Rubrik: Knapp daneben ist auch vorbei

Beauftragen vs. in Auftrag geben

Folgenden Satzanfang fand ich neulich in einem zu lektorierenden Text:

Eine von der Stiftung beauftragte Studie zeigte, dass …

Es ist klar, wie das Ganze gemeint ist – wie es nur gemeint sein kann: Die Stiftung hat jemandem den Auftrag gegeben, eine Studie durchzuführen. Und doch ist das Partizip »beauftragte« hier falsch. Das Verb »beauftragen« braucht zwingend ein Objekt, und zwar eines, das in diesem Fall im Akkusativ steht (Frage: »Wen oder was?«): Man beauftragt immer jemanden, etwas zu tun.

Das Partizip »beauftragte« kann sich demnach nur auf eine Person oder Institution beziehen, die einen Auftrag erhalten hat bzw. ausführt.

Im oben zitierten Satz bezieht es sich aber auf die Studie selbst, und die hat nun ganz sicher keinen Auftrag. Richtig ist deshalb:

Eine von der Stiftung in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass …

Rubriken: AllgemeinKleiner Fehler, große WirkungKnapp daneben ist auch vorbei | Bisher kein Kommentar |
After-Work-Beratung

Werbung für diesen Service ist mir neulich schon mal an einer U-Bahn-Haltestelle aufgefallen.

Ein Schmunzeln konnte ich mir ja nicht verkneifen: Die Krankenkasse findet es nämlich total flexibel, dass man jetzt, wie es sinngemäß auf dem Plakat stand, ganz bequem nach der Arbeit zu seinem Berater gehen kann – jetzt, da die Geschäftsstellen bis 18 Uhr geöffnet haben. Hört, hört! Dass in der Kombination von »bequem nach der Arbeit« und »bis 18 Uhr geöffnet« ein kleiner Widerspruch liegt, ist in der Marketingabteilung offenbar niemandem aufgefallen. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Um zu rechtfertigen, dass ich im Sprachpingel-Blog darüber berichte: Erfreulicherweise ist hier mal korrekt gekoppelt, das passiert bei Kombinationen (Komposita) aus deutschen und englischen Begriffen eher selten. Aber »After-Work-Beratung« mit zwei Bindestrichen ist genau richtig. Gut gemacht!

Rubriken: AllgemeinKnapp daneben ist auch vorbei | Bisher kein Kommentar |
Geht doch!

Kundenbewertungen im Netz sind doch immer wieder ein Quell der Freude:

.

Rubriken: AllgemeinKleiner Fehler, große WirkungKnapp daneben ist auch vorbei | 2 Kommentare |
Das tut weh

Mundspülung soll Menschen helfen, die schmerzempfindliche Zähne haben. So weit, so richtig. Was aber auf dieser Flasche steht, ist sprachlicher Blödsinn – wenn auch von einer Art, die sich für viele erst auf den zweiten Blick offenbart. Sprachpingels Spezialgebiet!

Das zweite Versprechen lautet: Diese Mundspülung schützt vor Zahnhalskaries. Daran ist sprachlich nichts auszusetzen.

Wovor aber schützt sie zuerst?

Vor Zähnen.

Merken Sie was? Hier wird das, was geschützt werden soll – die Zähne –, verwechselt mit dem, wovor geschützt werden soll: nämlich der Schmerzempfindlichkeit. Ich treibe das Bild, das hier (versehentlich) gezeichnet wird, mal auf die Spitze, damit deutlich wird, woran es hapert: Niemand mit schmerzempfindlichen Zähnen wird Sie mehr beißen, wenn Sie Ihren Mund regelmäßig mit dieser Flüssigkeit spülen.

Klassischer Fall von »Aber man versteht doch, was gemeint ist!« – klar. Aber das hier ist nicht umsonst das Sprachpingel-Blog. ;-)

Rubriken: AllgemeinKleiner Fehler, große WirkungKnapp daneben ist auch vorbei | 1 Kommentar |
»Vorständin« im Online-Duden – wie bitte?!

In den letzten Tagen meldeten diverse Tageszeitungen, der Begriff »Vorständin« habe der Duden-Redaktion zufolge »gute Chancen«, in die gelbe Rechtschreibbibel aufgenommen zu werden. In der Online-Variante ist er bereits vertreten.

Als ich diese Meldung am Sonntag das erste Mal las, ging mein erster Blick zum Kalender: Nein, wir haben nicht April, sondern Januar – das Ganze ist offenbar kein Scherz.

Wenn Dinge im täglichen Leben bestimmte (neue) Bezeichnungen bekommen, die sich auf breiter Front durchsetzen, dann landen die über kurz oder lang im Duden. So geschehen zum Beispiel mit »twittern« oder mit »Bundeskanzlerin«. Ich finde das interessant und bereichernd, denn Sprache ist nicht statisch. Sie entwickelt sich stetig weiter, und es ist gut und richtig, dass der Duden darauf reagiert. In diesem Fall aber, so meine ich, hat sich die Redaktion vergaloppiert.

