»Zwei Minuten für die Sprache« (4/2017): »sogenannt« und Anführungszeichen

Über die Variationen und den korrekten Gebrauch von Anführungszeichen habe ich vor gut zwei Jahren schon einmal geschrieben. Heute möchte ich dazu noch etwas ergänzen, weil es mir im Rahmen meiner Lektoratsarbeit immer wieder begegnet.

Sehr häufig lese ich nämlich, dass ein Begriff mit dem Wort »sogenannt« angekündigt wird und der Begriff selbst dann in Anführungszeichen steht. Ein Beispiel:

Sie gehören der sogenannten »Generation Y« an.

Das ist nicht im engeren Sinn falsch; trotzdem zücke ich in diesen Fällen grundsätzlich den virtuellen Rotstift. Und ich sage Ihnen auch, warum.

Sowohl das Wort »sogenannt« als auch die Anführungszeichen zeigen an, dass der Begriff besonders ist: weil er zum Beispiel neu oder ungewöhnlich ist oder weil ihn möglicherweise nicht alle angesprochenen Leser/-innen kennen. Anführungszeichen und »sogenannt« heben den Begriff heraus und sorgen dafür, dass er besondere Aufmerksamkeit erhält. Man macht beim Lesen auch unwillkürlich eine kleine Pause vor dem entsprechenden Wort.

Diesen Effekt erzielen beide Elemente aber auch unabhängig voneinander:

Sie gehören der »Generation Y« an.
Sie gehören der sogenannten Generation Y an.

Das heißt: Die Kombination von »sogenannt« und Anführungszeichen ist eine Dopplung, die den Text unnötig aufbläht. Die Aussage büßt nichts von ihrer Bedeutung ein, wenn Sie auf eins davon verzichten.

 

Dies ist die April-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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Kategorien: Allgemein, Wussten Sie schon, ...? und getaggt , , , . | Kommentieren |

2 Kommentare

  1. Lukas
    Am 22. April 2017 um 19:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo,

    bei dieser Ausgabe muss man gehörig mitdenken, denn «sogenannt» in Anführungszeichen in einem Text über Anführungszeichen. Da wird’s richtig kompliziert ;).

    Sehr schönes Blog und immer informativ.

    • Sprachpingel
      Am 23. April 2017 um 09:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ja, das dachte ich beim Schreiben auch schon. Aber anders wird es unübersichtlich, und meine Leserinnen und Leser sind ja auch clevere Leute 😉

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