig. (Anders als die Aufnahme von »Internetblog«, die ich für den größten Unfug seit langer Zeit halte. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Für mich bedeutet die Änderung zur Expertise wohl oder übel, dass ich aufhöre, den Begriff zu korrigieren. Ich fürchte aber, es wird eine Weile dauern, bis ich mir den Reflex abtrainiert habe … 😉

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»Zwei Minuten für die Sprache« (9/2017): insofern

Es gibt ja eine ganze Menge Wörter, die in schöner Regelmäßigkeit falsch gebraucht werden. Über viele habe ich schon geschrieben, eins aber fehlt in meiner Sammlung bisher, und das ist mir in den letzten Wochen extrem bewusst geworden: Es geht um »insofern«.

Sagen Sie mal aus dem Bauch heraus, welches Wort Sie nach dem Komma in folgendem Satz einfügen würden:

Der Termin ist insofern ungünstig, ___ er auf einen Feiertag fällt.

Auch viele Sprachprofis scheinen hier eine echte Schwäche zu haben. In den Nachrichten lese und höre ich zum Beispiel laufend Konstruktionen, in denen sich jemand mit »dass«, »weil« oder sogar »als dass« einen abbricht. Alles falsch!

Wenn die Einschränkung durch »insofern« näher erläutert wird, folgt nach dem Komma ein schlichtes »als«:

Der Termin ist insofern ungünstig, als er auf einen Feiertag fällt.

Das Gleiche gilt übrigens für »insoweit«. Jede andere der oben genannten Varianten ist falsch. Eine weitere Möglichkeit gibt es, die allerdings für den heutigen Sprachgebrauch sehr gehoben klingt und die ich deshalb für die Unternehmenskommunikation nicht empfehle. Sie können auf das »als« verzichten, wenn Sie »insofern« hinter das Komma verschieben:

Der Termin ist ungünstig, insofern er auf einen Feiertag fällt.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (7/2017): Gefällt mir (nicht)

Wie geht man eigentlich mit dem Verb »liken« im Deutschen um? Das werde ich ziemlich oft gefragt, und die Antwort ist gerade für die, die mit dem Englischen sehr vertraut sind, zunächst eher unbefriedigend.

Wenn Sie schreiben wollen, dass jemand den »Gefällt mir«-Button unter einem Artikel im Internet geklickt hat, welche Variante wählen Sie? Hat dieser jemand den Artikel »geliked«, »geliket«, »gelikt« oder noch anders?

Mir selbst wäre eigentlich die erste Variante am nächsten, denn da scheint das Englische (und damit die korrekte Aussprache) am meisten durch. Um mit Sprache umgehen zu können, benötigt man aber eine gewisse Systematik, mit der man sich Dinge herleiten kann (hier zum Beispiel den Gebrauch von »faken« oder »biken«). Deshalb folgen englische Verben, die ins Deutsche einwandern, den deutschen Konjugationsregeln.

Das sieht auf Anhieb furchtbar aus und lässt beim Lesen stolpern: »Viele Menschen haben den Artikel gelikt.« Dass diese Empfehlung der Duden-Redaktion aber doch durchaus sinnvoll ist, zeigt sich in Wendungen wie »die am häufigsten gelikten Artikel«: Denn da führt sich die Variante, die näher am englischen Original liegt (»die gelikeden Artikel«), ad absurdum.

Als Faustregel können Sie sich merken, dass die meisten dieser Verben schwach gebeugt werden, das heißt, man hängt die jeweilige Endung einfach an den Wortstamm an:

Ich like (fake, bike …)
du likst (fakst, bikst …)
usw.

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Herzlich willkommen in Winsen und Binz!

Wieder haben sich zwei korrekt geschriebene »Herzlich willkommen«-Begrüßungen angefunden, die ich sehr gern meiner zwar langsam, aber doch stetig wachsenden Sammlung leuchtender Beispiele hinzufüge.

Nummer 1 ist gar kein Schild, sondern ein Teppich – und der liegt im Eingangsbereich des Strandhotels Arkona in Binz. Vielen Dank an Lukas Jacob, der mir dieses Bild via Twitter geschickt hat!

