»Zwei Minuten für die Sprache« im März: Apposition

Eine Apposition (Beifügung) ist in der Grammatik ein in Kommas eingeschlossener Zusatz, der ein Bezugswort im Satz näher beschreibt:

Hans Müller, der Inhaber der XY GmbH, hielt eine Rede.
Der Baum, eine alte Eiche, musste gefällt werden.

So weit, so klar. Schwierig wird es für viele dann, wenn das Bezugswort nicht im Nominativ steht (1. Fall, Frage mit »Wer oder was?«), sondern in einem anderen Fall. Hier gilt: Wenn die Apposition mit einem Artikelwort beginnt, wie es oben mit »der« bzw. »eine« der Fall ist, muss die Apposition im gleichen Fall stehen wie das Bezugswort.

Genitiv (2. Fall, Frage mit »Wessen?«):

Die Rede Hans Müllersdes Inhabers der XY GmbH, war sehr unterhaltsam.

Dativ (3. Fall, Frage mit »Wem?«):

Die Rede von Hans Müllerdem Inhaber der XY GmbH, war sehr unterhaltsam.

Akkusativ (4. Fall, Frage mit »Wen oder was?«):

Fragen Sie doch mal Hans Müllerden Inhaber der XY GmbH, was er meint.

Sehr oft sehe ich Appositionen im Dativ, wenn das Bezugswort im Genitiv steht (falsch: »Herr Müller ist Inhaber der XY GmbH, einem Möbelhaus«). Warum so viele Menschen hier zum Dativ neigen, habe ich noch nicht durchschaut, aber es ist wirklich auffällig.

Beginnt die Apposition dagegen ohne Artikelwort, steht sie meist im Nominativ (»Wer oder was?«). In welchem Fall das Bezugswort steht, ist dann egal:

Nach Aussage Hans Müllers, Inhaber der XY GmbH, …

*

Dies ist die März-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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4 Kommentare

  1. Am 3. März 2013 um 09:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich hatte dieses Phänomen bislang immer dahingehend interpretiert, daß der Sprecher/Schreiber den Genitiv unbewußt als äquivalent zu von+Dativ betrachtet. So wird „das Haus Hans Mustermanns, meines Kollegen“ wie „das Haus von Hans Mustermann, meinem Kollegen“ behandelt und schwupps! haben wir die inkorrekte Mischform „das Haus Hans Mustermanns, meinem Kollegen“.

    (Was womöglich noch dazu beiträgt: Bei Feminina sind Genitiv und Dativ im Singular ja identisch. „Das Haus Erika Mustermanns, meiner Kollegin“ ist also immer korrekt, obwohl (:-) „meiner Kollegin“ wie ein Dativ aussieht.)

    Ja, mir rollen sich dabei auch jedesmal die Zehennägel auf. :-(

    • Sprachpingel
      Am 3. März 2013 um 15:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ja, das ist auch die einzige Erklärung, die ich finden kann. Der Dativ ist halt dem Genitiv sein Tod :-/ Interessant finde ich insbesondere, dass dieser Fehler auch vielen Profis passiert bzw. dass selbige ihn nicht bemerken, wenn er in einem geschriebenen Text steht.

  2. Am 25. August 2016 um 08:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Aber interessant, dass es nicht nur meine Wahrnehmung ist. Kommt mir auch ziemlich verbreitet vor.

    • Sprachpingel
      Am 25. August 2016 um 08:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke für die Bestätigung! Ich verzweifle da manchmal fast dran – selbst in der Tagesschau und ähnlichen Sendungen kommen solche Dativ-Konstruktionen immer öfter vor.

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