»Zwei Minuten für die Sprache« (3/2019): doppelte Verneinung

Doppelte Verneinungen gehören eigentlich in die Umgangssprache bzw. in den Dialekt. In der Standardsprache sind sie selten, aber es gibt sie. Klassische Beispiele sind Konstruktionen aus Haupt- und Nebensatz, die mit »ehe«, »bevor« oder »bis« verbunden sind. Ganz allgemein beschreiben sie zwei Sachverhalte, die zeitlich voneinander abhängen.

Ich schreibe noch schnell diese Mail, ehe ich Feierabend mache.
Er bespricht sich mit der Presseabteilung, bevor er das Interview gibt.

Die doppelte Verneinung kommt ins Spiel, wenn zusätzlich zum zeitlichen Zusammenhang ausgedrückt wird, dass der eine Sachverhalt die Bedingung für den anderen ist. In diesen Fällen kann der Nebensatz zusätzlich verneint werden, notwendig ist es aber nicht.

Sie ist nicht beruhigt, ehe sie [nicht] die Bestätigung hat.
Er kann keine Zusage machen, bis er [nicht] sicher ist.

Ich empfehle Ihnen, in solchen Fällen das »nicht« im Nebensatz wegzulassen. Inhaltlich ergibt es ohnehin keinen Sinn, und je weniger Verrenkungen Sie in einem Text machen, desto klarer lässt er sich lesen.

Einen Sonderfall gibt es allerdings doch: Wenn der Nebensatz (anders als in den obigen Beispielen) vor dem Hauptsatz steht, ist die zusätzliche Verneinung laut Duden »zu empfehlen«:

Ehe der Vertrag nicht unterschrieben ist, soll man nicht über den Inhalt sprechen.

Vermutlich hat die Duden-Empfehlung damit zu tun, dass ohne das erste »nicht« zu lange unklar bleibt, worauf der Satz hinauswill. Das birgt die Gefahr, beim Lesen zu stolpern und den Satz ein zweites Mal lesen zu müssen. Und das ist nie gut.

 

Dies ist die März-Ausgabe 2019 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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»Zwei Minuten für die Sprache« (2/2019): vorenthalten oder vorbehalten?

Vor einiger Zeit zeigte mir Twitter sehr häufig einen gesponserten Tweet an, in dem es ungefähr hieß:

Lange war es nur Data Scientists vorenthalten, künstliche Intelligenz zu nutzen.

Bis dahin war mir noch nicht aufgefallen, dass »vorenthalten« und »vorbehalten« besonders häufig verwechselt werden. Meine Recherche ergab aber, dass gar nicht wenige Menschen damit Schwierigkeiten haben. Also schauen wir uns die beiden Verben mal an.

Mit »vorenthalten« drückt man aus, dass jemand eine bestimmte Sache nicht bekommt, obwohl er womöglich Anspruch darauf hat. Das kann auch eine Information sein, dann bedeutet »vorenthalten«, dass jemand etwas absichtlich verschweigt:

Die Gründe für seine Entscheidung hat er mir vorenthalten.

Wenn man aber sagen will, dass etwas nur für eine bestimmte Person oder Personengruppe gilt oder möglich ist, dann ist »vorbehalten« das richtige Verb. Die Firma, die den eingangs erwähnten Tweet gesponsert hat, sagt also genau das Gegenteil dessen, was sie eigentlich ausdrücken wollte.

Daran zeigt sich wieder einmal, dass auch und gerade sehr kurze Texte eine Prüfung vertragen können. Denn: Je kürzer ein Text, desto stärker fallen Fehler ins Auge.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (1/2019): Zahlen beschreiben

Manche Formulierungen stören den Lesefluss, obwohl sie nicht im engeren Sinne sprachlich falsch sind. Häufig zücke ich den virtuellen Rotstift, wenn es darum geht, Entwicklungen zu beschreiben. Schauen Sie mal auf folgenden Satz:

Der Mangel an Arbeitskräften wird weiter zunehmen.

Inhaltlich ist daran nichts auszusetzen, sprachlich eigentlich auch nicht. Ein Mangel bedeutet, dass es (zu) wenig von einer Sache gibt. Schwierig wird es aber, wenn sich der Mangel verändert: Je weniger es gibt, desto größer ist der Mangel. Die mit dem Verb (zunehmen) ausgedrückte Bewegung ist genau gegenläufig zu dem, was das Substantiv (Mangel) bezeichnet. Und das knirscht.

