Rubrik: Allgemein

»Zwei Minuten für die Sprache« (5/2016): liegen lassen/gelassen?

Heute fange ich mal wieder mit einer Frage an. Sagen Sie mal ganz spontan, welche der folgenden Aussagen korrekt formuliert ist:

Er hat seine Brille im Auto liegen lassen.
Er hat seine Brille im Auto liegen gelassen.

Wenn Sie unsicher sind, befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Man benutzt diese Wendungen aus einem Verb im Infinitiv und »lassen« (stehen lassen, laufen lassen, fallen lassen etc.) so oft und fragt sich das trotzdem jedes Mal wieder. Wie also ist es richtig?

Beide Möglichkeiten stehen im Duden (Band 9, »Richtiges und gutes Deutsch«); überwiegend nutzt man in der Standardsprache aber die erste Variante. Diese empfiehlt die Redaktion dann auch. Beispiele:

Ich habe Essen für dich in der Küche stehen lassen.
Sie haben da etwas fallen lassen, soll ich es aufheben?

Vor allem dann, wenn die Kombination mit »lassen« eine übertragene Bedeutung hat, ist aber auch das Partizip II (»gelassen«) verbreitet und korrekt:

Sie hat den Plan fallen lassen/gelassen.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (4/2016): gelten und gehören

Manche Konstruktionen schreiben sich leicht dahin und lesen sich ganz unkompliziert, bis die Lektorin kommt und unbequeme Fragen stellt. Besonders verdächtig sind Sätze mit »gilt als …« oder »gehört/zählt zu …«.

Beispiel? Beispiel:

Die Firma ABC gilt als umsatzstärkster Hersteller von XY.

Wie jetzt? Ist das Unternehmen der umsatzstärkste Hersteller oder nicht? Umsatz lässt sich messen, also gibt es auch Ergebnisse, die man in eine Reihenfolge bringen kann. Wenn aber die Firma nur als besonders umsatzstark gilt, ist die implizite (und in der Regel nicht beabsichtigte) Aussage, dass sie es tatsächlich eben gerade nicht ist.

In einem TV-Bericht hörte ich neulich folgenden Satz:

Iris Berben gehört zu einer der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen.

Hier ist der Fehler etwas anders gelagert, denn es werden zwei Dinge vermischt. Iris Berben gehört zu den erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, anders gesagt: Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen. Die Kombination »Sie gehört zu einer der …« ergibt inhaltlich überhaupt keinen Sinn.

Alles logisch, oder? Trotzdem kommen solche Fehler und Ungenauigkeiten mittlerweile so oft vor, dass man sie kaum mehr als solche wahrnimmt, weder beim Schreiben noch beim Lesen.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (3/2016): Zahlen

Die Welt ist voller Zahlen, für die es unterschiedlichste Schreibkonventionen gibt. Orientierung gibt unter anderem der Duden, wobei manche Empfehlungen in krassem Widerspruch zur Lesefreundlichkeit stehen. Mir käme zum Beispiel nie in den Sinn, eine 8-stellige Telefonnummer als Zahlenkolonne ohne gruppierende Zwischenräume zu schreiben.

Aber das nur nebenbei. Diese Woche fragte mich ein Kooperationspartner, wie man denn generell Zahlen schreibt, die aus mehr als drei Ziffern bestehen: in einem durch (12345 km), mit Zwischenräumen (12 345 km) oder mit Trennpunkten (12.345 km)? Und behandelt man vierstellige Zahlen anders als fünf- und höherstellige?

Der gelbe Rechtschreibduden vermerkt, dass solche Zahlen von rechts nach links durch Zwischenräume in Dreiergruppen gegliedert werden können. Von Punkten sagt er gar nichts, anders als der »grüne Duden« (Band 9, »Richtiges und gutes Deutsch«): Punkte seien auch möglich, und zwar insbesondere bei Geldbeträgen, heißt es dort. Von einer Unterscheidung zwischen vier- und höherstelligen Zahlen ist weder im einen noch im anderen Band die Rede.

Mir persönlich ist die Trennung mit Punkten sympathischer als die mit Zwischenräumen, aber das ist Geschmackssache. Wenn Sie lieber mit Zwischenräumen arbeiten, achten Sie in Word darauf, geschützte Leerschritte zu setzen (PC: Strg+Shift+Leertaste; Mac: Alt+Leertaste), damit die Zahlen nicht versehentlich durch einen Zeilenumbruch in zwei Teile gerissen werden.

