»Zwei Minuten für die Sprache« (4/2018): Kongruenz im Genus

»Kongruenz« bedeutet in Bezug auf Sprache die Übereinstimmung von Satzteilen hinsichtlich bestimmter grammatischer Merkmale; ein Feld, das viele Zweifelsfälle bereithält. Ich schaue heute mal auf einen Fall der Kongruenz im Genus, also im grammatischen Geschlecht. Betrachten Sie mal folgende Satzanfänge:

Mein Auftraggeber, die Firma Schulze, der kürzlich Jubiläum gefeiert hat …
Mein Auftraggeber, die Firma Schulze, die kürzlich Jubiläum gefeiert hat …

»Mein Auftraggeber« ist das Subjekt des Satzes, »die Firma Schulze« eine nähere Beschreibung (Apposition). Im ersten Fall stellt der anschließende Relativsatz einen Bezug zum Auftraggeber her: »Auftraggeber« ist maskulin, also heißt es »der kürzlich …«. Im zweiten Beispiel heißt es »die kürzlich …«: Der Relativsatz bezieht sich auf »die Firma«.

Und was ist nun richtig?

Grundsätzlich beides. Um im Einzelfall entscheiden zu können, schaut man, welcher der beiden Teile (Subjekt oder Apposition) im Satz mehr Gewicht hat bzw. ob sich der Relativsatz einem der Teile stärker zuordnen lässt. Im obigen Beispiel ist das recht eindeutig die Firma, sodass »die« sinnvoller ist.

Wenn im selben Satz einfach nur Subjekt und Apposition die Plätze tauschen, ist aber schon längst nicht mehr so klar, welcher Teil eher als Bezugsgröße anzusehen ist:

Die Firma Schulze, mein Auftraggeber, die kürzlich Jubiläum gefeiert hat …
Die Firma Schulze, mein Auftraggeber, der kürzlich Jubiläum gefeiert hat …

Klingt beides schief, oder? Viel falsch machen können Sie nicht, beides ist grundsätzlich richtig. Um Irritationen zu vermeiden, würde ich in diesem Fall aber eine andere Satzkonstruktion wählen.

 

Dies ist die April-Ausgabe 2018 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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Kategorien: Allgemein, Wussten Sie schon, ...? und getaggt , , , . | Kommentieren |

2 Kommentare

  1. Am 14. September 2018 um 16:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Warum nicht einfach die Kongruenz erweitern? Die einfachste Lösung wäre für mich (auch wenn das vielleicht noch etwas gewöhnungsbedürftig ist), von „meiner Auftraggeberin“ zu sprechen!

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