»Zwei Minuten für die Sprache« (6/2018): hier und dort

Erinnern Sie sich noch an Krümelmonster und Lulatsch aus der Sesamstraße, die auf sehr raumgreifende Art den Unterschied zwischen »hier« und »da« erklärten? An diese Episode musste ich gerade denken, denn mir geht es heute auch um »hier« und »dort«. Genauer: um die Fälle, in denen die beiden Wörtchen tatsächlich einen physischen Ort bezeichnen.

Nehmen wir mal an, ein deutscher Konzern, der unter anderem eine Produktionsstätte in Brasilien hat, beschreibt deren Aktivitäten im Geschäftsbericht so:

»Erfreulich ist die Entwicklung in Brasilien:
Hier haben wir im Geschäftsjahr …«

Der Geschäftsbericht wird von der Zentrale veröffentlicht, und die befindet sich in Deutschland. Das ist die Perspektive, aus der sich die Formulierung herleitet: Von Deutschland aus gesehen, ist Brasilien nicht hier, sondern dort. Es muss also heißen: »Dort haben wir im Geschäftsjahr …« Ein weiteres Beispiel:

»Besonders heftig waren die Regenfälle in Wuppertal,
hier waren ganze Straßenzüge nicht mehr befahrbar.«

Wenn das so in einer Wuppertaler Zeitung steht, ist es korrekt. Erscheint der Beitrag jedoch in einer Zeitung oder Sendung aus irgendeinem anderen Teil Deutschlands, ist Wuppertal nicht mehr »hier«. Dann muss es »dort« heißen.

In räumlicher Hinsicht ist »hier« also eng begrenzt, nämlich auf den Standort der Firma, der Redaktion oder der Person, die die Aussage trifft. Denken Sie ans Krümelmonster!

 

Dies ist die Juni-Ausgabe 2018 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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