Hinweis: Es gibt noch viele weitere Schreibkonventionen für jeweils ganz bestimmte Arten von Zahlen und Ziffern. Fragen dazu beantworte ich gern.

 

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Was kostet das?

Preisanfragen bekommt man als freie Lektorin häufig. Und sicher nicht nur mir fällt auf, dass oft ganz wesentliche Informationen fehlen, um in eine wenigstens ansatzweise vernünftige Kalkulation einzusteigen. Viele der Anfragenden haben offenbar keine klare Vorstellung davon (oder keine Zeit, sich eine zu machen), wie sich Lektorats- oder Korrektoratspreise zusammensetzen. Aber das kann man ja ändern!

Meist sehen solche Mails ungefähr so aus:

Wir haben hier Texte für ein Kundenmagazin, die wir gern korrigieren lassen würden (Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik, Stil etc.). Das sind 82 Seiten in Word. Wir könnten Ihnen die Datei am Freitagnachmittag schicken und hätten sie gern bis Montag um 10 Uhr zurück. Was kostet das?

 

Auf so eine Anfrage kann ich eigentlich keine andere direkte Antwort geben als die, dass ich nach Aufwand zum Stundensatz abrechne. Das wiederum reicht den wenigsten Anfragenden als Information – verständlich. Um konkretere Aussagen machen zu können, muss ich nachfragen und um mehr Informationen bitten, was Auftraggeber, die es ohnehin schon eilig haben, zusätzlich in Zeitnot bringt.

Im Idealfall liegt der Anfrage direkt der zu bearbeitende Text als Kalkulationsgrundlage bei. Aber auch wenn der noch in Arbeit ist, können Anfragende mit wenigen Vorbereitungen und Informationen den Weg zu einer qualifizierten und verlässlichen Kostenschätzung abkürzen.

Worum geht es überhaupt?

Auch Lektoren sind Menschen, und das heißt: Wir haben bestimmte  Spezialgebiete und (Ab-)Neigungen. Es ist durchaus sinnvoll, jemanden zu beauftragen, der mit dem Thema und der Textsorte etwas anfangen kann. Will sagen: Auch für das Lektorat ist es ein Unterschied, ob es in einem Text um Psychologie oder um Maschinenbau geht, ob es sich um eine wissenschaftliche Abhandlung oder eine Imagebroschüre handelt.

Tipp: Nennen Sie in der Anfrage bereits das Thema und ggf. die Zielgruppe des zu bearbeitenden Texts. Damit tun Sie nicht nur der Lektorin einen Gefallen, sondern auch sich selbst: Sie müssen keine – oder zumindest deutlich weniger – Rückfragen beantworten und keine Rückzieher von Anbietenden befürchten, die später merken, dass sie mit der Materie gar nicht zurechtkommen.

Lektorat oder Korrektorat?

Auch wenn viele die beiden Begriffe in einen Topf werfen: Diese zwei Tätigkeiten unterscheiden sich deutlich. Ein Korrektorat beschränkt sich darauf, Rechtschreibungs- und Zeichensetzungsfehler zu korrigieren. Bestenfalls werden schiefe Ausdrücke, stilistische oder inhaltliche Unstimmigkeiten angemerkt – hier allerdings Vorschläge für bessere Formulierungen zu machen, gehört bereits zum Lektorat, das dann auch mehr Zeitaufwand bedeutet und somit anders kalkuliert werden muss.

Was der fiktive Mitarbeiter aus dem obigen Beispiel anfragt, ist also tatsächlich eher ein Lektorat als ein Korrektorat. Netterweise beschreibt er ja, was er sich so wünscht – so merken die Vertragspartner zumindest nicht erst nach der Auftragsdurchführung, dass sie von verschiedenen Voraussetzungen ausgegangen sind.

Tipp: Machen Sie sich den Unterschied zwischen Korrektorat und Lektorat bewusst und formulieren Sie in der Anfrage klar, welche Art der Bearbeitung Sie sich wünschen.

Seitenzahl: Schall und Rauch

Die Anzahl der Seiten hat für unsereinen einen eher bescheidenen Informationsgehalt. Auf keinen Fall ist sie etwas, was wir für eine halbwegs belastbare Kalkulation verwerten können. Was ist schon eine Seite? Je nach Schriftart, Schriftgröße, Seitenrändern und Zeilenabständen kann man sehr viel, aber auch sehr wenig Text auf einem DIN-A4-Blatt unterbringen – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Arbeitsaufwand pro Seite.