Das zweite Schild habe ich selbst letzte Woche entdeckt, und zwar bei der Schlachterei Vick in Winsen/Luhe.

Ich sammle auch weiterhin Fotos von Schildern, Fahnen, Teppichen, Türen etc., auf denen »Herzlich willkommen« richtig geschrieben ist, nämlich mit kleinem w. Wo und wie ich die entgegennehme, steht hier. Die bisherigen Sammlerstücke sind in dieser Rubrik zu finden.

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»Zwei Minuten für die Sprache« (6/2017): Kopplungen aus deutschen und englischen Begriffen

Das heutige Thema verbreite ich zwar sehr häufig bei Twitter, aber ich habe es tatsächlich noch nie in einem Newsletter behandelt. Es geht um mehrteilige Begriffe mit englischen Elementen.

»Social Media«, »Big Data«, »Best Practice«: Diese und einige weitere Begriffe haben wir unübersetzt ins Deutsche übernommen. Sie sind jeweils als Einheit ähnlich wie ein Eigenname zu verstehen, weshalb man den jeweils ersten Bestandteil großschreibt, obwohl es dafür eigentlich gar keinen Grund gibt: »social«, »big« und »best« sind Adjektive, also Eigenschaftswörter, die man im Deutschen generell kleinschreibt (und im Englischen sowieso). Ein Bindestrich steht hier nicht, weil diese Formen keine Kopplungen sind, sondern ganz gewöhnliche Kombinationen aus Adjektiv und Hauptwort.

Wenn man diese zweiteiligen Begriffe aber nun mit einem deutschen Hauptwort zusammensetzt, sodass die Kombination eine neue Gesamtheit bezeichnet, gelten für sie die gleichen Regeln wie für alle Zusammensetzungen im Deutschen: Aus mehreren Bestandteilen zusammengesetzte Begriffe schreibt man entweder in einem Wort (wenn sie übersichtlich genug sind) oder koppelt sie mit Bindestrichen komplett durch.

In diesem Fall steht dann also auch zwischen den beiden englischen Bestandteilen ein Bindestrich:

Social-Media-Berater, Big-Data-Anwendung, Best-Practice-Beispiele

Die Schreibung in einem Wort scheidet aus naheliegenden Gründen aus: »Socialmediaberater« oder »Bigdataanwendung« lassen sich beim besten Willen nicht mehr als übersichtlich bezeichnen.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (5/2017): stetig und ständig

Heute geht es mir um zwei Wörter, die sehr oft in gleicher Bedeutung verwendet werden: »ständig« und »stetig«. Oft sind sie tatsächlich austauschbar. Aber obwohl Nachschlagewerke beide als Synonyme des jeweils anderen verzeichnen, gibt es einen feinen Unterschied in der Bedeutung. Das zeigt wieder einmal: Synonymwörterbücher bieten Anhaltspunkte, sollten aber mit Bedacht und Sprachgefühl genutzt werden.

Vergleichen Sie mal die folgenden beiden Sätze:

Wir bilden unsere Beschäftigten ständig weiter.
Wir bilden unsere Beschäftigten stetig weiter.

Während »ständig« ausdrückt, dass etwas durchgehend oder sehr häufig stattfindet, [fast] ohne Unterbrechung andauert und sich nicht ändert, beschreibt »stetig« eine gleichmäßige Entwicklung, die durchaus aus separaten Schritten/Stationen bestehen kann, also nicht unbedingt durchgehend stattfindet. Diese Schritte ergeben dann aber in der Gesamtsicht eine beständige Tendenz, die bei »ständig« nicht notwendigerweise gegeben ist.

Mein Sprachzentrum gibt Laut, wenn ich im Zusammenhang mit Weiterbildung »ständig« lese. Natürlich lernt man im Idealfall jeden Tag dazu und hört auch das ganze Leben lang nicht damit auf. Hier aber sind ja Seminare und andere Kurse gemeint, und die finden punktuell statt. Wenn sie aufeinander aufbauen und sich ergänzen, wächst auf lange Sicht das Wissen der Belegschaft kontinuierlich an: eine stetige Entwicklung.

