»Zwei Minuten für die Sprache« (1/2020): bewegt oder bewogen?

Das Verb »bewegen« lässt sich vielseitig einsetzen. Meistens wird es schwach gebeugt, das heißt, in den grammatischen Formen bleibt die Grundform (»beweg-«) immer gleich: Er bewegt, sie bewegte, er hat etwas bewegt. Was viele aber nicht wissen: In einer Bedeutung ist »bewegen« ein starkes Verb.

Aber der Reihe nach. Das schwache Verb »bewegen« bezeichnet eine Orts- oder Lageveränderung: Man bewegt einen Gegenstand von A nach B, jemand bewegt den Kopf zur Seite, die Erde bewegt sich um die Sonne. In übertragener Bedeutung bewegt sich zum Beispiel etwas im Kreis (führt zu keinem Ergebnis), oder jemand bewegt (erreicht) durch sein Handeln etwas.

In allen diesen Fällen bleibt der Wortstamm in den Vergangenheitsformen unverändert: Er hat (sich) bewegt, sie bewegte (sich). Interessant wird es, wenn die Bewegung innerlich geschieht.

Wenn mich ein Ereignis oder eine Rede berührt hat, war ich tief bewegt. Ließ ein Problem jemanden eine Zeit lang nicht ruhig schlafen, hat es ihn bewegt. Bestimmte Umstände oder Motive können eine Person aber auch dazu veranlassen, etwas zu tun oder zu entscheiden. Und genau in diesen Fällen ist »bewegen« ein starkes Verb, bei dessen Beugung sich die Grundform verändert: Etwas hat jemanden zum Einlenken, zum Kauf, zum Verzicht oder zu irgendetwas anderem bewogen. In dieser Bedeutung ist die Form »bewegt« falsch.

Als Eselsbrücke können Sie sich merken, dass in dieser Bedeutung der Aspekt des Abwägens mitschwingt; dann wirkt »bewogen« auch gleich viel natürlicher als »bewegt«.

 

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