Tipp: Was für Lektoren viel greifbarer ist, ist die Zeichenzahl inkl. Leerzeichen. Die lässt sich in Word unter »Extras« sehr schnell bestimmen. Wenn der Text noch nicht fertig ist, einfach hochrechnen und in der Anfrage vermerken, dass es sich um eine ungefähre Angabe handelt.

Eine Seite ist nicht gleich eine Seite (Blindtext erstellt mit blindtextgenerator.de).

Qualität des Ausgangstexts

Selbst wenn man weiß, wie viele Zeichen der Auftrag (voraussichtlich) umfasst, kann die Kalkulation noch ein ziemlich wackeliges Konstrukt sein. Je nachdem, wie viel an einem Text zu feilen ist, können 1.000 Zeichen in 10 Minuten bearbeitet sein – oder man sitzt eine Stunde daran. Deshalb hilft es für die Kalkulation auch nicht, die letzte, bereits gedruckte Ausgabe der fraglichen Veröffentlichung mitzuschicken: Die hat ja bereits eine Korrekturstufe durchlaufen und gibt somit keinen Aufschluss über den sprachlichen Zustand des Rohmaterials.

Natürlich können die meisten von uns auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Wenn aber ein Festpreis gewünscht ist, wird ein betriebswirtschaftlich kalkulierender Lektor das Angebot zur Sicherheit eher höher ansetzen als zu niedrig. Es sei denn, der Anfragende beachtet folgenden …

Tipp: Wenn es irgend geht, schicken Sie die aktuelle Version des fraglichen Dokuments mit, ggf. mit Hinweis, dass es sich noch nicht um die Endfassung fürs Lektorat handelt. Sollte das noch nicht möglich sein, sind Probeseiten (mindestens 3, höchstens 10) ungemein nützlich: Sie sollten repräsentativ für die Qualität des Gesamttexts sein, beziehen Sie also ruhig auch Ausschnitte aus den Teilen ein, die Sie selbst für weniger gelungen halten.

Zeitrahmen

Klar bin ich selbstständig – ich arbeite selbst und ständig! Dieser Spruch hält sich in manchen Köpfen immer noch hartnäckig: Freiberufler kann man arbeiten lassen, während man selbst das Wochenende genießt, schließlich freuen die sich ja über jedes bisschen Arbeit, das sie kriegen können. In manchen Fällen mag das stimmen, aber längst nicht jeder Freiberufler arbeitet ganz selbstverständlich auch an Wochenenden oder über Nacht (und viele, die dazu bereit sind, verlangen mit Fug und Recht Aufschläge dafür, dass sie ihre privaten Pläne über den Haufen werfen).

Tipp: Wenn es gar nicht anders geht als mit Sonderschichten, stellen Sie sich auf Preisaufschläge ein. Wenn Sie das vermeiden wollen, planen Sie die Zeit für ein Lektorat von Anfang an in die Produktion ein und fragen Sie rechtzeitig an, sodass Wochenend- oder Nachtschichten für das Lektorat gar nicht erst zur Diskussion stehen.

Fazit

Die beste Kalkulation ist immer die, die auf Basis des tatsächlich zu bearbeitenden Texts erfolgt. Ist das nicht möglich, können Sie selbst eine Menge dazu beitragen, dass Sie zügig verlässliche Angebote bzw. Kostenvoranschläge erhalten – und dass diese, falls Sie mehrere Lektorinnen und Lektoren anfragen, auch einfach zu vergleichen sind.

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Trennungsschmerzen

Die Technik nimmt uns heute viel ab und erleichtert das Leben in vielen Bereichen ganz erheblich. Aber wirklich auf sie verlassen kann man sich nur selten. Das gilt auch für die automatische Silbentrennung in Textverarbeitungs- und Layoutprogrammen. Indesign zum Beispiel trennt immer noch sehr gern »Lei-stung«, was seit der inzwischen längst nicht mehr neuen Rechtschreibreform falsch ist. Für Textleute empfiehlt es sich deshalb, Trennungen immer noch mal separat anzuschauen – auch und vor allem, wenn sich nach Textänderungen wieder Zeilenumbrüche verschoben haben und damit neue Trennungen entstanden sind.

