Rubrik: Kleiner Fehler, große Wirkung

Na los, mach schon!

Neulich beim Einkaufen, nichts Böses ahnend, fand ich im Supermarkt den Werbeflyer eines Anbieters von Selbstverteidigungskursen. Darauf stand:

Selbstbehaupte Dich endlich!

Techniken der Selbstverteidigung zu erlernen, ist immer eine gute Sache und unbedingt empfehlenswert. Sprachlich aber ist das hier ein glatter K.-o.-Schlag.

Man kann sich (selbst) behaupten – die Ergänzung »selbst« ist dabei unnötig, wenn auch nicht falsch. Das Verb heißt einfach nur »behaupten«. Es ist in dieser Bedeutung reflexiv, braucht also das »sich«, das natürlich dem Satzzusammenhang entsprechend gebeugt wird. In der Anrede einer anderen Person wird es also zum »Dich«.

Nun kann man das Ganze mit einem »selbst« verstärken; dann aber muss sich dieses »selbst« auf die Person beziehen und nicht auf die Tätigkeit: sich selbst, mich selbst, Dich selbst usw.

Richtig wäre also:

Behaupte Dich endlich selbst!

So ist es sprachlich korrekt und obendrein viel anschaulicher und aussagekräftiger: Schließlich geht es doch darum, die Verteidigung in die eigenen Hände zu nehmen (und nicht darauf hoffen zu müssen, dass andere einem helfen).

Genau dasselbe gilt übrigens, wenn man statt »behaupten« das Verb »verteidigen« nimmt. Zusammen schreibt man nur bei den Substantiven: »Selbstbehauptung« und »Selbstverteidigung«.

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Kleiner Strich, große Wirkung

Diese Anmerkung fand ich kürzlich auf einer Internetseite, auf der Kleidung angeboten wurde:

(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Schon vorne fehlt ein Bindestrich (»B-Qualitäten«), aber um den geht es mir jetzt gar nicht.

So, mit dieser Schreibung, sagt der Satz: In der Kleidung werden hin und wieder Maschinen gefunden! Aber wer will schon eine Kaffemaschine am T-Shirt kleben haben? Oder gar eine Waschmaschine? Abgesehen davon, dass das den Tragekomfort vermutlich nicht gerade erhöht, sieht es auch nicht besonders gut aus. Gut, dass es die optische Prüfung gibt!

Spaß beiseite: Gemeint sind natürlich Maschinenfehler und Druckfehler. Weil aber diese Dopplung des Wortteils »-fehler« holprig klingt, lässt man ihn beim ersten Wort weg – das ist völlig legitim und absolut im Sinne der Lesefreundlichkeit. Diese gute Absicht macht man aber sofort zunichte, wenn man hinter »Maschinen« keinen Auslassungsstrich setzt. Der heißt so, weil er anzeigt, dass hier etwas ausgelassen wurde, was an späterer Stelle im Satz zu finden ist. Richtig ist also

… da Maschinen- oder Druckfehler gefunden wurden, die …

Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass Striche nicht egal oder vernachlässigbar sind.

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Ist doch eh alles umsonst

Es gibt einen Unterschied zwischen »gratis« und »umsonst«. Darauf angesprochen, kennen den auch die meisten deutschen Muttersprachler:

gratis = kostenlos
umsonst = vergeblich

In der Umgangssprache ist es aber fast schon gang und gäbe, dass man »umsonst« sagt, wenn man meint, dass etwas nichts kostet. In Hamburg ist auch »für umsonst« ganz verbreitet (allerdings noch falscher). In der Schriftsprache sollte man sich aber schon an korrekte Begriffe erinnern und benutzen. Das erwarte ich insbesondere von Leuten, die mit dem geschriebenen Wort ihr Geld verdienen.

Aber Erwartungen werden ja auch gerne mal enttäuscht. Hier zum Beispiel auf der Webseite einer Zeitschrift:

(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Heißt: Wenn Sie kein Abonnent sind, zahlen sie 40 Cent. Wenn Sie Abonnent sind – vergessen Sie’s.

 

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Was ein Buchstabe ausmachen kann!

Dabei liegen das g und das u auf der Tastatur gar nicht mal SO nahe beieinander, dass der Schreiber sich einfach vergriffen haben könnte.

(gefunden in einem Blog, danke an Katja für den Hinweis!)

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MacBook Pro mit Tasche für 10 Taler! Oder doch nicht?

Das hier passt wunderbar zu den toten Taschen: Auf der Seite eines Computerhändlers fand ich neulich dieses Kleinod der falschen Rechtschreibung.

