Fehlbitte

Es gibt einige Formulierungen aus dem Schriftdeutsch des frühen 20. Jahrhunderts, die sich irgendwie bis heute durchmogeln. Zum Beispiel schreibt meine Hausverwaltung oft:

Wir hoffen, mit unserem Schreiben keine Fehlbitte geleistet zu haben und verbleiben mit freundlichen Grüßen …

(Korrekterweise gehört hinter »haben« noch ein Komma. Aber das ist hier nicht das Thema.)

Der Begriff »Fehlbitte« ist im gelben Rechtschreibduden gar nicht (mehr) zu finden. Das will etwas heißen, denn da überlebt so mancher Begriff ziemlich lange.

Man ahnt ungefähr, was gemeint sein könnte: »Wir hoffen, dass wir uns nicht umsonst die Mühe gemacht haben, dieses Schreiben zu formulieren« oder »Tut uns leid, falls wir hier den Falschen beschuldigen. Schöne Grüße trotzdem!« Aber raten ist nicht gerade das, was der Empfänger eines geschäftlichen Briefes tun sollte.

Abgesehen von dem antiquierten Wort »Fehlbitte« ist das Ganze ein völlig unnötiges Streckverb. Hinzu kommt, dass es schon lange nicht mehr üblich ist, die Grußformel in den vorhergehenden Satz einzubeziehen. Und die Wendung »verbleiben mit freundlichen Grüßen« war schon immer Käse; wozu spreche ich freundliche Grüße aus, wenn sie dann bei mir verbleiben? ;-)

Kategorien: Allgemein, Mecker-Ecke und getaggt , , , , . | Kommentieren |

2 Kommentare

  1. Ulrich Böttcher
    Am 15. März 2015 um 11:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Durch Zufall bin ich auf dieses Blog gestoßen, als ich nach „beauftragen“ vs. „in Auftrag geben“ googelte. Die falsche Anwendung von „beauftragen“, die nach meiner Beobachtung wohl vor Jahren die Telekom begonnen hat („Beauftragen Sie Ihren Festnetzanschluss…“), fällt mir regelmäßig beim Lesen auf. Mensch, dachte ich, das ist ja mal ein Blog, das ich schon lange gesucht hatte! Und heute nahm ich mir die Zeit, etwa die Hälfte der Einträge zu lesen.

    Zum Eintrag „Fehlbitte“: Mich wundert, dass hier nicht das fehlende Komma bemängelt wird. Es muss heißen: Wir hoffen, mit … zu haben, und verbleiben …

    Nebensätze und erweiterte Infinitive müssen nun mal in Kommas eingeschlossen werden; daran hat zum Glück auch die neue Rechtschreibung nichts geändert. Leider wissen das die meisten Deutschen nicht; sogar in einigen Zeitungen und Büchern ist dieser Fehlertyp zu finden (trotz Lektorat), der mich schon seit Jahren ärgert. Vielleicht sollte man hierzu mal einen eigenen Beitrag schreiben. Ohnehin vermisse ich ein festes Kapitel „Zeichensetzung“.

    Ich hätte gern in diesem Beitrag einige Formatierungen angewendet, z. B. Kursivschrift, aber ich weiß nicht, wie das geht. Gibt es hier irgendwo eine Kurzanleitung?

    • Sprachpingel
      Am 15. März 2015 um 14:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Hallo Herr Böttcher, sehr richtig, das Komma fehlt an der Stelle. Das Zitat stammt aus diversen Schreiben meiner Hausverwaltung und ist originalgetreu; aber den Hinweis auf das fälschlich weggelassene Komma habe ich versäumt. Hole ich gleich nach!

      Formatierungen sind in den Kommentaren nicht möglich, sorry!

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