Die Dortmunder Legungswelle

Ach ja, die Bindestriche … kaum ein Zeichen wird so oft ignoriert und missbraucht – wobei Ersteres deutlich häufiger vorkommt. Hier haben wir mal ein Beispiel dafür, dass ein Bindestrich auch für Missverständnisse sorgen kann:

Legungswelle_@Evo2me

Zugegeben: In einem Wort – Zechenstilllegungswelle – wäre es zwar auch nicht gerade übersichtlich, aber doch noch verständlich. Ich würde hier ganz auf den Bindestrich verzichten und das Ganze in einem Wort schreiben.

Wenn man bei langen Begriffen Bindestriche setzt, dann an Stellen, die das Wort sinnvoll aufteilen, wobei »sinnvoll« der springende Punkt ist: Man zerlegt den Bandwurm in Portionen, die das menschliche Gehirn auf Anhieb erfassen und verarbeiten kann. In diesem Fall böte sich der Bindestrich nach den Zechen an: »Zechen-Stilllegungswelle«.

Für die Autoren dieser Texttafel in einem Industriemuseum in Dortmund hatte die ausgewogene Optik offenbar einen höheren Stellenwert: Säuberlich teilten sie die 23 Buchstaben in zwei Portionen mit 11 bzw. 12 Buchstaben und schufen damit Raum für mannigfaltige Neuinterpretationen des Begriffs.

Auch eine Möglichkeit – aber als Entscheidungskriterium für die Lesbarkeit nicht zu empfehlen.

Danke an Dierk Haasis/@Evo2Me für das Foto!

Kategorien: Allgemein, Kleiner Fehler, große Wirkung und getaggt , , , , , , , , . | Kommentieren |

4 Kommentare

  1. Sabine
    Am 18. Juni 2013 um 16:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mir ist gerade ein „Kunst-Lederstuhl“ begegnet – fand ich auch schön. Das Bild dazu ließ allerdings offen, wo genau die Kunst am Stuhl zu verorten war. ;-)

    • Sprachpingel
      Am 18. Juni 2013 um 16:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Oh ja, das ist auch sehr hübsch – und könnte ja, je nach Art des Stuhls, sogar auch einen Sinn ergeben!

  2. Andrea Grantz
    Am 21. September 2013 um 23:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Vielen Dank für diesen Artikel. Über die Bindestriche, mögen sie fehlen oder zu viel gesetzt sein, ärgere ich mich auch jedes Mal. Oder ich amüsiere mich. In diesem Fall hat mich der Bindestrich erstmal gründlich verwirrt, weil ich in der ersten Hälfte „Zechenstil“ gelesen hatte und mir keinen Reim auf die „Legungswelle“ machen konnte. Hatte das womöglich etwas mit einem Friseurbeusch zu tun?

    Ich glaube allerdings, dass der Grund für den Bindestrich nur bedingt in der Trennung in zwei gleichlange Worthälften zu suchen ist. Vielmehr befürchte ich, dass der Verfasser des Textes keine drei gleichen Konsonanten hintereinander sehen wollte und es aufgrund der vermeintlichen besseren Lesbarkeit entsprechend geteilt hat.

    • Sprachpingel
      Am 22. September 2013 um 12:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ja, das ist natürlich auch möglich. Wir werden es vermutlich nicht herausfinden … aber da sieht man mal wieder, wie sinnvoll es ist, sich über die Lesbarkeit ein paar (mehr) Gedanken zu machen. Auch das gehört letztendlich zur Empfängerorientierung!

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