»Zwei Minuten für die Sprache« im April: Apostroph

Auf mehrfachen Wunsch geht es heute um den Apostroph. Sie lesen richtig: um den Apostroph, nicht um das Apostroph, denn das wäre falsches Deutsch.

Der korrekte Apostroph sieht aus wie ein hochgestelltes Komma.

Der korrekte Apostroph sieht aus wie ein hochgestelltes Komma.

Ein Apostroph zeigt an, dass etwas weggelassen wurde. Oft sehe ich aber Apostrophe da, wo gar nichts fehlt: zum Beispiel bei den Imperativen »nimm« und »gib«. Die lauten genau so, da fehlen keine Buchstaben, also braucht man auch keinen Apostroph.

Umgekehrt ist ein Apostroph aber nicht überall zwingend, wo man etwas weglässt. Nötig ist er nur, wenn die verkürzte Form sonst schwierig zu erfassen oder missverständlich ist. Das ist in lyrisch anmutender Sprache häufiger der Fall (»ein einz’ger Moment«), nicht aber bei kurzen, gängigen Verschmelzungen wie »ins«, »beim«, »zur« oder bei Kurzformen wie »runter«, »rauf«, »raus«. Sinnvoll ist er auch, wenn man gesprochene Sprache wiedergibt: »So’n Quatsch« liest sich viel einfacher als »Son Quatsch«.

Der häufigste Fehler in diesem Bereich ist aber der Apostroph vor einem Genitiv-s. Richtig ist »Hamburgs Altstadt« oder »Martins Zeitung« ohne Apostroph. Wenn die Grundform des Namens auf s, ss, ß, tz, z oder x endet und ohne Artikel steht, braucht man einen Apostroph, aber nicht zusätzlich zum Genitiv-s, sondern als Ersatz dafür (»Hans’ Schwester«).

Das heißt: Eine Würstchenbude, die von einer Frau namens Andrea betrieben wird, ist mit »Andreas Imbiss« korrekt betitelt; schwingt dort ein Andreas die Grillzange, ist »Andreas’ Imbiss« die richtige Schreibweise. Der Deppenapostroph, den der Duden (wenn auch nicht unter diesem Namen) als »gelegentlich gebraucht« verzeichnet, ist aus formaler Sicht also gar nicht notwendig, um seins und ihrs zu unterscheiden.

Tipp:
Der Apostroph ist ein eigenes Zeichen (’), der Shortcut auf dem PC ist ALT + 0146, am Mac Shift + ALT + #. Akzente oder einfache Abführungszeichen als Ersatz sind falsch.

Oben ein einfaches Abführungszeichen, unten ein Akzent – Apostroph geht anders!

Oben ein einfaches Abführungszeichen, unten ein Akzent – Apostroph geht anders!

 

Dies ist die April-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« sind auch im Buchhandel erhältlich.
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10 Kommentare

  1. Organisation mit Sabine
    Am 11. April 2015 um 15:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Uups, ich habe doch tatsächlich immer Akzent benutzt. Vielen Dank für die Zusammenfassung und die Auffrischung der Apostroph-Regeln.

    Liebe Grüße
    Sabine

    • Sprachpingel
      Am 11. April 2015 um 18:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Gern geschehen! :-)

  2. Uschi aus Aachen
    Am 11. April 2015 um 23:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich bin im Herzen auch ein Sprachpingel, darum liebe ich es, hier mitlesen zu können!

  3. Ania Groß
    Am 22. April 2015 um 11:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Oha! Da meint frau, sie macht alles richtig und weiß nichts von der zusätzlich zu drückenden alt-Taste. Guck an! Danke.

    • Sprachpingel
      Am 22. April 2015 um 12:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Gern geschehen! Wenn die Auslassung am Ende eines Wortes ist, kannst du auch die einfache Kombination (Shift + #) nehmen, das erzeugt dasselbe Zeichen. ALT brauchst du, wenn der Apostroph am Wortanfang stehen muss, da ergibt Shift + # ein einfaches Anführungszeichen unten.

      • Ania Groß
        Am 22. April 2015 um 12:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ach soooo, ich dachte, es ginge um die Richtung (6 oder 9). Dann ist ja alles gut!

  4. AndreasP
    Am 22. April 2015 um 16:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Es mag Textverarbeitungsprogramme geben, die aus Shift + # einen wirklich schönen Apostroph machen, aber normalerweise ist dieses Zeichen im Deutschen keine gute Alternative. Ich zitiere mal den Wikipeda-Artikel „Apostroph“:

    „Das Ersatzzeichen ‚ ist ein gerader, senkrechter Strich (Unicode U+0027, APOSTROPHE), welcher nur bei entsprechenden technischen Beschränkungen anstelle des korrekten Apostrophes eingesetzt wird.“

    • Sprachpingel
      Am 22. April 2015 um 17:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke für die Ergänzung! Am Mac ergibt Shift + # am Wortende (und nur da) tatsächlich dasselbe Zeichen wie Alt + Shift + #, also den Apostroph so, wie ich ihn am Anfang des Artikels im Bild (Screenshot aus Word) gezeigt habe.

      • Johannes
        Am 5. Mai 2015 um 13:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Auch am Wortend‘ macht der Mac nur ’nen Minutenzeichen, wie man sieht. Das eine oder andere Programm mag das anders handhaben, aber Standard ist das nich’.

  5. Johannes
    Am 5. Mai 2015 um 13:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Äh, wie man nicht sieht — da kocht wohl das CMS noch mit, und mein Kommentar wird falsch …

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