Ich downloade, also bin ich … cool?

Es gibt englische Wörter, bei denen es sinnvoll ist, sie unübersetzt ins Deutsche zu übernehmen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist »liken« – wegen seiner eigenständigen Bedeutung, die mit der direkten Übersetzung »mögen« mehr als unzureichend beschrieben ist. Zu solchen Begriffen habe ich mich anlässlich der Suche nach dem Anglizismus des Jahres hier ausführlicher ausgelassen.

Und dann gibt es Begriffe, die sich völlig ohne Bedeutungseinbuße auch auf Deutsch ausdrücken lassen. Und die deutsche Entsprechung bringt auch noch alle grammatischen Formen mit: kein Radebrechen nötig, alles geregelt. Trotzdem ziehen viele Leute das englische Wort vor, auch wenn sie es spätestens in der Vergangenheitsform vor die Wand fahren:

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Immerhin: Der Duden verzeichnet das Verb »downloaden«, sagt aber in weiser Voraussicht gleich dazu, dass das Partizip Perfekt hier »downgeloadet« heißt. Aber mal ehrlich – das ist doch genauso garstig leseunfreundlich wie »gedownloadet«. Das Verb »herunterladen« bezeichnet dieselbe Tätigkeit wie »downloaden«, und es lässt sich ohne Stolperfallen beugen:

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Die Frage der korrekten Beugung stellt sich bei Begriffen wie »liken« natürlich auch. Der Duden hat das Verb bisher nicht aufgenommen, nicht einmal in der Online-Variante ist es verzeichnet. Analog zu »tunen«, dessen Perfektform »getunt« heißt, oder der Kombination »biken – gebikt« muss man aber kein Hellseher sein, um zu erwarten, dass der Duden eines Tages  auf »gelikt« setzen wird. Das ist mindestens so unschön wie »gedownloadet«, keine Frage. In diesem Fall aber gibt es, siehe oben, zumindest einen vernünftigen Grund, trotz allem bei dem Begriff zu bleiben (und sich mit solchen Fragen das Leben schwer zu machen).

In einem Lektorenforum gab es neulich eine interessante Diskussion über solche und ähnliche Verben. Nicht wenige – und zu denen gehöre ich auch – halten es für sinnvoll, bei Formen wie »gelikt« das e vor dem t zu erhalten, schon allein deshalb, weil es einen Hinweis auf die Aussprache gibt (»geliket«). Einig waren sich die meisten Kolleginnen und Kollegen darin, dass am Ende das t stehen muss und nicht das englische d, das spätestens bei adjektivischem Gebrauch zu Schwierigkeiten führt (»gelikede Artikel« ist noch weniger verständlich als »gelikete Artikel«).

Noch aber ist für »liken« nichts festgelegt. Anders gesagt: Erlaubt ist, was gefällt – noch jedenfalls.

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