»Zwei Minuten für die Sprache« (10/2022): bewusst vs. wissentlich

Vor einiger Zeit fragte mich jemand, ob es einen Unterschied zwischen »bewusst« und »wissentlich« gebe. Den gibt es, dachte ich sofort. Als ich anfing, diesen Unterschied zu erklären, merkte ich erst, wie fein er ist und wie genau man aufpassen muss.

Befragt man ein Synonymwörterbuch, hat man auf Anhieb den Eindruck, dass »bewusst« und »wissentlich« beliebig gegeneinander austauschbar sind: Da wird eins als Synonym des anderen angegeben, jeweils zusammen mit einer Reihe weiterer Begriffe. Aber Synonymlexika liefern nur Anhaltspunkte, sozusagen Bedeutungsgegenden, keine exakten Treffer.

Wer etwas bewusst tut, handelt mit Absicht (»bewusst lügen/täuschen«); man kann auch etwas bewusst erleben, es also klar erkennen und geistig wach sein. Oder man ist von etwas überzeugt, wie es in »bewusst leben« oder »ein bewusster Anhänger sein« zum Ausdruck kommt.

Wer dagegen wissentlich handelt, tut dies laut Duden »in vollem Bewusstsein der negativen Auswirkung«. Da fehlt zumindest ein Teil des Vorsatzes oder des eigenen Anteils, der in »bewusst« steckt. Macht eine Person wissentlich falsche Angaben, bedeutet das erst einmal nur: Sie weiß, dass diese Angaben nicht der Wahrheit entsprechen. Wer aber bewusstfalsche Angaben macht, lügt absichtlich und aus eigenem Antrieb, verfolgt damit also einen Zweck. Die beiden Sachverhalte können, müssen aber nicht deckungsgleich sein.

 

Dies ist die Oktober-Ausgabe 2022 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« sind auch im Buchhandel erhältlich.
Mehr Infos dazu finden Sie hier.


 

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