»Zwei Minuten für die Sprache« (11/2018): vor, während und nach

Es ist ja so praktisch, wenn man mehrere Dinge sprachlich zusammenfassen kann. Leider spielt die Grammatik nicht immer so mit, wie man es sich denkt. Ein klassisches Beispiel ist die Kombination »vor, während und nach etwas«. Schauen Sie sich mal die folgenden beiden Sätze an. Vorab verrate ich Ihnen, dass einer davon in Ordnung ist, der andere nicht.

Sie können vor, während und nach der Veranstaltung Fragen stellen.
Vor, während und nach dem Spiel herrschte eine gute Stimmung.

Haben Sie schon eine Idee? Falls nicht, zerlegen Sie die Konstruktion »vor, während und nach« mal in ihre Bestandteile.

Im ersten Satz heißt es »vor, während und nach der Veranstaltung«. Im Einzelnen: »vor der Veranstaltung«, »während der Veranstaltung« und »nach der Veranstaltung«. Bei jeder der drei Präpositionen ergänzt man identisch »der Veranstaltung«, und genau das ist die Voraussetzung dafür, diese Nennung zweimal einzusparen.

Wenn Sie sich den zweiten Satz vornehmen, merken Sie schnell, dass es knirscht: Es heißt zwar »vor dem Spiel« und »nach dem Spiel«, aber »während des Spiels«. Der Dativ (»während dem Spiel«) ist umgangssprachlich zwar auch gängig, in der Schriftsprache gehört hinter »während« aber ein Genitiv. So verbreitet sie auch sein mag: Die Zusammenziehung »vor, während und nach dem Spiel« ist in geschriebenen Texten falsch.

Dieses Problem haben Sie mit allen männlichen und sächlichen Substantiven. Im Femininum dagegen (»die Veranstaltung«) sind Genitiv und Dativ gleichlautend, sodass die Zusammenfassung zulässig ist.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (10/2018): Namen und Titel

Das mit der Groß- und Kleinschreibung ist für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, ein schwieriges Feld. Dass auch viele Muttersprachlerinnen und Muttersprachler damit ihre Schwierigkeiten haben, macht es nicht leichter. Ich stelle zum Beispiel immer wieder fest, wie schnell man hierzulande dazu neigt, Wortkombinationen durch unnötige Großschreibung den Status von Eigennamen zu verleihen.

In Namen und Titeln schreibt man durchaus auch mal Adjektive oder Partizipien groß, die unter anderen Umständen immer kleingeschrieben werden: So haben deutsche Bürgerinnen und Bürger am Mittwoch den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Weitere Beispiele für Namen und Titel sind der Alte Fritz, das Statistische Bundesamt und der Indische Ozean.

In Begriffen wie künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien, öffentlicher Personennahverkehr, soziale Medien oder organisierte Kriminalität ist die Großschreibung des jeweils ersten Teils sehr weit verbreitet, aber trotzdem falsch. Diese Wortkombinationen sind keine Eigennamen oder Titel, sondern schlicht beschreibende Bezeichnungen. Es gibt keinen Grund, mehr als das enthaltene Substantiv großzuschreiben.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (9/2018): miteinander

Mit dem Miteinander scheint es nicht immer ganz einfach zu sein. So hört man von Politiker/-innen öfters, dass »ein gemeinsames Miteinander« sehr wichtig sei. Ein Miteinander geht nur gemeinsam. Das dazuzuschreiben, ist ähnlich unsinnig wie die viel beschworene »kooperative Zusammenarbeit« oder die »Win-win-Situation für beide Seiten«: Die kursiv geschriebenen Teile sind in allen Beispielen überflüssig, weil die jeweilige Bedeutung schon in den umgebenden Begriffen enthalten ist.

Auch als Adverb ist »miteinander« häufig unnötig. Viele setzen es in Verbindung mit Tätigkeitswörtern ein, die den Aspekt der Verbindung schon beinhalten:

Diese beiden Aussagen hängen miteinander zusammen.
In der Maschine werden die Bestandteile miteinander verbunden.
Die Studie vergleicht Sachverhalt A und Sachverhalt B miteinander.

In allen drei Fällen können Sie »miteinander« weglassen, ohne dass sich die Aussage des Satzes verändert. (Im dritten Beispiel können Sie »und« durch »mit« ersetzen, aber notwendig ist auch das nicht.) Die Aussage bleibt gleich, ist aber in dieser kürzeren Form viel klarer erkennbar, und genau das ist ein wichtiger Aspekt, wenn Sie Informationen vermitteln wollen.

