Schnäppchen und Schnippchen

Gestern war ich in einem der letzten verbliebenen Stadtteil-Kaufhäuser in Hamburg. Auf einer Sonderfläche im Erdgeschoss spielte eine Frau mit umgehängtem Mikrofon und weichgespülter Ich-bin-ein-Werbe-Vollprofi-und-lulle-euch-ein-Stimme die Verkaufsplatte ab:

»Liebe Kundinnen, lassen Sie sich das nicht entgehen: Auf alle Taschen, die Sie auf dieser Sonderfläche sehen, bekommen Sie heute sa-gen-haf-te 50 Prozent Rabatt. Nehmen Sie am besten gleich in jeder Farbe eine mit, so günstig werden Sie hochwertige Markenhandtaschen so schnell nicht wieder bekommen. Ist das nicht toll – hier können Sie heute jede Menge bares Geld sparen.«

Und so weiter und so fort. Im gesamten Haus war sie zu hören – so sollte das sicher auch sein.

Als ich gerade die Rolltreppe betrat, sagte sie Folgendes:

Hier können Sie heute ein echtes Schnäppchen schlagen!

Sehr verbreiteter Fehler. Schnäppchen kann man machen oder auch jagen, aber nicht schlagen. Was man schlägt, ist ein Schnippchen – das bedeutet im Deutschen, dass man auf geschickte Art und Weise um etwas herumkommt oder die Absichten einer anderen Person durchkreuzt. Die vollständige Wendung benötigt außerdem ein Dativobjekt: Man schlägt jemandem ein Schnippchen.

Das hat mit reduzierten Preisen nichts zu tun. Und damit wären wir wieder bei dem faszinierenden Phänomen, dass Leute die Begriffe und Wendungen aus ihrem eigenen Tätigkeitsfeld nicht beherrschen.

So schade.

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