»Zwei Minuten für die Sprache« (9/2021): Prozentangaben und die Relation

Vor vielen Jahren gab es mal einen Werbespot für Knäckebrot, dessen Hauptaussage war, dass dieses Brot in jeder Scheibe 16 Prozent Ballaststoffe enthalte. Und in einem Artikel über umweltfreundliche Transporte las ich vor einiger Zeit, dass jede Tonne Fracht, die mit Güterzügen statt mit Lkw transportiert werde, 80 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß erzeuge.

Beide Aussagen sind nicht mal im engeren Sinne sprachlich falsch. Trotzdem lasse ich sie im Lektorat nicht so stehen. Denn sie lassen außer Acht, dass Prozentwerte relationale Angaben sind, also ein festes Verhältnis angeben, das sich für jede beliebige konkrete Menge berechnen lässt. Deshalb ist es nicht sinnvoll, bei einer konkreten Grundmenge (eine Scheibe Knäckebrot, eine Tonne Fracht) einen Prozentsatz anzugeben und diesen dann wieder mit »jede« zu verallgemeinern.

Denn der Prozentsatz bleibt immer gleich: Auch in zwei Scheiben des besagten Knäckebrots sind 16 Prozent Ballaststoffe, ebenso wie in der ganzen Packung und sogar in einer kompletten Palette.

Es gibt also immer zwei Möglichkeiten, solche Angaben sinnvoll unterzubringen. Entweder nehmen Sie die Prozentangabe als allgemeine Aussage (»Dieses Knäckebrot enthält 16 Prozent Ballaststoffe.«), dann können Sie zur Veranschaulichung immer noch ein Beispiel ergänzen, das diesen prozentualen Anteil konkret benennt, dann aber mit der entsprechenden Einheit (»Das sind pro Scheibe X Gramm.«). Oder Sie zäumen das Pferd andersherum auf und beginnen mit der Veranschaulichung: »Jede Scheibe dieses Knäckebrots enthält X Gramm Ballaststoffe. Das sind 16 Prozent.«

 

Dies ist die September-Ausgabe 2021 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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