»Zwei Minuten für die Sprache« (6/2022): idealerweise vs. bestenfalls

Kürzlich sagte ein Fernseh-Koch, man solle für die Zubereitung des vorgestellten Gerichts bestenfalls Rapsöl verwenden. Obwohl ich mich kein bisschen für Kochsendungen interessiere, merkte ich auf, denn was er meinte, war idealerweise. Weil mir diese Verwechslung schon häufiger aufgefallen ist, schauen wir uns den Unterschied doch mal genauer an.

Das Adverb »idealerweise« beschreibt, wie etwas sein oder sich entwickeln könnte, wenn alle Umstände günstig sind und alles so richtig gut läuft, sprich: den Idealfall. Bezogen auf das Beispiel aus der Kochsendung hieße das: Wenn Sie Rapsöl im Haus haben, nehmen Sie das. Oder wenn Sie noch Zeit zum Einkaufen haben und es nicht gerade Sonntag ist: Kaufen Sie welches. Denn das Gericht gelingt am besten, wenn Sie für die Zubereitung Rapsöl verwenden.

Auch »bestenfalls« beschreibt einen günstigsten Fall, hat aber eine andere Ausgangsbasis: Hier geht es darum, was angesichts bereits gegebener widriger Umstände noch möglich ist. Im Koch-Beispiel: Eigentlich sollten Sie Kürbiskernöl nehmen, es gibt aber gerade keins. Der Koch würde Ihnen nun raten, lieber etwas anderes zu essen, denn mit allen anderen Ölen gelingt dieses Rezept nicht. Wenn Sie aber Ihre Pläne partout nicht ändern wollen, könnte es vielleicht mit Rapsöl noch was werden. Wenn überhaupt. Also: bestenfalls.

Sowohl »bestenfalls« als auch »idealerweise« beschreiben also einen maximal erreichbaren Zustand, gehen aber von unterschiedlichen Voraussetzungen aus.

(Die Küchenprofis unter Ihnen mögen mir verzeihen, falls das Beispiel inhaltlich schief ist. Ich habe keine Ahnung, ob man Kürbiskernöl wirklich durch Rapsöl ersetzen könnte.)

 

Dies ist die Juni-Ausgabe 2022 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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