Abgenutzt und ausgelutscht

Es gibt Redewendungen, die kann ich einfach nicht mehr hören. Jetzt, im Wahlkampf, fällt mir diese hier wieder mal besonders auf; sie wird aber inzwischen in allen möglichen (und vor allem unmöglichen) Zusammenhängen benutzt.

Wir müssen die Leute dort abholen, wo sie stehen.
(beliebig abzuwandeln – die Kunden, die Mitarbeiter, die Bürgerinnen und Bürger, …)

Das Bild an sich ist gar nicht schlecht, finde ich – aber alles, was übermäßig gebraucht wird, verliert irgendwann seinen Charme. Wenn ich das jemanden sagen höre, kriege ich fast schon Schmerzen. Ähnlich geht es mir mit der Wendung

ein Stück weit

Wollen wir mal eine Sammlung aufmachen? Welche Wendungen lösen bei Ihnen/euch aus ähnlichen Gründen Augenrollen, Juckreiz, Gänsehaut oder andere allergische Reaktionen aus?

Kategorien: Allgemein und getaggt , , . | Kommentieren |

8 Kommentare

  1. Bettina
    Am 21. August 2009 um 15:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das „Leute abholen, wo“ finde ich auch grauenvoll. Am schlimmsten finde ich aber das inflationär auftretende „No-go“ – völlig überflüssig und noch dazu in der Regel im Deutschen mit falscher Bedeutung verwendet. Wenn ich in irgendeinem Text darauf stoße, muss ich mich wirklich überwinden, weiterzulesen. Auch „proaktiv“ finde ich scheußlich. Ach, ich könnte noch seitenweise weiterschreiben… :)

  2. Bettina
    Am 21. August 2009 um 15:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Oh, eins muss ich noch erwähnen: „einmal mehr“. Warum nicht „wieder einmal“ oder „zum wiederholten Mal“?

  3. Sprachpingel
    Am 21. August 2009 um 18:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hi Bettina, ist das „einmal mehr“ denn eigentlich auch ein Anglizismus? Das stört mich nicht so sehr, aber „proaktiv“ ist in der Tat ein ganz heißer Kandidat, auch wenn es nur ein einzelnes Wort und keine Wendung ist. Vielleicht mach ich zwei Listen …

  4. Bettina
    Am 23. August 2009 um 21:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ja, ich halte das für einen Anglizismus, ursprünglich eine misslungene Übersetzung von „once more“. Wenn mich nicht alles täuscht, taucht der Begriff auch erst seit ein paar Jahren gehäuft auf.

  5. jens
    Am 10. September 2009 um 08:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wie wär’s mit „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“. Das finde ich auch eine inflationäre Hohlphrase – vor allem wenn sie nicht mit konkreten Inhalten gefüllt werden kann.

    Ich weiß, es gibt noch gaaaaaaanz viele andere. Aber die hab ich im Moment offenbar erfolgreich verdrängt.

    Schöne Grüße
    j.

  6. Sprachpingel
    Am 10. September 2009 um 15:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nachlieferungen sind ja jederzeit möglich!
    Weil ich gerade in Bettinas Blog darauf stieß, will ich hier noch ergänzen:

    „Geht nicht“ gibt’s nicht.

    Eine Phrase, die ich noch nie – und das meine ich wörtlich – irgendwo in korrekter Schreibung gesehen habe.

  7. Christian
    Am 17. November 2009 um 13:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wenn jemand mal wieder „gut aufgestellt ist“, erzeugt das bei mir regelmäßig leichten Brechreiz.

  8. Peter Brightman
    Am 15. Juni 2020 um 20:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Liebe Bettina,

    dieses jemanden „Abholen“ finde ich unsäglich, ist eine negativ behaftete Redewendung, wenn man im Internet recherchiert. Die Nazees haben Juden mit Jeeps und Eisenbahn „abgeholt“ und Geistig Kranke mit Grauen Bussen „abgeholt“, Staatsfeinde wurden/werden zum Verhör „abgeholt“, also warum man diese Redewendung benutzt, finde ich schon fragwürdig. Selbst wenn „Abholen“ im Sinne von „auf meinen Wissensstand bringen“ bedeutet, so ist es dennoch vollkommen arrogant nach meinem Dafürhalten. Ich hole dich ab, weil ich schon da bin wo du noch nicht bist. Der „Abholer“ weiß offenbar mehr als der, der den Eindruck von „bestellt und nicht abgeholt“ macht. Einfach nur erniedrigend. Jemanden mit dem Auto abzuholen um zur Arbeit oder in ein Restaurant zu fahren, entspricht dem eigentlich Sinn von „abholen“. Dagegen ist nichts einzuwenden. Mit jemandem wird vereinbart, zusammen von A nach B zu kommen. Abholen im Sinne von „du bist nicht auf dem neuesten Wissensstand“ finde ich persönlich deplatziert, warum dieses „Neusprech“ Verbreitung findet kann ich nicht nachvollziehen, ich beteilige mich daran jedenfalls nicht.

    Ebenso bescheuert ist „bla blah blaaah“ um einen Satz abzukürzen. Da spricht man „etc. etc.“ oder „und und und …“ aber niemals „blah blah blaaah“. Das fällt auf einen selbst zurück, der, der das sagt bezeichnet sich selbst als „Schwätzer“ der nur blah blah blaaah von sich gibt. Doch viele merken das nicht.

    Weiter fällt auf, dass das Wort „Genau“ ganz oft gebraucht wird, ob am Satzende als eine Art „Punkt“ wie beim geschrieben Satz oder sogar am Anfang eines gesprochenen Satzes…ähemmm… Genau!

    Es gibt noch mehr Quatsch, es geht weiter mit „Grillen“ usw. usw.

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