»Zwei Minuten für die Sprache« (9/2018): miteinander

Mit dem Miteinander scheint es nicht immer ganz einfach zu sein. So hört man von Politiker/-innen öfters, dass »ein gemeinsames Miteinander« sehr wichtig sei. Ein Miteinander geht nur gemeinsam. Das dazuzuschreiben, ist ähnlich unsinnig wie die viel beschworene »kooperative Zusammenarbeit« oder die »Win-win-Situation für beide Seiten«: Die kursiv geschriebenen Teile sind in allen Beispielen überflüssig, weil die jeweilige Bedeutung schon in den umgebenden Begriffen enthalten ist.

Auch als Adverb ist »miteinander« häufig unnötig. Viele setzen es in Verbindung mit Tätigkeitswörtern ein, die den Aspekt der Verbindung schon beinhalten:

Diese beiden Aussagen hängen miteinander zusammen.
In der Maschine werden die Bestandteile miteinander verbunden.
Die Studie vergleicht Sachverhalt A und Sachverhalt B miteinander.

In allen drei Fällen können Sie »miteinander« weglassen, ohne dass sich die Aussage des Satzes verändert. (Im dritten Beispiel können Sie »und« durch »mit« ersetzen, aber notwendig ist auch das nicht.) Die Aussage bleibt gleich, ist aber in dieser kürzeren Form viel klarer erkennbar, und genau das ist ein wichtiger Aspekt, wenn Sie Informationen vermitteln wollen.

Machen Sie diesen Test doch mal eine Zeit lang immer dann, wenn Sie »miteinander« geschrieben haben: Lesen Sie den Satz noch einmal ohne dieses Wort. Sie werden staunen, wie oft Sie es gleich wieder streichen.

Anders gesagt: Ein gutes Miteinander ist eine feine Sache. Am besten ist es immer dann, wenn man es nicht extra betonen muss.

 

Dies ist die September-Ausgabe 2018 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« sind auch im Buchhandel erhältlich.
Mehr Infos dazu finden Sie hier.


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