Wenn der Mangel als Begriff bleiben soll, schlage ich vor, das Verb zu variieren: Der Mangel kann sich zum Beispiel auch verschärfen, er kann deutlicher, sicht- oder spürbarer werden. Oder Sie wählen eine ganz andere Formulierung, etwa: »Die Zahl der (verfügbaren) Arbeitskräfte wird weiter zurückgehen.«

Eine ähnliche Unschärfe ergibt sich bei Formulierungen wie der folgenden:

Die Quote hat sich mehr als halbiert.

Nach dem ersten Beispiel erkennen Sie jetzt sicher sofort, was ich meine: Das Verb »halbieren« bezeichnet eine Bewegung nach unten, der Ausdruck »mehr als« eine nach oben. Das faszinierende Ergebnis: Wenn sich etwas »mehr als halbiert«, ist am Ende weniger als die Hälfte von der Ursprungsmenge übrig. Sprachliche Klarheit geht anders.

In diesem Fall können Sie zum Beispiel schreiben, die Quote sei nur noch knapp/nicht einmal mehr halb so groß wie vorher. Oder Sie nehmen gleich die konkrete Prozentzahl, dann bleiben keine Fragen mehr offen.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (12/2018): Erinnerungen

Wie halten Sie es mit dem Verb »erinnern«: Erinnern Sie sich an bestimmte Dinge oder Ereignisse? Oder erinnern Sie diese, ganz ohne »sich«?

Standardsprachlich ist »sich an etwas erinnern« korrekt, aber viele Menschen sagen auch »Ich erinnere das nicht«. Die Vermutung liegt nahe, dass diese zweite Form eine nachlässige Übertragung aus dem Englischen ist (»I don’t remember that«). In vielen Fällen ist das womöglich auch so, schließlich hat das Englische immer mehr Einfluss auf unsere Sprache, wie an Wendungen wie »am Ende des Tages« (für »letztendlich«) oder »das gehört zu meiner/unserer DNA« (für »das ist Teil meiner Persönlichkeit/unserer Unternehmensphilosophie«) deutlich wird.

Wie kommt es dann aber, dass zumindest hier in Hamburg auch viele ältere Menschen, die nur wenig oder gar kein Englisch sprechen, »etwas erinnern«?

Tatsächlich verzeichnet der Duden diese Wendung ohne »sich« schon lange, gibt aber den Hinweis »veraltend« dazu, ebenso »besonders norddeutsch«. Das heißt: Sie war hier im Norden einmal gängig. Wenn Sie also künftig den Vorwurf hören, »etwas erinnern« sei ein Anglizismus, können Sie einfach entgegnen, dass Sie ein traditionell geprägter Fischkopf sind. In der schriftlichen Kommunikation sollten Sie das »sich« (bzw. »mich«) aber in jedem Fall dazunehmen.

 

Dies ist die Dezember-Ausgabe 2018 der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke (Anmeldung). 


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»Zwei Minuten für die Sprache« (11/2018): vor, während und nach

Es ist ja so praktisch, wenn man mehrere Dinge sprachlich zusammenfassen kann. Leider spielt die Grammatik nicht immer so mit, wie man es sich denkt. Ein klassisches Beispiel ist die Kombination »vor, während und nach etwas«. Schauen Sie sich mal die folgenden beiden Sätze an. Vorab verrate ich Ihnen, dass einer davon in Ordnung ist, der andere nicht.

Sie können vor, während und nach der Veranstaltung Fragen stellen.
Vor, während und nach dem Spiel herrschte eine gute Stimmung.

Haben Sie schon eine Idee? Falls nicht, zerlegen Sie die Konstruktion »vor, während und nach« mal in ihre Bestandteile.

Im ersten Satz heißt es »vor, während und nach der Veranstaltung«. Im Einzelnen: »vor der Veranstaltung«, »während der Veranstaltung« und »nach der Veranstaltung«. Bei jeder der drei Präpositionen ergänzt man identisch »der Veranstaltung«, und genau das ist die Voraussetzung dafür, diese Nennung zweimal einzusparen.