Machen Sie diesen Test doch mal eine Zeit lang immer dann, wenn Sie »miteinander« geschrieben haben: Lesen Sie den Satz noch einmal ohne dieses Wort. Sie werden staunen, wie oft Sie es gleich wieder streichen.

Anders gesagt: Ein gutes Miteinander ist eine feine Sache. Am besten ist es immer dann, wenn man es nicht extra betonen muss.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (8/2018): Was nicht da ist, kann nichts tun

Bei großer Hitze kann es vorkommen, dass man Dinge sieht, die gar nicht da sind, und dass man ihnen sogar bestimmte Eigenschaften zuschreibt. Solche Fälle begegnen mir in Texten häufiger, dazu muss es gar nicht so heiß sein wie zurzeit.

Die fehlende Vision für die künftige Entwicklung beunruhigt mich.
Eine fehlende Brille ist der Grund für seine schlechte Leistung.

Als mir der erste Satz kürzlich unterkam, schlug mein Sprachradar an, aber im ersten Moment konnte ich gar nicht konkret benennen, was falsch war. Klassischer Fall von »man versteht ja intuitiv, was gemeint ist«: Es gibt keine Vision, und diese Tatsache sorgt für Beunruhigung. Das grammatische Subjekt des zitierten Satzes ist aber die Vision selbst. Sie ist gar nicht da, und doch beunruhigt sie jemanden. Faszinierend, oder?

Die beabsichtigte Aussage ließe sich sprachlich korrekt zum Beispiel so formulieren:

Es beunruhigt mich, dass es keine Vision für die künftige Entwicklung gibt.

Im zweiten Beispiel ginge es im Prinzip genauso (denn das Fehlen der Brille ist der Grund, nicht die Brille selbst), einfacher ist es aber so:

Ein schwaches Sehvermögen ist der Grund für seine schlechte Leistung.
oder: Mit einer Brille hätte er eine bessere Leistung erbracht.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (7/2018): Willensbekundungen

Politiker und Politikerinnen kündigen viel an, wenn der Tag lang ist. Manchmal nehmen sie Angekündigtes auch wieder zurück. Und in letzter Zeit beobachte ich, dass in der zugehörigen Berichterstattung ein Fehler immer häufiger auftritt.

Lesen Sie mal folgenden Satz:

Minister X kündigte an, sich im Lauf des Tages äußern zu wollen.

Fällt Ihnen etwas auf? Ankündigen kann man etwas, das in der Zukunft passieren wird (oder wenigstens passieren soll). Es geht also um Vorhaben, Pläne oder Absichten. Der Wille, etwas zu tun, ist aber nichts, was passieren wird; er ist entweder da oder eben nicht. Er kann sich zwar verändern, aber er lässt sich nicht zeitlich planen. Und das wiederum bedeutet, dass sich ein Wille nicht ankündigen lässt.

Was heißt das für die Berichterstattung? Da gibt es zwei Möglichkeiten. Berichtet man von einer Ankündigung, kann es kein »wollen« geben, richtig ist dann:

Minister X kündigte an, sich im Lauf des Tages zu äußern.

Ob das dann tatsächlich passiert, steht selbstverständlich auf einem anderen Blatt, aber das ist hier nicht unser Thema. War es tatsächlich nur eine Willensbekundung, ist »ankündigen« das falsche Verb. Dann kann es beispielsweise heißen:

Minister X erklärte, sich im Lauf des Tages äußern zu wollen.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (6/2018): hier und dort

Erinnern Sie sich noch an Krümelmonster und Lulatsch aus der Sesamstraße, die auf sehr raumgreifende Art den Unterschied zwischen »hier« und »da« erklärten? An diese Episode musste ich gerade denken, denn mir geht es heute auch um »hier« und »dort«. Genauer: um die Fälle, in denen die beiden Wörtchen tatsächlich einen physischen Ort bezeichnen.

