»Zwei Minuten für die Sprache« (5/2018): Größenvergleiche

Größenvergleiche können in Informationstexten sehr hilfreich sein, um Dinge zu veranschaulichen. In den Medien besonders beliebt sind Vergleiche mit Fußballfeldern oder, wenn es um etwas größere Dimensionen geht, mit dem Saarland.

In diesem Zusammenhang gibt es einen sehr verbreiteten Fehler. Schauen Sie sich mal diese beiden Sätze an und sagen Sie ganz spontan, ob die Aussagen identisch sind:

Stadt X hat dreimal so viele Einwohner wie Stadt Y.
Stadt X hat dreimal mehr Einwohner als Stadt Y.

Okay, die meisten von Ihnen kennen mich schon eine Weile und wissen: Wenn ich so frage, gibt es meist einen Unterschied. Das ist natürlich auch hier so. Damit es sich leicht rechnet, nehmen wir mal an, in Stadt Y wohnen 10.000 Menschen.

Das erste Beispiel sagt aus, dass Stadt X 30.000 Einwohner hat: 3 mal 10.000 sind 30.000.

Sehr oft kommt auch die Formulierung aus dem zweiten Beispiel vor, um dieselbe Relation zu beschreiben. Das ist aber falsch, denn die Aussage ist eine andere: Während »dreimal so viel« bedeutet, dass die Bezugsgröße mit 3 multipliziert wird, drückt »dreimal mehr« aus, dass das Dreifache der Bezugsgröße zur Bezugsgröße hinzugerechnet wird. Für unser Beispiel bedeutet das: 10.000 Einwohner plus 30.000 Einwohner (10.000 mal 3) = 40.000 Einwohner.

Wenn ich lektoriere, schaue ich mir Formulierungen mit »x-mal größer/länger/breiter als« sehr genau an. Falls nicht aus dem Zusammenhang klar wird, wie es sich tatsächlich verhält, frage ich lieber nach, denn fast immer ist die reine Multiplikation gemeint (wie im ersten Beispielsatz).

 

Dies ist die Mai-Ausgabe 2018 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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