Wenn Sie sich den zweiten Satz vornehmen, merken Sie schnell, dass es knirscht: Es heißt zwar »vor dem Spiel« und »nach dem Spiel«, aber »während des Spiels«. Der Dativ (»während dem Spiel«) ist umgangssprachlich zwar auch gängig, in der Schriftsprache gehört hinter »während« aber ein Genitiv. So verbreitet sie auch sein mag: Die Zusammenziehung »vor, während und nach dem Spiel« ist in geschriebenen Texten falsch.

Dieses Problem haben Sie mit allen männlichen und sächlichen Substantiven. Im Femininum dagegen (»die Veranstaltung«) sind Genitiv und Dativ gleichlautend, sodass die Zusammenfassung zulässig ist.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (10/2018): Namen und Titel

Das mit der Groß- und Kleinschreibung ist für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, ein schwieriges Feld. Dass auch viele Muttersprachlerinnen und Muttersprachler damit ihre Schwierigkeiten haben, macht es nicht leichter. Ich stelle zum Beispiel immer wieder fest, wie schnell man hierzulande dazu neigt, Wortkombinationen durch unnötige Großschreibung den Status von Eigennamen zu verleihen.

In Namen und Titeln schreibt man durchaus auch mal Adjektive oder Partizipien groß, die unter anderen Umständen immer kleingeschrieben werden: So haben deutsche Bürgerinnen und Bürger am Mittwoch den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Weitere Beispiele für Namen und Titel sind der Alte Fritz, das Statistische Bundesamt und der Indische Ozean.

In Begriffen wie künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien, öffentlicher Personennahverkehr, soziale Medien oder organisierte Kriminalität ist die Großschreibung des jeweils ersten Teils sehr weit verbreitet, aber trotzdem falsch. Diese Wortkombinationen sind keine Eigennamen oder Titel, sondern schlicht beschreibende Bezeichnungen. Es gibt keinen Grund, mehr als das enthaltene Substantiv großzuschreiben.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (9/2018): miteinander

Mit dem Miteinander scheint es nicht immer ganz einfach zu sein. So hört man von Politiker/-innen öfters, dass »ein gemeinsames Miteinander« sehr wichtig sei. Ein Miteinander geht nur gemeinsam. Das dazuzuschreiben, ist ähnlich unsinnig wie die viel beschworene »kooperative Zusammenarbeit« oder die »Win-win-Situation für beide Seiten«: Die kursiv geschriebenen Teile sind in allen Beispielen überflüssig, weil die jeweilige Bedeutung schon in den umgebenden Begriffen enthalten ist.

Auch als Adverb ist »miteinander« häufig unnötig. Viele setzen es in Verbindung mit Tätigkeitswörtern ein, die den Aspekt der Verbindung schon beinhalten:

Diese beiden Aussagen hängen miteinander zusammen.
In der Maschine werden die Bestandteile miteinander verbunden.
Die Studie vergleicht Sachverhalt A und Sachverhalt B miteinander.

In allen drei Fällen können Sie »miteinander« weglassen, ohne dass sich die Aussage des Satzes verändert. (Im dritten Beispiel können Sie »und« durch »mit« ersetzen, aber notwendig ist auch das nicht.) Die Aussage bleibt gleich, ist aber in dieser kürzeren Form viel klarer erkennbar, und genau das ist ein wichtiger Aspekt, wenn Sie Informationen vermitteln wollen.

Machen Sie diesen Test doch mal eine Zeit lang immer dann, wenn Sie »miteinander« geschrieben haben: Lesen Sie den Satz noch einmal ohne dieses Wort. Sie werden staunen, wie oft Sie es gleich wieder streichen.

Anders gesagt: Ein gutes Miteinander ist eine feine Sache. Am besten ist es immer dann, wenn man es nicht extra betonen muss.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (8/2018): Was nicht da ist, kann nichts tun

Bei großer Hitze kann es vorkommen, dass man Dinge sieht, die gar nicht da sind, und dass man ihnen sogar bestimmte Eigenschaften zuschreibt. Solche Fälle begegnen mir in Texten häufiger, dazu muss es gar nicht so heiß sein wie zurzeit.

Die fehlende Vision für die künftige Entwicklung beunruhigt mich.
Eine fehlende Brille ist der Grund für seine schlechte Leistung.