Manchmal gibt es falsche Trennungen, die ganz neue Wörter erschaffen und damit auch neue Bedeutungswelten eröffnen. Ein paar Beispiele:

Da war mal ein Artikel in einer Hamburger Tageszeitung, in dem es um Mauscheleien mit Honoraren ging. Leider habe ich davon kein Bild, aber falsch getrennt wurde daraus:

Honorarsch-
windel

Das Unternehmen, das eigentlich nur mit günstigem Strom handelt, hat auf einmal mit Schriftstellerei zu tun:

Bildschirmfoto 2014-10-23 um 11.16.16

 

Das Partyvolk bekommt was Wärmendes:

Bildschirmfoto 2016-02-02 um 11.20.33

(via Deichgrafikerin)

 

Und außerdem gibt es neuerdings Western, in denen Vampire vorkommen.

Bildschirmfoto 2014-10-30 um 14.44.10

(via @rainerklute bei Twitter)

 

Ich sammle hier gern weiter – wer also ähnliche Fundstücke hat: gern her damit!

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»Zwei Minuten für die Sprache« (1/2016): bewegt oder bewogen?

Bewegung ist doch ein schönes Thema für den Jahresanfang. Und beim Verb »bewegen« ist auch gleich sprachliche Flexibilität gefragt: Es kann nämlich auf zwei Arten gebeugt (fachsprachlich: flektiert) werden. Es gibt eine schwache Flexion (bewegte, bewegt) und eine starke (bewog, bewogen).

So weit, so bekannt. Aber wann nutzt man welche? Das kommt darauf an, in welcher Bedeutung man »bewegen« benutzt.

Die schwache Form ist dann richtig, wenn das Verb eine räumliche Veränderung beschreibt:

Die Kaltfront bewegt sich langsam nach Nordosten.
Ich habe mich nicht vom Fleck bewegt.

Auch wenn uns etwas zu Herzen geht oder unser Gemüt anrührt, ist diese Beugung korrekt:

Der Film hat mich sehr bewegt.

Wenn »bewegen« aber ausdrückt, dass jemand auf Basis eines Umstands oder eines Arguments etwas entschieden hat, dann ist die starke Beugung gefragt:

Die aktuellen Ereignisse haben mich bewogen, meine Meinung zu ändern.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (12/2015): wieder und wider

Heute gehe ich mal wieder auf einen Wunsch aus dem Leserkreis der »Zwei Minuten« ein: Ich wurde gebeten, doch mal etwas über »wieder« und »wider« zu schreiben. Bitte schön!

Das gebräuchlichere dieser beiden Wörter ist zweifellos das Adverb »wieder«, das als Synonym für »nochmals« und »erneut« aus dem deutschen Sprachschatz gar nicht wegzudenken ist. Es kommt auch in Kombinationen vor, etwa in »wiederholen« oder »wiedergeben« (sowohl im Sinne von »zurückgeben« als auch im Sinne von »noch einmal berichten/abspielen«).

Etwas eckiger ist die Präposition »wider«. Das kommt vor allem daher, dass sie etwas antiquiert ist und mit wenigen Ausnahmen nur noch in gehobener Sprache vorkommt; sonst ist »gegen« das Wort der Wahl. Wir nutzen »wider« hauptsächlich in Verbindung mit Verben, dabei drückt es immer eine (innerlich oder äußerlich) gegenläufige Bewegung aus: »widerstreben«, »widersprechen«, »widerlegen« oder »widerhallen«.

Als einzeln stehendes Wort gehört »wider« heute nur noch in der Wendung »wider besseres Wissen« zum aktiven Sprachschatz. Bei der Gelegenheit: Es heißt nicht »wider besseren Wissens«, auch wenn der Genitiv noch so gut zum angestaubten »wider« zu passen scheint. Ersetzen Sie in Gedanken einfach »wider« durch »gegen«, dann vergessen Sie nie wieder, dass hier der Akkusativ richtig ist.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« (11/2015): gewohnt oder gewöhnt?

An manche Dinge im Leben werde ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen: an Laubbläser zum Beispiel. Oder daran, dass man schon im August Lebkuchen in den Supermarktregalen findet. Dass ich aber jeden ersten Freitag im Monat einen Sprachtipp verschicke, das bin ich gewohnt.

Oder doch gewöhnt?