Nehmen wir mal an, ein deutscher Konzern, der unter anderem eine Produktionsstätte in Brasilien hat, beschreibt deren Aktivitäten im Geschäftsbericht so:

»Erfreulich ist die Entwicklung in Brasilien:
Hier haben wir im Geschäftsjahr …«

Der Geschäftsbericht wird von der Zentrale veröffentlicht, und die befindet sich in Deutschland. Das ist die Perspektive, aus der sich die Formulierung herleitet: Von Deutschland aus gesehen, ist Brasilien nicht hier, sondern dort. Es muss also heißen: »Dort haben wir im Geschäftsjahr …« Ein weiteres Beispiel:

»Besonders heftig waren die Regenfälle in Wuppertal,
hier waren ganze Straßenzüge nicht mehr befahrbar.«

Wenn das so in einer Wuppertaler Zeitung steht, ist es korrekt. Erscheint der Beitrag jedoch in einer Zeitung oder Sendung aus irgendeinem anderen Teil Deutschlands, ist Wuppertal nicht mehr »hier«. Dann muss es »dort« heißen.

In räumlicher Hinsicht ist »hier« also eng begrenzt, nämlich auf den Standort der Firma, der Redaktion oder der Person, die die Aussage trifft. Denken Sie ans Krümelmonster!

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (5/2018): Größenvergleiche

Größenvergleiche können in Informationstexten sehr hilfreich sein, um Dinge zu veranschaulichen. In den Medien besonders beliebt sind Vergleiche mit Fußballfeldern oder, wenn es um etwas größere Dimensionen geht, mit dem Saarland.

In diesem Zusammenhang gibt es einen sehr verbreiteten Fehler. Schauen Sie sich mal diese beiden Sätze an und sagen Sie ganz spontan, ob die Aussagen identisch sind:

Stadt X hat dreimal so viele Einwohner wie Stadt Y.
Stadt X hat dreimal mehr Einwohner als Stadt Y.

Okay, die meisten von Ihnen kennen mich schon eine Weile und wissen: Wenn ich so frage, gibt es meist einen Unterschied. Das ist natürlich auch hier so. Damit es sich leicht rechnet, nehmen wir mal an, in Stadt Y wohnen 10.000 Menschen.

Das erste Beispiel sagt aus, dass Stadt X 30.000 Einwohner hat: 3 mal 10.000 sind 30.000.

Sehr oft kommt auch die Formulierung aus dem zweiten Beispiel vor, um dieselbe Relation zu beschreiben. Das ist aber falsch, denn die Aussage ist eine andere: Während »dreimal so viel« bedeutet, dass die Bezugsgröße mit 3 multipliziert wird, drückt »dreimal mehr« aus, dass das Dreifache der Bezugsgröße zur Bezugsgröße hinzugerechnet wird. Für unser Beispiel bedeutet das: 10.000 Einwohner plus 30.000 Einwohner (10.000 mal 3) = 40.000 Einwohner.

Wenn ich lektoriere, schaue ich mir Formulierungen mit »x-mal größer/länger/breiter als« sehr genau an. Falls nicht aus dem Zusammenhang klar wird, wie es sich tatsächlich verhält, frage ich lieber nach, denn fast immer ist die reine Multiplikation gemeint (wie im ersten Beispielsatz).

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (4/2018): Kongruenz im Genus

»Kongruenz« bedeutet in Bezug auf Sprache die Übereinstimmung von Satzteilen hinsichtlich bestimmter grammatischer Merkmale; ein Feld, das viele Zweifelsfälle bereithält. Ich schaue heute mal auf einen Fall der Kongruenz im Genus, also im grammatischen Geschlecht. Betrachten Sie mal folgende Satzanfänge:

Mein Auftraggeber, die Firma Schulze, der kürzlich Jubiläum gefeiert hat …
Mein Auftraggeber, die Firma Schulze, die kürzlich Jubiläum gefeiert hat …

»Mein Auftraggeber« ist das Subjekt des Satzes, »die Firma Schulze« eine nähere Beschreibung (Apposition). Im ersten Fall stellt der anschließende Relativsatz einen Bezug zum Auftraggeber her: »Auftraggeber« ist maskulin, also heißt es »der kürzlich …«. Im zweiten Beispiel heißt es »die kürzlich …«: Der Relativsatz bezieht sich auf »die Firma«.

Und was ist nun richtig?

Grundsätzlich beides. Um im Einzelfall entscheiden zu können, schaut man, welcher der beiden Teile (Subjekt oder Apposition) im Satz mehr Gewicht hat bzw. ob sich der Relativsatz einem der Teile stärker zuordnen lässt. Im obigen Beispiel ist das recht eindeutig die Firma, sodass »die« sinnvoller ist.

