»Zwei Minuten für die Sprache« (12/2015): wieder und wider

Heute gehe ich mal wieder auf einen Wunsch aus dem Leserkreis der »Zwei Minuten« ein: Ich wurde gebeten, doch mal etwas über »wieder« und »wider« zu schreiben. Bitte schön!

Das gebräuchlichere dieser beiden Wörter ist zweifellos das Adverb »wieder«, das als Synonym für »nochmals« und »erneut« aus dem deutschen Sprachschatz gar nicht wegzudenken ist. Es kommt auch in Kombinationen vor, etwa in »wiederholen« oder »wiedergeben« (sowohl im Sinne von »zurückgeben« als auch im Sinne von »noch einmal berichten/abspielen«).

Etwas eckiger ist die Präposition »wider«. Das kommt vor allem daher, dass sie etwas antiquiert ist und mit wenigen Ausnahmen nur noch in gehobener Sprache vorkommt; sonst ist »gegen« das Wort der Wahl. Wir nutzen »wider« hauptsächlich in Verbindung mit Verben, dabei drückt es immer eine (innerlich oder äußerlich) gegenläufige Bewegung aus: »widerstreben«, »widersprechen«, »widerlegen« oder »widerhallen«.

Als einzeln stehendes Wort gehört »wider« heute nur noch in der Wendung »wider besseres Wissen« zum aktiven Sprachschatz. Bei der Gelegenheit: Es heißt nicht »wider besseren Wissens«, auch wenn der Genitiv noch so gut zum angestaubten »wider« zu passen scheint. Ersetzen Sie in Gedanken einfach »wider« durch »gegen«, dann vergessen Sie nie wieder, dass hier der Akkusativ richtig ist.

 

Dies ist die Dezember-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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Kategorien: Allgemein, Wussten Sie schon, ...? und getaggt , , , . | Kommentieren |

2 Kommentare

  1. Kerstin
    Am 17. März 2016 um 16:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Beim Lesen fiel mir bezüglich der Verwendung von „wider“ spontan noch „wider Erwarten“ und „wider die Natur“ (hui, beinahe hätte ich fälschlicherweise „wider der Natur“ geschrieben, aber das ist ja falsch, da, wie du oben geschrieben hattest, „wider“ den Akkusativ nach sich zieht – wieder was gelernt!) ein; gerade ersteres würde ich nach meinem Empfinden nicht als allzu veraltet einstufen (auch wenn der Duden den Ausdruck als nicht sonderlich geläufig bzw. häufig einstuft).

    In jedem Fall lese ich hier wirklich sehr gern! Es gibt wirklich so viele Feinheiten und Abgrenzungen, von denen ich nichts wusste oder mir derer nicht bewusst war (obwohl ich dachte, dass ich das mit der Sprache einigermaßen gut beherrschen würde) – vielen Dank dafür! :-)

    • Sprachpingel
      Am 17. März 2016 um 16:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Hallo Kerstin, stimmt – »wider Erwarten« ist durchaus gängig, und auch »wider die Natur« lässt sich noch in diese Kategorie packen. Vielen Dank für die Ergänzungen!

      Und danke auch für das Feedback zum Blog, ich freu mich sehr. :-)

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