Nicht rechtschreibgeeignet

Manchmal überlege ich, ein separates Blog einzurichten, in dem es ausschließlich um die falsche Verwendung von Bindestrichen geht, das würde sich sicher genauso lohnen wie ein Blog zum Thema Deppen-Apostroph. Hier ein neues Fundstück aus einem Immobilienportal:

8 Wörter (wenn man die 5,5 als Wort zählt) – und dabei 5 Fehler, die mit Strichen zu tun haben. Holla!

Fangen wir mal hinten an. Das Phänomen, dass viele Menschen inzwischen nicht mal mehr das Vokabular ihres eigenen Tätigkeitsfelds beherrschen, habe ich ja schon sehr oft angesprochen (siehe zum Beispiel hier oder hier), aber es erschüttert mich immer wieder. Bezüglich der Zimmerzahl ist in Immobilienanzeigen alles dabei, von »X Zimmer Wohnung« über »X Zimmer-Wohnung« und »X-Zimmer Wohnung« bis zu »X-Zimmerwohnung« … nur die richtige Schreibweise »X-Zimmer-Wohnung«, also mit zwei Bindestrichen, sehe ich extrem selten.

Es geht weiter: Der Strich vor der 5,5 muss deutlich länger sein, denn es handelt sich hier um einen Gedankenstrich und nicht um einen Bindestrich.

Und schließlich: »NICHT-WG geeignet« ergibt in dieser Schreibweise sprachlich überhaupt keinen Sinn. Wenn eine Wohnung dazu angetan ist, darin eine Wohngemeinschaft zu eröffnen, dann ist sie »WG-geeignet« – zwischen diese beiden Wörter gehört ein Bindestrich. Ist die Bude zu klein oder will der Vermieter schlicht keine Wohngemeinschaften darin haben, dann heißt es korrekt »nicht WG-geeignet« (wenn die Verneinung betont werden soll, von mir aus auch »NICHT WG-geeignet«, auf jeden Fall aber ohne Bindestrich hinter dem »NICHT«).

Der Vollständigkeit halber: Vor die Auslassungspunkte am Ende gehört ein Leerschritt.

Ob ich mal Rechtschreibseminare für Makler anbieten soll?

 

Kategorien: Allgemein, Makler und andere Spezialisten und getaggt , , , , . | Kommentieren |

5 Kommentare

  1. Am 14. Januar 2013 um 15:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wie wahr! Die falsche Verwendung von Bindestrichen hat mit Sicherheit was Eigenes verdient. Was mich ebenso stört, ist die undifferenzierte Verwendung des Worts „Minus“ selbst bei öffentlichen Ankündigungen im deutschen Fernsehen: we-we-we-a-er-de-minus…

    • Sprachpingel
      Am 14. Januar 2013 um 15:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Stimmt, das behalte ich mal im Hinterkopf für einen der nächsten Artikel. Die Geschichte der Striche in der deutschen Rechtschreibung ist eine Geschichte voller Missverständnisse … ;-) Danke für den Hinweis!

  2. Am 14. Januar 2013 um 18:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und es gibt sogar Wörter, die offenbar nie korrekt geschrieben werden! Dazu zählen insbesondere Stellenangebote auf „400 Euro Basis“. Über einen Gegenbeweis würde ich mich ehrlich freuen (auch so eine Blog-Idee: unverhofft gutes Deutsch im Alltag sammeln).

    Schöne Grüße
    Martin

    • Sprachpingel
      Am 14. Januar 2013 um 19:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Oooh, richtig, das ist auch ein Klassiker! Und das mit dem unverhofft guten Deutsch im Alltag ist ohnehin schon in Planung und geht demnächst los. Wie sagt man so schön: stay tuned! :-D

  3. Am 21. März 2013 um 17:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das wird immer schlimmer mit den Strichen, und da beinahme mein ganzes Umfeld die Fehler nicht einmal bemerkt, blogge ich jetzt darüber:
    https://bindestrichli.wordpess.com. Co-Autoren und Autorinnen willkommen!

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