»Zwei Minuten für die Sprache« im August: Verschiedenes

Ich bin ja immer dafür, Texte kurz zu halten. Wenn man Überflüssiges weglässt, entsteht eine klarere Aussage. Aber was ist überflüssig? Die Leitfrage lautet: Verändert sich der Sinn, wenn man auf den fraglichen Teil verzichtet? Klassische Beispiele, in denen die Antwort Nein ist, sind »wie zum Beispiel« (denn »wie« und »zum Beispiel« sagen jeweils allein genau dasselbe aus) oder »eine Win-win-Situation für alle Beteiligten« (weg mit »für alle Beteiligten«!).

Heute habe ich einen Begriff herausgepickt, der oft, aber eben nicht immer überflüssig ist: Es geht um »verschiedene«. Mich juckt es immer in den Fingern, wenn ich so etwas lese wie »80 verschiedene Sorten« oder »15 verschiedene Tierarten«. Lassen Sie mal in beiden Beispielen das Wort »verschiedene« weg. Verändert sich der Sinn? Nein. Also raus damit!

In diesen Fällen steht »verschieden« bei Begriffen, die schon eine Unterscheidung innerhalb einer größeren Menge von Dingen vornehmen. Anders gesagt: »Sorten«, »Arten« und ähnliche Begriffe sind bereits Gruppierungen. Alles, was in eine solche Gruppierung hineingehört, ist gegenüber allem anderen verschieden, sodass es eine Dopplung ist, das noch zusätzlich zu erwähnen.

In anderen Fällen aber verändert »verschiedene« durchaus den Sinn. Wenn zum Beispiel ein Baumarkt schreibt, er habe 30 Schrauben am Lager, könnte man vermuten, dass im Einkauf jemand geschlafen hat. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Baumarkt 30 verschiedene Schrauben am Lager hat, und von diesen 30 Sorten dann jeweils Tausende.

 

Dies ist die August-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« sind auch im Buchhandel erhältlich.
Mehr Infos dazu finden Sie hier.


Kategorien: Allgemein, Wussten Sie schon, ...? und getaggt , , . | Kommentieren |

2 Kommentare

  1. Dierk
    Am 7. August 2015 um 09:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Als Faustregel nicht übel, aber.

    Es gibt noch eine zweite Erwägung: Ton [oder heisst das auf Deutsch ‚Stil‘, obwohl mir das knapp daneben scheint?].

    Viele Texte, auch Gebrauchstexte, besitzen ja neben ihrer Oberflächenbedeutung noch weitere Ebenen, die Sinn schaffen. Man schaue sich das ‚ja‘ im vorigen Satz an – sicherlich drei Zeichen, die Lektoren und Schlussredakteure sofort streichen werden. Ändert sich die Oberflächenbedeutung? Nein, der technische Inhalt bleibt erhalten, wenn wir ‚ja‘ löschen. Trotzdem hören wir den Satz im Kopf anders.

    Das ‚ja‘ teilt mit: lockere Konversation, ich weiss, dass du weisst, was ich gleich sage. Die Variante ohne mag als neutral argumentiert werden können, hat aber eindeutig mehr Schärfe. Wie angeblich tonal neutrale Sätze durch ihre höhere Distanz – die das ‚ja‘ abbaut – immer etwas angreifend wirken.

    Ein weiterer Aspekt ist der Rhythmus. Wenn der Rhythmus eines Textes nicht stimmt, hänge ich gerne überflüssige Buchstabenketten ein. Sie zerstören den Inhalt* nicht, und wenn sie dem Ton nichts tun, ihn gar stützen, immer rein damit!

    *bestimmte Artikel sind auch inhaltlich überflüssig [es gibt eine Ausnahme, aber das führt jetzt zu weit].

    • Sprachpingel
      Am 7. August 2015 um 09:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke für die Ergänzung! Natürlich hat das Thema noch deutlich mehr Facetten, da stimme ich dir absolut zu.

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