Zum einen bezweifle ich stark, dass dieser Begriff tatsächlich so gängig ist (oder sein wird), dass er nach diesen Kriterien einen Duden-Eintrag rechtfertigen könnte. Das hat nichts damit zu tun, dass die Zahl der Frauen in deutschen Unternehmensvorständen bisher noch recht übersichtlich ist. Vielmehr bezeichnet der Begriff »Vorstand« ja ursprünglich das Gremium, also eine Gruppe von Menschen. Wenn man einzelne Personen, die diesem Gremium angehören, »Vorstand« nennt, dann war damit zwar bisher in den meisten Fällen ein Mann gemeint; dennoch ist der Begriff in dieser Bedeutung doch wohl eine Kurzform von »Vorstandsmitglied« – und damit ein geschlechtsneutraler Oberbegriff, auch wenn er grammatisch zufällig maskulin ist.

Ein Mitglied kann ein Mann oder eine Frau sein, genauso wie ein Gast (ebenfalls maskulin) oder ein Mensch (dito) – oder eben ein Finanz- oder Personalvorstand. »Vorständin« folgt derselben Struktur wie »Menschin« oder »Gästin«. Aber die Duden-Redaktion ist meines Wissens nie auf die Idee gekommen, letztere Begriffe aufzunehmen – zu Recht, denn falsches Deutsch hat im Duden, Verbreitung hin oder her, nichts zu suchen.

Warum sollte das bei »Vorständin« anders sein?

Rubriken: AllgemeinKnapp daneben ist auch vorbeiMecker-Ecke | 1 Kommentar |
Wem seins ist das?

Manche Leute haben Erklärungen auf Lager, auf die wäre ich im Leben nicht gekommen. Gerade das finde ich aber auch sehr spannend, denn so kann ich verstehen, warum jemand etwas falsch schreibt. Sehr erhellend (und, zugegeben, auch erheiternd) war für mich die Antwort auf eine Rechtschreibfrage in einem Online-Forum. Der Thread-Eröffner hatte gefragt, was denn nun richtig sei: »Max’s längliche Nase« oder »Max längliche Nase«.

Um die Antwort gleich mal vorwegzunehmen: Es ist beides falsch. Richtig ist hier der Genitiv »Max’«, und der Apostroph steht auch nur deshalb da, weil der Name Max mit einem s-Laut endet. Ist das nicht der Fall, hängt man einfach nur ein s an den Namen (»Rolfs«); ein solches s würde man im Fall von Max aber nicht hören. Also lässt man es weg und ersetzt es durch einen Apostroph.

Das konnten einige andere (wenn auch längst nicht alle oder auch nur viele) Forenteilnehmer auch erläutern. Einer aber schrieb Folgendes:

Mein erster Gedanke: Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass sich der Deppenapostroph bei Namen so stark verbreitet hat. Zwar steht das, was weggelassen wird, hinter dem s, weshalb auch der Apostroph hinter dem s stehen müsste (»Max s’«) – aber wer wollte schon so kleinlich sein? ;-) Einen gravierenden Fehler hat die Theorie aber: Sie erklärt nicht, warum es dann bei Frauennamen nicht »Sabine’i« oder »Kunigunde’i« heißt, schließlich wäre es dort die Kurzform für »Sabine ihre« bzw. »Kunigunde ihre«.

Schade eigentlich.

Rubriken: AllgemeinKnapp daneben ist auch vorbei | Bisher kein Kommentar |
Menschenauflauf

Ich habe hier ja neulich schon mal festgestellt, dass Bindestriche eher zu selten gesetzt werden als zu oft. In dem betreffenden Blogeintrag habe ich die Tütensuppe, auf deren Packung der Untertitel »Heißer-Genuss« prangt, mit einem vierblättrigen Kleeblatt verglichen – denn auch nach zu viel gesetzten Bindestrichen kann man lange suchen.

Aber sie sind doch nicht ganz so selten, wie ich dachte. Hier ist noch so ein Beispiel:

Dass der Strich für einen Bindestrich ein wenig zu lang geraten ist – geschenkt. Viel interessanter ist die Bedeutungsverschiebung, die er bewirkt.

Sprachlich betrachtet ist ein »Budapester-Salat« nämlich nicht ein Salat aus Budapest (das wäre er nur ohne den Bindestrich), sondern ein Salat aus Budapestern. Kannibalismus im Supermarkt!

Rubriken: AllgemeinKleiner Fehler, große WirkungKnapp daneben ist auch vorbei | 2 Kommentare |
Alles sauber oder was?

Wenn einer eine Reise tun will, kann er sich heute ja im Voraus ausgiebig über die Zustände vor Ort informieren. Die Technik macht’s möglich, dass jeder Mensch, ob nun der deutschen Sprache mächtig oder nicht, ins World Wide Web reinschreiben kann, was ihm auf der Seele brennt.