Dagegen ist »ständig« sinnvoll in Kombinationen wie »ständige Vertretung« oder »ständiges Mitglied«. Auch eine Herausforderung kann ständig sein: Davon können zum Beispiel alleinerziehende Elternteile ein Liedchen singen. Und wenn in einem zweiwöchigen Urlaub 14 Tage lang die Sonne schien, dann hatte man ständig schönes Wetter.

 

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So langsam wird es doch!

Kürzlich habe ich bei Twitter mal wieder angemerkt, dass ich nach wie vor richtig geschriebene »Herzlich willkommen«-Schilder sammle. Wäre doch gelacht, wenn wir die Sammlung nicht gemeinsam vergrößern könnten!

Und siehe da:

Janne Klöpper, Texterin, Moderatorin und Prozessbegleiterin aus Hannover, steuerte dieses Bild aus dem – ebenfalls orthografisch korrekten – Willy-Brandt-Haus bei:

Texterin und Lektorin Sandra Meinzenbach aus Leipzig wusste Erfreuliches von Rewe zu berichten:

Und ich selbst habe kürzlich auf Sylt ein weiteres Sammlerstück gefunden:

 


(In dieser Rubrik trage ich Bilder von – sehr selten gewordenen – korrekt geschriebenen »Herzlich willkommen«-Grüßen zusammen. Dazu freue ich mich jederzeit über Unterstützung! Weitere Infos gibt es hier.)

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»Zwei Minuten für die Sprache« (4/2017): »sogenannt« und Anführungszeichen

Über die Variationen und den korrekten Gebrauch von Anführungszeichen habe ich vor gut zwei Jahren schon einmal geschrieben. Heute möchte ich dazu noch etwas ergänzen, weil es mir im Rahmen meiner Lektoratsarbeit immer wieder begegnet.

Sehr häufig lese ich nämlich, dass ein Begriff mit dem Wort »sogenannt« angekündigt wird und der Begriff selbst dann in Anführungszeichen steht. Ein Beispiel:

Sie gehören der sogenannten »Generation Y« an.

Das ist nicht im engeren Sinn falsch; trotzdem zücke ich in diesen Fällen grundsätzlich den virtuellen Rotstift. Und ich sage Ihnen auch, warum.

Sowohl das Wort »sogenannt« als auch die Anführungszeichen zeigen an, dass der Begriff besonders ist: weil er zum Beispiel neu oder ungewöhnlich ist oder weil ihn möglicherweise nicht alle angesprochenen Leser/-innen kennen. Anführungszeichen und »sogenannt« heben den Begriff heraus und sorgen dafür, dass er besondere Aufmerksamkeit erhält. Man macht beim Lesen auch unwillkürlich eine kleine Pause vor dem entsprechenden Wort.

Diesen Effekt erzielen beide Elemente aber auch unabhängig voneinander:

Sie gehören der »Generation Y« an.
Sie gehören der sogenannten Generation Y an.

Das heißt: Die Kombination von »sogenannt« und Anführungszeichen ist eine Dopplung, die den Text unnötig aufbläht. Die Aussage büßt nichts von ihrer Bedeutung ein, wenn Sie auf eins davon verzichten.

 

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SO geht das!

Endlich habe ich mal wieder ein leuchtendes Beispiel für die Rubrik »Herzlich willkommen!« gefunden: Jacques’ Wein-Depot in Hamburg-Barmbek macht sprachlich alles richtig – und das gilt nicht nur für die Begrüßungsformel. Der Apostroph steht an der richtigen Stelle UND ist auch wirklich ein Apostroph. Und nicht zuletzt ist »Wein-Depot« mit Bindestrich goldrichtig (auch möglich: Weindepot). Hurra!

Dass ich all das so hervorhebe, zeigt (nicht zuletzt mir) wieder mal, an wie viel Sprachmurks auf kleinstem Raum man inzwischen fast schon gewöhnt ist. Sehr wohltuend, dass es auch anders geht. Großes Lob!

Mit einem Ausrufezeichen am Ende wäre es perfekt. Aber irgendwas ist ja immer. 😉

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