Genderei mal andersrum

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit sah ich eine männliche Politesse. Ähm … Moment mal, haben die eigentlich keine eigene Bezeichnung? In Zeiten der geschlechtergerechten Sprache kann das wohl fast nicht sein, aber auf Anhieb hätte ich die Frage nicht beantworten können.

Der einzige sinnvoll daraus abgeleitete männliche Begriff, der mir einfiel, war »Politeur« – aber da dachte ich nur an »polieren«, nicht an jemanden, der Knöllchen schreibt.

In meinem werbegeschädigten Oberstübchen drängte sich die nächste Idee nach vorn: »Poliboy«! Nee, das ist auch was anderes.

Also: nachgucken.

Die erste Quelle, nämlich Duden online, schweigt sich zu dieser Frage aus. Politessen gibt es dort, männliche Formen sind nicht vorgesehen. Die große Suchmaschine bringt ans Licht: »Politeur« ist offenbar tatsächlich gängig – wenigstens das, was man eben so gängig nennen kann in diesem Zusammenhang. Auch »Hilfspolizist« nennen einige Seiten als Möglichkeit. Außerdem lerne ich, dass »Politesse« eine Verschmelzung aus »Polizist« und »Hostess« ist. Für diese Erkenntnis muss man zwar nicht gerade studiert haben; ich gebe aber zu, dass mir das bisher nicht so bewusst war. Hostess … ich weiß ja nicht.

Übrigens gibt es noch eine weitere Bedeutung des Wortes »Politesse«, die im Rechtschreibduden, interessanterweise aber nicht im Duden-Universalwörterbuch verzeichnet ist: nämlich als veraltetes Synonym für »Höflichkeit, Artigkeit«. Na, dann!

Kategorien: Allgemein und getaggt , , . | Kommentieren |

8 Kommentare

  1. Sabine Faltmann
    Am 14. Mai 2014 um 14:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Jetzt bin ich aber ratlos: wie nenne ich ihn denn nun, den Kollegen der Polizist-Hostess?

    • Sprachpingel
      Am 14. Mai 2014 um 14:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Mir gefällt es auch nicht, aber offenbar tatsächlich »Politeur« oder »Hilfspolizist«.

  2. Heiko Stein
    Am 14. Mai 2014 um 16:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die korrekte Bezeichnung ist Gemeindliche Vollzugsbedienstete bzw. Gemeindlicher Vollzugsbediensteter …

    • Sprachpingel
      Am 14. Mai 2014 um 16:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Im Ernst? Ich höre den Amtsschimmel förmlich wiehern … ;-) Für den täglichen Sprachgebrauch – oder bei Streitigkeiten, zu denen es ja hin und wieder mal kommen soll – ist das ja etwas sperrig.

  3. Inga Kalinowski
    Am 29. Mai 2014 um 13:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Bin wegen eines anderen Themas gerade bei Ihnen gelandet: Wie wäre es mit einem Neologismus? »Politestosteron« finde ich ganz gut :-) …

    • Sprachpingel
      Am 30. Mai 2014 um 13:32 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Hm, das klingt für mich noch nicht so richtig nach einem Menschen … wie wäre es mit »Politestosteroni«? ;-)

  4. Inga Kalinowski
    Am 31. Mai 2014 um 09:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Finde ich große Klasse! Die Endung lässt für mich allerdings schon einen Plural vermuten, vielleicht könnten wir noch anpassen auf Politestosterono (Sg.)/Politestosteroni (Pl.)? ;-)

    • Sprachpingel
      Am 31. Mai 2014 um 10:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich find das mit dem i ganz charmant, dachte dabei an Namen wie »Toni«.

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