Da sind wir schon mittendrin im Thema: Wann heißt es eigentlich »gewohnt« und wann »gewöhnt«? Beim Reden komme ich da manchmal selbst ins Schleudern, dabei ist es (wie so oft) ganz einfach.

Man kann eine Sache gewohnt sein. Diese Sache steht grammatisch im Akkusativ, man fragt danach also mit „Wen oder was?«.

Ich bin (wen oder was?) das Treppensteigen gewohnt.

Man kann aber auch gewohnt sein, etwas zu tun.

Er ist [es] gewohnt, die Strecke zu Fuß zu gehen.

Gewöhnt ist dagegen richtig, wenn man dem Objekt der Gewöhnung mit der Frage »Woran?« auf die Spur kommt. Die Aussage enthält dann ein »daran« oder »an«:

Er ist daran gewöhnt, die Strecke zu Fuß zu gehen.
Habt ihr euch schon an die Zeitumstellung gewöhnt?

 

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Steht auf, bevor ihr Schmerzen habt!

Normalerweise geht es hier ausschließlich um Sprache. Nach  mehr als sechs Jahren mache ich jetzt mal eine Ausnahme und berichte von einem Produkttest. Sprachtipps gibt es heute also nicht, dafür nützliche Infos für Schreibtischtäter/-innen, die etwas für ihren Rücken tun wollen. Und eine klare Empfehlung!

Worum geht’s?

Ich arbeite praktisch ausschließlich sitzend am Schreibtisch, meist am Rechner, hin und wieder auch auf Papier lesend. Mein ganzes bisheriges Berufsleben lang, auch schon vor der Selbstständigkeit. Dass das auf Dauer nicht ideal für den Rücken ist, ist mir schon länger klar; dass man nicht nur in der Freizeit für Ausgleich sorgen kann, eigentlich auch – eigentlich. Aber ich musste natürlich warten, bis mir mein Rücken in diesem Sommer deutlicher als jemals zuvor signalisiert, dass Aufschieben einfach nicht mehr gilt.

Diese Testaktion kommt also genau im richtigen Moment. Objekt ist ein höhenverstellbarer Schreibtischaufsatz der Firma VarideskGitte Härter bringt mich drauf:

Bildschirmfoto 2015-10-20 um 14.36.11

Mit diesen Aufsätzen kann man abwechselnd im Sitzen und im Stehen arbeiten, was gut für den Rücken ist – und im Vergleich zu einem kompletten höhenverstellbaren Schreibtisch auch gut fürs Portemonnaie. Ich bewerbe mich also für den Produkttest, den die Agentur denkBar in Bremen betreut. Ich darf mir ein Modell aussuchen, bekomme es für einen Monat zur Verfügung gestellt und soll dann berichten. Ich werde für diese Berichte nicht bezahlt, und ich darf – und soll ausdrücklich! – schreiben, was ich wirklich über das Produkt denke. Das ist doch ein Deal!

Erster Eindruck

Ich entscheide mich für das Modell ProPlus 36 (Kaufpreis: 400 €), das ich aus den Niederlanden geschickt bekomme (die Reise per Kurier gleicht einer Odyssee und dauert 10 volle Tage; ob das eine Ausnahme ist, kann ich nicht beurteilen). Das Paket ist riesig und sehr schwer. Nur mit Mühe bekomme ich den Varidesk allein aus dem Karton heraus und auf den Schreibtisch gewuchtet. Kein Wunder: Das gute Stück wiegt 23,6 kg – ich selbst nur ungefähr das Zweieinhalbfache davon. Meine Bandscheiben ächzen vernehmlich.

Der Aufsatz wird fertig montiert geliefert und nicht auf dem Schreibtisch fixiert, er ruht sich einfach auf seinem Gewicht aus – da war ich vorher sehr skeptisch, aber es klappt tatsächlich. Entsprechend schwierig ist es auch, ihn auf der Schreibtischfläche zu verschieben. Pluspunkt aber: kein nerviges Geschraube. Und irgendwann sitzt dann ja auch mal alles am richtigen Platz.

Foto1

Groß wie ein Raumschiff-Cockpit – aber alles Gewöhnungssache!

Der Aufsatz wirkt sehr stabil. Die Flächen für Monitore und Tastatur/Maus haben abgerundete Kanten und eine strapazierfähige, raue Oberfläche. Mein normal großes Mauspad mit Gelkissen findet dort aber leider nicht genug Platz. Das wiederum habe ich über die Jahre so schätzen gelernt, dass es mir schwerfällt, (zumindest für die Testphase) darauf zu verzichten. Die Testzeit wird zeigen, was mein Handballen auf Dauer dazu sagt.

