Zahnweh, anders

Das hier fand ich am letzten Samstag in einer Hamburger Tageszeitung:

Vor ein paar Tagen habe ich ja schon über Schnäppchen und Schnippchen geschrieben und damit das weite Feld der Redewendungen betreten – für mich immer noch eins der faszinierenden Gebiete der Sprachwissenschaft. In meinem Anglistik-Studium habe ich mich einige Zeit mit englischen Sprichwörtern und Redewendungen beschäftigt; es gab tatsächlich einen Professor, dessen Fachgebiet das war.

Was Redewendungen auszeichnet, ist, dass sie weitgehend feststehen; man kann nicht einfach ein anderes Verb nehmen (Schnippchen etwa kann man nur schlagen, sonst gar nichts) oder ein Substantiv in den Plural setzen. Häufig ist es außerdem ja auch so, dass die Kombination der Wörter bei Betrachtung ohne die »idiomatische Brille« ziemlicher Unfug ist und nur mit der übertragenen Bedeutung – wenn man sie denn kennt – einen Sinn ergibt.

Ein solcher Fall ist »jemandem auf den Zahn fühlen«. Deutschen Muttersprachlern ist die Wendung bekannt: Sie bedeutet, dass man jemanden genau befragt, um etwas Bestimmtes herauszubekommen; oft, weil man vermutet, dass eine Aussage dieser Person nicht ganz ehrlich oder vollständig war. Das hat mit Zähnen gar nichts zu tun, wie sollte das auch gehen? Man kann ja nicht »auf etwas fühlen«. Aber in dieser – und nur in dieser – Kombination erschließt sich ein eigener, anderer Sinn.

Das heißt in diesem Fall: Man fühlt grundsätzlich auf den Zahn, auch dann, wenn man mehrere Leute ins Kreuzverhör nimmt.

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