»Zwei Minuten für die Sprache« (12/2021): zukünftig oder künftig?

Immer mal wieder werde ich gefragt, ob es einen Unterschied zwischen »zukünftig« und »künftig« gibt oder ob die zweite Variante nur eine verkürzte Form der ersten ist. Dazu etwas Konkretes zu finden, ist gar nicht mal so einfach.

Der Duden beschreibt die Bedeutung beider Formen mit »in Zukunft, von nun an« und liefert dazu die Beispielsätze »Ich bitte, dies zukünftig zu unterlassen.« und »Das soll künftig anders werden.«. Demnach wären »zukünftig« und »künftig« synonym.

Dann gibt es da aber noch Sprachgebrauch und Sprachgefühl, und vor allem Letzteres signalisiert mir durchaus einen kleinen Unterschied. Aus meiner Sicht lässt sich »künftig« eigentlich immer durch »zukünftig« ersetzen, umgekehrt gilt das aber nicht in jedem Fall. Bei »künftig« meldet mein Sprachradar einen klare(re)n Bezug zum jetzigen Zeitpunkt: Wenn etwas künftig anders ist, dann beginnt die Veränderung unmittelbar. Soll aber etwas zukünftig anders sein, ist es auch denkbar, dass die Neuerung zwar ab einem konkret benannten Zeitpunkt gilt; dieser Zeitpunkt kann aber auch in der nächsten Woche oder im nächsten Monat liegen.

Dieser feine Unterschied lässt sich so nicht im Duden belegen. Klickt man sich aber durch verschiedene Sprachforen, zeigt sich, dass viele Menschen, die sich mit Sprache beschäftigen, ihn ebenso benennen. Andere sehen die »zukünftig« und »künftig« als völlig gleichwertig an.

 

Dies ist die Dezember-Ausgabe 2021 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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Mehr Infos dazu finden Sie hier.


 

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2 Kommentare

  1. Katarina Flanagan
    Am 3. Dezember 2021 um 11:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mein Sprachgefühl sagt dasselbe, ist sogar etwas restriktiver, liebe Juliane,

    mit „künftig“ meine ich nämlich IMMER von nun an, mit „zukünftig“ eher irgendwann – sofern nichts Konkreteres folgt. Und bisher hat es auch jeder so verstanden, wie gemeint, denke ich. Insofern ersetze ich auch keinen der Begriffe durch den anderen.

    Danke jedenfalls für Deine inspirierenden sprachlichen Spitzfindigkeiten ;o)
    Freu mich auf 1/2022 …

    Katarina

    • Sprachpingel
      Am 3. Dezember 2021 um 11:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

      :-) Vielen Dank, liebe Katarina!

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