Das hat zweifellos Vorteile. Nachteile aber auch, wie folgendes Fundstück zeigt:

Immerhin ist »hygienefrei« richtig geschrieben. Aber wie gut auch, dass es den Text unter der Bewertung gibt, denn er macht deutlich, was wirklich gemeint ist – nämlich das Gegenteil von dem, was die verschwurbelte Headline tatsächlich aussagt. :-D

Das erinnert mich an einen Fernsehbeitrag zur Eröffnung der Hamburger Weihnachtsmärkte im letzten Jahr. Der Reporter befragte auch einige Glühweinverkäufer, unter anderem zu den hygienischen Bedingungen in so einem handelsüblichen Glühweinstand. Einer dieser Verkäufer sprach daraufhin nicht ohne Stolz ins Mikro: »Die Besucher können sich darauf verlassen: Unsere Becher sind absolut hygienefrei

Na, dann: Prost Glühwein!

Rubriken: AllgemeinKnapp daneben ist auch vorbei | Bisher kein Kommentar |
Starker Tobak

Ich hab’s ja gestern schon angedeutet: Wenn ich einmal beim Thema Redewendungen bin, lässt mich das so schnell nicht wieder los. Gerade habe ich einen Screenshot wiedergefunden, den ich vor längerer Zeit gemacht habe:

 


Die Wendung »starker Tobak« bedeutet »Unverschämtheit«. Was ich bisher nicht wusste, ist, dass man auch von »starkem Tabak« reden kann; gebräuchlicher und deutlich idiomatischer ist aber in jedem Fall »Tobak«. Der Duden* führt diese Wendung auf einen alten Schwank zurück, in dem ein Jäger den Teufel an der Nase herumführt: Ersterer sieht das Gewehr des Jägers, weiß aber nicht, was es ist. Der Jäger erzählt ihm, es handele sich um eine Pfeife. Als der Teufel an dieser »Pfeife« zieht, drückt der Jäger ab. Die Schrotladung in seinem Kopf bezeichnet der Teufel daraufhin als »starken Tabak/Tobak«.

Ob man für die Wendung nun die Variante mit o oder die mit a bevorzugt – fest steht, dass es sich bei Tabak um eine feste Substanz handelt. Damit ist die Kombination mit »einschenken« im Text oben ein schiefes Bild (übrigens auch eine sehr interessante und unterhaltsame Kategorie der Sprachbetrachtung, zu der ich auch schon einiges gebloggt habe).

Der Duden sieht als Verb zum »starken Tobak« schlicht, ergreifend und ausschließlich »sein« vor: Etwas ist starker Tobak – fertig.

 

* Bd. 11: Redewendungen, Bibliograph. Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim 2002, S. 752

Rubriken: AllgemeinDas Bild hängt schiefKnapp daneben ist auch vorbei | Bisher kein Kommentar |
Zahnweh, anders

Das hier fand ich am letzten Samstag in einer Hamburger Tageszeitung:

Vor ein paar Tagen habe ich ja schon über Schnäppchen und Schnippchen geschrieben und damit das weite Feld der Redewendungen betreten – für mich immer noch eins der faszinierenden Gebiete der Sprachwissenschaft. In meinem Anglistik-Studium habe ich mich einige Zeit mit englischen Sprichwörtern und Redewendungen beschäftigt; es gab tatsächlich einen Professor, dessen Fachgebiet das war.

Was Redewendungen auszeichnet, ist, dass sie weitgehend feststehen; man kann nicht einfach ein anderes Verb nehmen (Schnippchen etwa kann man nur schlagen, sonst gar nichts) oder ein Substantiv in den Plural setzen. Häufig ist es außerdem ja auch so, dass die Kombination der Wörter bei Betrachtung ohne die »idiomatische Brille« ziemlicher Unfug ist und nur mit der übertragenen Bedeutung – wenn man sie denn kennt – einen Sinn ergibt.

Ein solcher Fall ist »jemandem auf den Zahn fühlen«. Deutschen Muttersprachlern ist die Wendung bekannt: Sie bedeutet, dass man jemanden genau befragt, um etwas Bestimmtes herauszubekommen; oft, weil man vermutet, dass eine Aussage dieser Person nicht ganz ehrlich oder vollständig war. Das hat mit Zähnen gar nichts zu tun, wie sollte das auch gehen? Man kann ja nicht »auf etwas fühlen«. Aber in dieser – und nur in dieser – Kombination erschließt sich ein eigener, anderer Sinn.

Das heißt in diesem Fall: Man fühlt grundsätzlich auf den Zahn, auch dann, wenn man mehrere Leute ins Kreuzverhör nimmt.

Rubriken: AllgemeinDas Bild hängt schiefKnapp daneben ist auch vorbei | Bisher kein Kommentar |