Als mir der erste Satz kürzlich unterkam, schlug mein Sprachradar an, aber im ersten Moment konnte ich gar nicht konkret benennen, was falsch war. Klassischer Fall von »man versteht ja intuitiv, was gemeint ist«: Es gibt keine Vision, und diese Tatsache sorgt für Beunruhigung. Das grammatische Subjekt des zitierten Satzes ist aber die Vision selbst. Sie ist gar nicht da, und doch beunruhigt sie jemanden. Faszinierend, oder?

Die beabsichtigte Aussage ließe sich sprachlich korrekt zum Beispiel so formulieren:

Es beunruhigt mich, dass es keine Vision für die künftige Entwicklung gibt.

Im zweiten Beispiel ginge es im Prinzip genauso (denn das Fehlen der Brille ist der Grund, nicht die Brille selbst), einfacher ist es aber so:

Ein schwaches Sehvermögen ist der Grund für seine schlechte Leistung.
oder: Mit einer Brille hätte er eine bessere Leistung erbracht.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (7/2018): Willensbekundungen

Politiker und Politikerinnen kündigen viel an, wenn der Tag lang ist. Manchmal nehmen sie Angekündigtes auch wieder zurück. Und in letzter Zeit beobachte ich, dass in der zugehörigen Berichterstattung ein Fehler immer häufiger auftritt.

Lesen Sie mal folgenden Satz:

Minister X kündigte an, sich im Lauf des Tages äußern zu wollen.

Fällt Ihnen etwas auf? Ankündigen kann man etwas, das in der Zukunft passieren wird (oder wenigstens passieren soll). Es geht also um Vorhaben, Pläne oder Absichten. Der Wille, etwas zu tun, ist aber nichts, was passieren wird; er ist entweder da oder eben nicht. Er kann sich zwar verändern, aber er lässt sich nicht zeitlich planen. Und das wiederum bedeutet, dass sich ein Wille nicht ankündigen lässt.

Was heißt das für die Berichterstattung? Da gibt es zwei Möglichkeiten. Berichtet man von einer Ankündigung, kann es kein »wollen« geben, richtig ist dann:

Minister X kündigte an, sich im Lauf des Tages zu äußern.

Ob das dann tatsächlich passiert, steht selbstverständlich auf einem anderen Blatt, aber das ist hier nicht unser Thema. War es tatsächlich nur eine Willensbekundung, ist »ankündigen« das falsche Verb. Dann kann es beispielsweise heißen:

Minister X erklärte, sich im Lauf des Tages äußern zu wollen.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (6/2018): hier und dort

Erinnern Sie sich noch an Krümelmonster und Lulatsch aus der Sesamstraße, die auf sehr raumgreifende Art den Unterschied zwischen »hier« und »da« erklärten? An diese Episode musste ich gerade denken, denn mir geht es heute auch um »hier« und »dort«. Genauer: um die Fälle, in denen die beiden Wörtchen tatsächlich einen physischen Ort bezeichnen.

Nehmen wir mal an, ein deutscher Konzern, der unter anderem eine Produktionsstätte in Brasilien hat, beschreibt deren Aktivitäten im Geschäftsbericht so:

»Erfreulich ist die Entwicklung in Brasilien:
Hier haben wir im Geschäftsjahr …«

Der Geschäftsbericht wird von der Zentrale veröffentlicht, und die befindet sich in Deutschland. Das ist die Perspektive, aus der sich die Formulierung herleitet: Von Deutschland aus gesehen, ist Brasilien nicht hier, sondern dort. Es muss also heißen: »Dort haben wir im Geschäftsjahr …« Ein weiteres Beispiel:

»Besonders heftig waren die Regenfälle in Wuppertal,
hier waren ganze Straßenzüge nicht mehr befahrbar.«

Wenn das so in einer Wuppertaler Zeitung steht, ist es korrekt. Erscheint der Beitrag jedoch in einer Zeitung oder Sendung aus irgendeinem anderen Teil Deutschlands, ist Wuppertal nicht mehr »hier«. Dann muss es »dort« heißen.

In räumlicher Hinsicht ist »hier« also eng begrenzt, nämlich auf den Standort der Firma, der Redaktion oder der Person, die die Aussage trifft. Denken Sie ans Krümelmonster!

 

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