Wenn im selben Satz einfach nur Subjekt und Apposition die Plätze tauschen, ist aber schon längst nicht mehr so klar, welcher Teil eher als Bezugsgröße anzusehen ist:

Die Firma Schulze, mein Auftraggeber, die kürzlich Jubiläum gefeiert hat …
Die Firma Schulze, mein Auftraggeber, der kürzlich Jubiläum gefeiert hat …

Klingt beides schief, oder? Viel falsch machen können Sie nicht, beides ist grundsätzlich richtig. Um Irritationen zu vermeiden, würde ich in diesem Fall aber eine andere Satzkonstruktion wählen.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (3/2018): meinen, erachten, wissen

Die eigene Meinung kundzutun, ist manchmal gar nicht so einfach. Von inhaltlichen Aspekten mal ganz abgesehen, haben die entsprechenden Wendungen auch sprachlich einige Tücken.

»Meiner Meinung nach« ist weit verbreitet und auch korrekt, ebenso »meiner Ansicht nach«. Das kann man variieren, zum Beispiel mit »Erachten« oder »Wissen«. Und da geht es schon los: Diese beiden Begriffe haben nämlich in der vergleichbaren Konstruktion kein »nach« im Gepäck. Das wissen viele nicht. Nach dem Muster, das »meiner Meinung nach« vorgibt, schreiben oder sagen sie dann »meines Erachtens nach« oder »meines Wissens nach«. Das aber ist falsch.

Korrekt heißt es im konkreten Beispiel:

Meines Erachtens ist das richtig.
Meines Wissens gibt es in diesem Geschäft keine Gutscheine.

Und es wird noch etwas komplizierter. Wenn man nämlich bei »Erachten« mit dem Dativ arbeitet, statt den Genitiv zu wählen, ist das Wörtchen »nach« auf einmal wieder im Spiel. Dann kann es entweder voran- oder nachgestellt sein.

Nach meinem Erachten ist diese Aussage korrekt.
Meinem Erachten nach ist diese Aussage korrekt.

Eine Merkhilfe kann ich Ihnen dazu leider nicht an die Hand geben. Manches ist einfach, wie es ist. Einfach ist die deutsche Sprache ganz sicher nicht, und ich ziehe meinen Hut vor allen, die sie als Fremdsprache erlernen.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (2/2018): Respekt

Eine Leserin der »Zwei Minuten« fragte mich kürzlich, ob ich einmal etwas über Respekt schreiben könne. Genauer: Heißt es »Respekt vor etwas haben« oder »Respekt für etwas haben«? Das mache ich doch gern!

Tatsächlich lese ich in den letzten Jahren immer häufiger von Respekt für andere Menschen, für die Umwelt oder Ähnliches. Ich sehe darin einen Import aus dem Englischen. Der Merriam Webster führt als Beispiel unter anderem auf: »Despite our differences, I have enormous respect for him.«

Im Deutschen hat man Respekt vor etwas: vor einer Leistung, vor einer Person oder vor einer Aufgabe zum Beispiel. »Respekt für etwas/jemanden« findet sich bisher nicht im Duden. Ich empfinde die beiden Varianten auch als inhaltlich unterschiedlich.

Zwar drücken beide eine Form der Wertschätzung aus. In »Respekt vor« schwingt aber eine Note von innerer Anspannung mit, von Ehrfurcht; in Bezug auf höhergestellte Personen oder schwierige Aufgaben vielleicht sogar von Angst. Man selbst ordnet sich der Person oder der Sache, der man Respekt entgegenbringt, in gewisser Weise unter.

Dagegen ist das, was mit »Respekt für« ausgedrückt wird, in den meisten Fällen eine positive Wertschätzung, etwas Fürsorgliches und Wohlwollendes. Wenn eine Aussage über die eigene Position in dieser »Beziehung« enthalten ist, dann die einer Gleichrangigkeit: Man betont, dass man sich selbst nicht über die genannte Person oder Sache stellt. Etwas ganz anderes also als das, was in »Respekt vor« mitschwingt.

Wie gesagt: Noch ist die Wendung »Respekt für etwas/jemanden« gar nicht im Duden angekommen. Früher oder später wird sich das vermutlich ändern. Im Moment würde ich in diesen Fällen aber nach einer alternativen Formulierung suchen, die die positive Note stärker heraushebt: Die oben erwähnten Begriffe »Wertschätzung«, »Wohlwollen« und »Fürsorge« wären erste Ansatzpunkte.

 

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