»Zwei Minuten für die Sprache« (1/2020): Dunkelziffer

In den letzten Monaten ist sie in den Medien allgegenwärtig: die Dunkelziffer. Und mehr denn je fällt mir auf, wie unpräzise und teilweise falsch dieser Begriff benutzt wird.

Schauen wir uns zunächst mal die Definition im Duden an: Die Dunkelziffer ist die »offiziell nicht bekannt gewordene Anzahl von bestimmten [sich negativ auswirkenden] Vorkommnissen, Erscheinungen«. Es gibt also eine bekannte/belegte Anzahl X, und man vermutet, dass es weitere Fälle gibt, die man aber nicht beziffern kann. Nur dieser unbekannte Anteil Y ist die Dunkelziffer (auch Dunkelfeld genannt, aus meiner Sicht viel anschaulicher).

Zusammengefasst bedeutet das:

Die tatsächliche Zahl (Z) ist die Summe
aus bekannter Menge (X) und Dunkelziffer (Y).
→ Z = X + Y

Eigentlich eine klare Sache, oder? Was in den Medien aber permanent zu lesen und zu hören ist, geht ungefähr so:

1.000 Fälle sind bekannt, die Dunkelziffer ist aber vermutlich höher.

Gemeint ist damit: Es sind vermutlich mehr als 1.000 Fälle. Und ja, so verstehen wir es in der Regel auch.

Gesagt ist aber etwas wesentlich Konkreteres: In dieser Formulierung steckt die Aussage, dass es insgesamt wohl mehr als 2.000 Fälle gibt. Denn die Dunkelziffer ist ja nur der Anteil, der nicht bekannt ist (Y). Wäre der höher als der bekannte (X), läge Y in unserem Beispiel über 1.000, was in der Summe mit dem bekannten Anteil X mehr als 2.000 ergäbe.

Nun ist eine so hohe Dunkelziffer nicht auszuschließen, aber wohl auch nicht die Regel. Man weiß es eben nicht. Sinnvoll wäre es deshalb zum Beispiel so:

1.000 Fälle sind bekannt, vermutlich gibt es aber eine (hohe) Dunkelziffer.

 

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Kategorien: Allgemein, Wussten Sie schon, ...? und getaggt , , . | Kommentieren |

Ein Kommentar

  1. Peter
    Am 7. Februar 2021 um 23:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich habe noch ein weiteres Problem mit der Dunkelziffer. Denn Ziffern sind ja im gemeinhin verwendeten Dezimalsystem die Symbole 0 bis 9. In den meisten Fällen wird es sich aber nicht nur um einen einstelligen Wert handeln. Die Dunkelziffer ist also in der Regel eine Zahl, keine Ziffer. Und obwohl mir das klar ist, fände ich „Dunkelzahl“ den schlechteren Ausdruck. Macht der Gewohnheit? Und ist das tragisch? Ich denk noch drüber nach.

    Herzliche Grüße

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