»Zwei Minuten für die Sprache« (12/2018): Erinnerungen

Wie halten Sie es mit dem Verb »erinnern«: Erinnern Sie sich an bestimmte Dinge oder Ereignisse? Oder erinnern Sie diese, ganz ohne »sich«?

Standardsprachlich ist »sich an etwas erinnern« korrekt, aber viele Menschen sagen auch »Ich erinnere das nicht«. Die Vermutung liegt nahe, dass diese zweite Form eine nachlässige Übertragung aus dem Englischen ist (»I don’t remember that«). In vielen Fällen ist das womöglich auch so, schließlich hat das Englische immer mehr Einfluss auf unsere Sprache, wie an Wendungen wie »am Ende des Tages« (für »letztendlich«) oder »das gehört zu meiner/unserer DNA« (für »das ist Teil meiner Persönlichkeit/unserer Unternehmensphilosophie«) deutlich wird.

Wie kommt es dann aber, dass zumindest hier in Hamburg auch viele ältere Menschen, die nur wenig oder gar kein Englisch sprechen, »etwas erinnern«?

Tatsächlich verzeichnet der Duden diese Wendung ohne »sich« schon lange, gibt aber den Hinweis »veraltend« dazu, ebenso »besonders norddeutsch«. Das heißt: Sie war hier im Norden einmal gängig. Wenn Sie also künftig den Vorwurf hören, »etwas erinnern« sei ein Anglizismus, können Sie einfach entgegnen, dass Sie ein traditionell geprägter Fischkopf sind. In der schriftlichen Kommunikation sollten Sie das »sich« (bzw. »mich«) aber in jedem Fall dazunehmen.

 

Dies ist die Dezember-Ausgabe 2018 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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