Foto3

Mit diesen Griffen verstellt man die Höhe

An der Seite der Monitorauflage finden sich Griffe, deren Kanten ebenfalls abgerundet sind und sich gut anfassen lassen. Löst man diese Griffe gegen einen kleinen Widerstand, lässt sich der Aufsatz in mehreren Stufen nach vorn oben bewegen. Für mich passen die Stufen gut, für andere aber vielleicht nicht – das könnte unter Umständen schwierig sein, denn für den Komfort kommt es tatsächlich manchmal auf Zentimeter an. Stabile Federn führen die Bewegung, sodass man nicht das Gefühl hat, tatsächlich zwei Monitore zu heben. Das geht in der Aufwärtsbewegung auf Anhieb nicht so einfach, aber es übt sich sehr schnell. In der gewählten Stellung rastet der Aufsatz ein und ist einsatzbereit:

Das ist meine Höhe – es geht höher, bis die Seitenteile senkrecht stehen

Im hochgefahrenen Zustand schwingt der Varidesk leicht, das lässt sich aber wohl kaum vermeiden und hält sich auch absolut in Grenzen. In Tiefstellung ähnelt die Komposition einem Raumschiff-Kommandostand. Sie wirkt einfach gewaltig – aber im Verlauf des Tests wird sich zeigen, dass das Gewöhnungssache ist.

Testphase

Vor dem Test hätte ich gedacht, dass ich vor allem zweite Durchgänge durch Dokumente im Stehen absolvieren würde, bei denen ich bereits lektorierte Texte noch einmal gegenlese und nur noch Feinschliff-Korrekturen mache. Ich habe mir vorgestellt, dass es anstrengend ist, im Stehen zu tippen. Weit gefehlt! Gleich am ersten Tag verbringe ich deutlich mehr Arbeitszeit stehend als im Sitzen. Und ich merke, dass das viel dynamischer ist, denn so ruhig, wie man sitzt, steht man nicht. Man ist viel mehr in Bewegung, und das ist grundsätzlich immer gut.

Am nächsten Tag kommt die erste Quittung:

Ich lasse mich von dem Bericht inspirieren, den Gitte Härter inzwischen auf ihrem Blog veröffentlicht hat, und nehme mir einen Karton dazu, auf dem ich abwechselnd immer mal einen Fuß abstelle. Das entlastet gleichzeitig mein Hohlkreuz (das ich schon deutlich spüre) und sorgt wiederum für neue Bewegung. Zwischendurch, wenn ich wirklich gerade nur lesen und nicht tippen muss, stelle ich mich auf ein Balance Board. Plötzlich kann ich gar nicht genug Bewegung in meinen Arbeitsalltag bringen. Und das macht richtig Spaß!

Sehr praktisch finde ich, dass die Tastaturablage genauso breit ist wie die für die Monitore und dass Letztere eine angedeutete U-Form hat. So gibt es zusätzliche Ablagefläche, auf der Ausdrucke, Stifte oder andere Utensilien Platz finden, die man für die jeweilige Tätigkeit braucht.

Foto

Ablagefläche auf der Monitor-Ebene

Und wenn ich gerade mal nur lese und nicht tippe, lege ich meine Hände außen an die Tastaturablage, wodurch meine Schultern nach außen gezogen werden – auch das ist gut für den Rücken. Im Sitzen habe ich die lästige Angewohnheit, mich immer mal wieder auf die Ellbogen zu stützen, wodurch natürlich der Rücken krumm wird und das ganze Kreuz sich verbiegt. Das passiert im Stehen natürlich überhaupt nicht mehr. Gut so!

Nach der halben Testzeit deutet sich bereits an, dass der Aufsatz nicht nur die Testphase bei mir verbringen wird:

Fazit: Der soll bleiben!

Schon nach wenigen Test-Tagen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich jemals ausschließlich im Sitzen arbeiten konnte. Mein Arbeitstag ist insgesamt viel dynamischer geworden: Mehrmals am Tag wechsele ich vom Stehen ins Sitzen und bin insbesondere während der Standphasen ständig in Bewegung. Auch außerhalb des Büros merke ich, dass sich meine Haltung verbessert, und ich habe deutlich weniger Rückenbeschwerden als vor dem Test. Gerade die Schulterpartie ist merkbar entspannter, aber auch im unteren Rücken spüre ich eine deutliche Erleichterung.

