»Zwei Minuten für die Sprache« (10/2020): auch(,) wenn

Heute beantworte ich wieder eine Frage aus dem Kreis der fleißigen Leserinnen und Leser der »Zwei Minuten«: Wenn in einem Satz die Wortfolge »auch wenn« vorkommt, setzt man dann ein Komma dazwischen oder nicht?

Meistens ist »auch wenn« als Ganzes eine Konjunktion, die einen Nebensatz einleitet. Dann gibt es natürlich ein Komma, aber nicht zwischen, sondern vor »auch wenn«.

Wir halten durch, auch wenn wir nicht wissen, wie lange es dauert.

Der Nebensatz kann auch am Anfang stehen, dann ist das Komma, das ihn vom Hauptsatz abtrennt, eben weiter von »auch wenn« entfernt:

Auch wenn es mir schwerfällt, verzichte ich auf den Besuch.

Das ist nicht anders als bei einem Nebensatz, der nur mit »wenn« beginnt. So weit, so klar.

Es gibt aber auch Fälle, in denen ein Komma zwischen »auch« und »wenn« gehört: dann nämlich, wenn auf »auch« eine besondere Betonung liegen soll. Dann ist die grammatische Lage eine andere, denn so gehört »auch« zum Hauptsatz, und der Nebensatz beginnt erst mit dem »wenn«.

Kommaregeln gelten auch, wenn sie einem nicht gefallen.

Wenn Sie wegen der Betonung nicht sicher sind, prüfen Sie, ob Sie ein »dann« ergänzen könnten (… auch dann, wenn …). Wenn das möglich ist, ohne den Sinn der Aussage zu verändern, ist das »auch« betont. Die unbetonte Variante »auch wenn« kommt dagegen einem »obwohl« recht nah.

 

Dies ist die Oktober-Ausgabe 2020 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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