»Zwei Minuten für die Sprache« im Februar: nötig und notwendig

Wie ist das eigentlich mit den Adjektiven »nötig« und »notwendig«, sind die tatsächlich synonym, also gleichbedeutend und damit austauschbar? Spontan möchte man meinen, dass es so ist. Aber schauen wir mal genauer hin.

Synonym sind die beiden häufig in Verbindung mit »sein« (»Es ist nötig/notwendig, dass wir darüber reden.«). Dabei ist »notwendig« schon aufgrund seiner drei Silben nachdrücklicher als das zweisilbige »nötig«; mir persönlich erscheint es auch ein wenig förmlicher bzw. gehobener. Je nach Sprachstil eines Texts kann es also durchaus einen Unterschied in der Wirkung bedeuten, ob man sich für das eine oder das andere entscheidet.

Auch in der Kombination mit anderen Verben lassen sich die beiden oft austauschen: Man kann zum Beispiel etwas für nötig oder für notwendig erachten, etwas kann sich als nötig oder notwendig erweisen. Es gibt aber auch Fälle, in denen nur eins der beiden Adjektive richtig ist.

Die Verbindung mit »haben« funktioniert zum Beispiel nur mit »nötig«, nicht aber mit »notwendig«:

Er hat eine Pause dringend nötig.
Du hast es gerade nötig, dich zu beschweren.

Auch in der Wendung »Das wäre nicht nötig gewesen« ist kein Austausch gegen »notwendig« möglich.

Im Sinne von »zwingend« bzw. »zwangsläufig« wiederum ist nur »notwendig« korrekt:

Das ist die notwendige Konsequenz aus diesem Verhalten.

 

Dies ist die Februar-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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