»Zwei Minuten für die Sprache« (7/2021): Eins kommt zum anderen

Vielleicht haben Sie sich hier und da auch schon mal gefragt, welche dieser Formulierungsvarianten korrekt ist:

An der ein oder anderen Stelle gibt es noch Bedarf.
An der einen oder anderen Stelle gibt es noch Bedarf.

Wenn man einmal anfängt, darüber nachzudenken, ist man irgendwann ganz unsicher.

Für mich selbst kommt in geschriebenen Texten nur »an der einen oder anderen Stelle« infrage. Gleichzeitig ist mir natürlich bewusst, dass in der gesprochenen Sprache eher das »ein« gängig ist und das -en (oder eine dem Satzzusammenhang entsprechende andere Endung) wegfällt. Aber ist das auch in der Schriftsprache richtig?

Im Duden ist diese Frage gar kein großes Thema. In Band 1 (Rechtschreibung) ist in einem Kasten mit Beispielen zum Stichwort »ein« zu finden: »der ein[e] oder andere«. Das ist alles. Der grüne Duden (Band 9; »Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle«) hat dazu gar keinen Eintrag. Es geht also beides, und das ist ja grundsätzlich eine gute Nachricht, so macht man nicht so leicht etwas falsch.

Dennoch bleibe ich dabei, dass die Endung in der Schriftsprache sinnvoll ist, und werde sie auch weiterhin empfehlen. Denn vollständig ausformuliert heißt es »An der einen Stelle oder an der anderen Stelle …«. Was sich doppelt, nämlich »Stelle« und »an der«, kann man einsparen. Der Rest bleibt unverändert. So entsteht auch bei sprachsensiblen Menschen kein Störgefühl und damit keine Lesebremse.

 

Dies ist die Juli-Ausgabe 2021 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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Mehr Infos dazu finden Sie hier.


 

Kategorien: Allgemein, Wussten Sie schon, ...? und getaggt , , . | Kommentieren |

Ein Kommentar

  1. Alexander
    Am 2. Juli 2021 um 19:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich denke, dass „an der ein oder anderen“ basiert auf einem Mißverständnis. Das zweite „e“ in „einen“ ist in der Alltagssprache, insbesondere hier im Norden, fast stumm. Man hört also „an der ein’n oder anderen“, und irgendwann schleift sich das runter zu „an der ein oder anderen“.

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