Dass das auf dem Komplettbild gezeigte iPhone nicht im Lieferumfang enthalten ist, sagt der Händler fairerweise dazu – ist sich aber offenbar nicht bewusst, was er mit dieser Schreibung ohne Bindestriche nichtsdestotrotz aussagt, nämlich: dass das MacBook sehr wohl dabei ist! Da nenne ich 9,99 Euro für das Set doch mal einen richtig guten Preis!

Was er tatsächlich hätte schreiben sollen, ist

… Kombination aus MacBook-Pro- und iPhone-Tasche …

Der Strich hinter »Pro« heißt Ergänzungsstrich. Er zeigt an, dass das, was im nächsten gekoppelten Substantiv am Ende steht – also »Tasche« –, auch für diesen Begriff gilt. Zu diesem Strichlein habe ich kürzlich hier ein bisschen mehr geschrieben.

(Frage an die hier mitlesenden Juristen: Wie aussichtsreich wäre es eigentlich, aufgrund dieser falschen Schreibung auf der Herausgabe eines MacBook Pro zu bestehen?)

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Tot oder lebendig?

Auf der Webseite eines Modeunternehmens stolperte ich gerade über folgende Überschrift:

Tote Taschen

Die Unart, auf Bindestriche zu verzichten (im Sprachpingeljargon: Deppenleerzeichen zu setzen), greift heute immer mehr um sich. An diesem Beispiel zeigt sich mal wieder überdeutlich, wozu diese Bindestrich-Askese führen kann: Wer um alles in der Welt sollte denn wohl auch lebendige Taschen kaufen wollen?

Vielleicht oute ich mich als Hinterwäldlerin, wenn ich sage, dass ich von »tote« im Zusammenhang mit Mode vorher noch nie gehört hatte. Tatsächlich gibt es aber im Englischen den Begriff »tote bag«, der früher im Grunde nichts anderes bezeichnete als einen Jutebeutel. Heute ist eine »tote bag« einfach eine Handtasche, die auf beiden Seiten einen Henkel hat – eine Tragetasche eben. Das Verb »to tote« bedeutet nichts weiter als »tragen«.

Aber der Name »Tragetasche« wäre sicher wenig verkaufsfördernd für die Art von Taschen, die auf dieser Webseite abgebildet war. Also blieb man bei »tote« und kombinierte das mit dem deutschen Substantiv. Letzteres ist grundsätzlich löblich – dann aber, liebe Leute, müsst ihr auch einen Bindestrich schreiben. Gut lesbar bzw. verständlich ist es dann immer noch nicht, aber immerhin merkt man gleich, dass vermutlich nicht das deutsche Adjektiv »tot« gemeint ist:

Tote-Taschen

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Fühlt sich an wie …

… hmmmm … Spinat? Und irgendwas Cremiges?

(gefunden auf der Wochenkarte einer Kantine in Hamburg)

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Gastkommentar: Mit heißer Nadel gestrickt

Zum heutigen Sportteil der Hamburger Morgenpost (Mopo) folgt nun eine sprachliche Analyse von Ingo T. aus H. Der Gastkommentator ist vom Fach, sowohl sprachlich als auch hinsichtlich des runden Leders.

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Die Mopo rationalisiert die deutsche Sprache und macht aus zwei Fügungen eine:

»Charles Takyi ist keine Option dar.«

Die Mopo meidet simplifizierende Begriffe, zum Beispiel das Wort »Ball«. Außerdem hält doppelt immer besser:

»Zumindest der Einsatz stimmte: Schalkes Sergio Escuderos (…) kämpft voller Elan um den Elan.«

Deutlich subtiler zeigt sich diese Taktik hier:

»Engagement und Einsatzwillen konnte man den Norddeutschen zwar nicht absprechen …«
(aber vielleicht Esprit und Spielwitz. Oder Blacky und Fuchsberger. Oder Schokoweihnachtsmann und Jahresendzeitschokoladenhohlkörper.)

Die Mopo überlässt es dem Leser, die Situation zu bewerten: Wollte Kalle die Situation entschärfen? Oder entscheiden? Oder gar jemanden schächten?

»Am Nachmittag versuchte Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge die Situation zu entschäften.«


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Brechfest auf dem UN-Gipfel

Hübscher Schreibfehler im Newsticker der Rhein-Zeitung:

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Kommt auf den Kaffee noch was drauf?

Ohne Worte … nein, nicht ganz ohne: Danke (wieder mal) an Katja, die dies in einer Bäckerei in Hamburg-Barmbek entdeckt hat!

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