Anglizismus des Jahres – mal im Positiven

Gestern bin ich über Twitter auf eine Aktion aufmerksam geworden, die ich höchst spannend finde: Da sucht eine Jury den Anglizismus des Jahres 2011.

Zuerst dachte ich – wie wahrscheinlich viele andere auch –, es ginge wieder einmal darum, hirnlose Übernahmen aus dem Englischen an den Pranger zu stellen. Gern gemacht, laut gelacht und das neue Sprachbewusstsein am nächsten Tag wieder vergessen.

Aber hier geht es um das genaue Gegenteil: Die Jury sucht nämlich solche Anglizismen, die gerade nicht genauso gut auf Deutsch ausgedrückt werden könnten. Ich zitiere aus den Nominierungsbedingungen:

Das Wort füllt eine interessante Lücke im deutschen Wortschatz, entweder, indem es eine vorhandene Wortbedeutung weiter ausdifferenziert oder indem es ein Wort für etwas bereitstellt, was es vorher nicht gab oder was vorher nur mühsam umschrieben werden konnte.

Sicher, der größte Teil der Anglizismen, die wir im täglichen Sprachgebrauch so von uns geben, ist überflüssig; ihr Inhalt ließe sich ebenso auf Deutsch sagen. Aber es gibt sie, diese Sonderfälle, die sich einfach nicht  ohne Verluste in Deutsche übertragen lassen. Ein Beispiel aus der jüngsten Zeit: »liken« ist einfach nicht dasselbe wie »mögen« und schon gar nicht adäquat ersetzbar durch »den Gefällt-mir-Knopf drücken«.

Um solche Begriffe geht es hier, und ich bin sehr gespannt, welche noch vorgeschlagen werden. Neu sollen sie sein und aus dem Englischen kommen, Produktnamen sind vom Wettbewerb ausgeschlossen. Hier könnt ihr/können Sie noch einmal alles nachlesen und Vorschläge einreichen: Anglizismus des Jahres 2011.

Mehr über die Hintergründe und auch über die diesjährige Jury findet sich in diesem Beitrag von Anatol Stefanowitsch im Sprachlog.

Kategorien: Aktuelles und getaggt , , . | Kommentieren |

4 Kommentare

  1. gezegen
    Am 16. November 2011 um 18:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Liken? My Gott! Was is next? Loven? Or Geten? Ich gete, ehrlich gesagt, solches Anglizismus simply nicht! Weil das macht keinen Sinn! Last but not least is es too much.

    • Sprachpingel
      Am 16. November 2011 um 19:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Grundsätzlich gebe ich dir völlig recht. Die allermeisten Anglizismen sind völlig unnötig. Vielleicht habe ich das mit dem Beispiel nicht konkret genug benannt: Das Verb „liken“ ist untrennbar mit Facebook( & Co.) verknüpft, und genau in dem Zusammenhang hat es seine Berechtigung: Wenn Leute Beiträge „liken“, dann bedeutet das ja mehr, als dass sie ihnen einfach nur gefallen. Beim „Liken“ tut man auch etwas: Man drückt eben den besagten Knopf/Button und macht damit seine Zustimmung öffentlich. Genau das ist in dem Wort „liken“ enthalten – viel mehr also, als mit „mögen“ ausgedrückt wäre. Und viel sparsamer als mit einem sperrigen „den ‚Gefällt-mir-Knopf‘ drücken“.

  2. Am 17. November 2011 um 08:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich mag die Idee auch. Bei übertriebener Eindeutschung von Wörtern, die man einfach nicht übersetzen kann, stehen mir regelmäßig die Haare zu Berge. Mir kommen tagtäglich jede Menge Wörter unter, bei denen ich mir bei der Suche nach einer adäquaten Übersetzung den Kopf zerbreche und irgendwann feststellen muss, dass es einfach nicht geht.

    „Liken“ mag ich übrigens auch sehr. Das lässt sich zwar übersetzen, aber wie du bereits angemerkt hattest, sind alle möglichen Übersetzungen einfach zu sperrig und passen nicht.

    • Sprachpingel
      Am 17. November 2011 um 09:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Genau. Ein klassisches älteres Beispiel, wenn auch nicht aus dem Englischen, ist für mich auch das Wort „Esprit“ (und damit meine ich natürlich nicht die Modekette). Auch dafür gibt es einfach kein deutsches Wort, das ähnlich griffig ist.

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