»Sprachpingel, übernehmen Sie!«

Den Buchstaben ß – in Norddeutschland »Eszett«, in südlicheren Gefilden Deutschlands sowie in Österreich »scharfes S«, in Sachsen »Rucksack-s« genannt – gibt es nur in der deutschen Sprache. Und ja, es gibt diesen Buchstaben nach wie vor! Entgegen der Überzeugung vieler ist er nicht mit der Rechtschreibreform abgeschafft worden. Nur die Schweizer benutzen ihn nicht, das war aber auch vor der Reform schon so.

Die Unterscheidung zwischen ß und ss ist einfach: Folgt der scharfe S-Laut auf einen kurz gesprochenen Vokal, steht ss. Geht ihm dagegen ein lang gesprochener Vokal oder ein Doppelvokal (in Fachkreisen Diphthong genannt) voraus, schreibt man ß. Beispiele:

  • Kurz gesprochener Vokal: Klasse, Masse, Stuss, Wasser
  • Lang gesprochener Vokal: Fuß, Floß, Maße, Muße
  • Diphthong: weiß, heißen, außerdem, gießen

Und noch eine wichtige Information: Das ß gibt es nur als Kleinbuchstaben. Auch wenn Typografen, Grafiker und Sprachprofis seit Jahren darüber diskutieren, gibt es bisher noch keinen offiziell gültigen Großbuchstaben für das ß. Wenn man also etwas ausschließlich in Versalien schreibt, nimmt man auch dann das Doppel-S, wenn in gemischter Schreibweise das ß richtig wäre.

Warum das sinnvoll ist, wird deutlich, wenn man den Text auf dieser Ausgießhilfe für Weinflaschen liest:

Vielen Dank an Frank Stachowitz von Drumstick Design, der mir dieses Bild neulich über Twitter zukommen ließ – mit der Aufforderung »@Sprachpingel, übernehmen Sie!«.

Aber gerne doch! :-)

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5 Kommentare

  1. @Rednermacherin Judi
    Am 25. April 2012 um 08:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke für diese einfache Erklärung. Das meiste war mir bekannt, aber gerade die Verben sind immer wieder trickreich – gießen. Ich habe wohl eine eigene Eselsbrücke gefunden.

    Danke Sprachpingel und der newsletter ist wirklich zu empfehlen!

    Judith

    • Sprachpingel
      Am 25. April 2012 um 09:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke :-)

  2. Matthias
    Am 25. April 2012 um 09:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    aber immerhin gibt es das große ß schon als unicode-zeichen und in der iso (https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fes_%C3%9F) – vielleicht rafft sich der duden auch irgendwann auf (nicht dass es unbedingt nötig wäre …)

  3. Gregor Meder
    Am 14. Juni 2012 um 15:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kurze, verständliche Erklärung für die ss/ß-Schreibung.
    Eine Anmerkung sei zur Feststellung
    „gibt es bisher noch keinen offiziell gültigen Großbuchstaben für das ß“
    sei gestattet.
    Wer ist denn hier mit „offiziell“ gemeint? Haben wir da ein Behörde, einen Art TÜV, der hier ja SÜV (Sprachlicher Überwachungsverein) heißen müsste?
    Es gibt durchaus ernst zu nehmende Gründe sich über ein Versal-ß Gedanken zu machen (vgl. http://www.versaleszett.de) – sowohl in typographischer als auch in semantischer Hinsicht.
    Ob das nun „offiziell“ sanktioniert ist, oder ob der „DUDEN“, ein privatwirtschaftlicher Verlag (!), das auch meint, kann dem selbstbewussten Sprachteilhaber gleichgültig sein.

    • Sprachpingel
      Am 14. Juni 2012 um 15:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Anmerkungen sind immer erlaubt! Und was die Sinnhaftigkeit eines Versal-ß angeht, sind wir vollkommen auf einer Linie: Ich würde es auch sehr begrüßen, wenn es hier mal zu einer Einigung käme, denn in Versalien ein Doppel-S schreiben zu müssen, wo es zu Missverständnissen führen kann, ist ärgerlich und nicht im Sinne des Erfinders.

      Zum Aspekt „offiziell“: Ich bin Lektorin und damit in meiner Arbeit an die offiziellen Regeln gebunden (die übrigens vom Rat für deutsche Rechtschreibung stammen). Das heißt aber nicht, dass ich ihr in allen Punkten von Herzen zustimme ;-)

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