Für mich sind noch einige kleinere Folge-Investitionen nötig: Ohne Gel-Mauspad kann ich nicht gut arbeiten, und mein altes ist, wie beschrieben, zu groß für den Varidesk. Außerdem ist es ratsam, sich für die Arbeit im Stehen eine feste Schaumstoffmatte zuzulegen (werden unter dem Begriff »Anti-Ermüdungsmatte« geführt). Aber dieses Geld investiere ich gern – im Sinne meines Rückens.

Liebe Leute von denkBar PR: Vielen Dank für die Möglichkeit dieses Tests, die für mich genau zur richtigen Zeit kam! Das mit der Abholung können wir uns sparen – und zwar nicht wegen des Kuriers und auch nicht, weil ich gar nicht weiß, wie ich das Ding allein wieder in die Verpackung bekommen soll. Ihr dürft mir eine Rechnung für den Varidesk schicken, denn: Den gebe ich nicht mehr her!

Ein Hinweis für Interessenten bzw. Neu-Benutzer

Zu Anfang hatte ich Schwierigkeiten mit der Funk-Maus, wenn ich im Stehen gearbeitet habe. Ich hatte zunächst die raue Oberfläche des Aufsatzes als Übeltäter in Verdacht; tatsächlich hatte ich aber nicht daran gedacht, den Empfänger mit auf den Aufsatz zu stellen. Wenn der auf der Schreibtischoberfläche steht und der Aufsatz hochgestellt ist, klappt die Verbindung natürlich nur sehr mühsam.

 

Ergänzung (23.10.2015): Weitere Testberichte aus meinem Netzwerk

Varidesk in Action: Video-Fazit von Gitte Härter

Tagebuch-Testbericht von Deichgrafikerin Katja Frauenkron

 

Ergänzung 2 (28.10.2015): Zusätzliche Käufe

Es gibt nur relativ wenige Mauspads mit Gelkissen, die klein genug für den Varidesk sind. Entsprechend winzig sind auch die Gelkissen, was für mich, die ich an eine großzügig bemessene Handballenauflage gewöhnt bin, keine Option war. Meine Lösung ist jetzt ein Gelkissen ohne Mauspad (von Speedlink, nennt sich »Wrist Rest«). Die Geräusche, die die Maus auf der Varidesk-Oberfläche macht, halten sich für mich in Grenzen; wer da empfindlich ist, sollte besser zunächst ausprobieren, ob die Geräusche der eigenen Maus zu viel Nervpotenzial haben.

Handballenauflage ohne Mauspad

Handballenauflage ohne Mauspad

Zusätzlich habe ich mir jetzt noch ein Balance-Pad zugelegt. Die Modelle, die als »Anti-Ermüdungsmatten« in Ergonomie-Fachgeschäften verkauft werden, sind meist relativ teuer. Ich habe mich vorerst für ein vergleichsweise günstiges Pad von ALEX entschieden (bei Karstadt für knapp 30 Euro, etwas kleiner für 24 Euro), das ich als sehr angenehm empfinde. Es ist relativ dick (knapp 6 cm). Wenn man darauf steht, sinkt man etwas ein, und die kleinen, tief liegenden Muskeln im Rumpf gleichen konstant diese »Unebenheiten« aus, man hat also auch ganz nebenbei noch ein wenig Training.

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»Zwei Minuten für die Sprache« (10/2015): anvisieren, avisieren

Für die »Zwei Minuten« nehme ich immer gern Anregungen auf. Kürzlich bat mich eine Leserin, doch mal über den Unterschied zwischen »anvisieren« und »avisieren« zu schreiben, das könnten nach ihrer Beobachtung viele Menschen nicht richtig auseinanderhalten.

Mache ich doch gern!

Das Verb »anvisieren« bedeutet, dass man etwas wortwörtlich in den Fokus nimmt, zum Beispiel durch eine Kamera, oder dass man durchaus auch im militärischen Sinn auf etwas zielt. Als Ziel anpeilen kann man natürlich auch im übertragenen Sinn: zum Beispiel einen Urlaubsort, ein bestimmtes Geschäftsergebnis oder eine Zielgruppe. Auch in diesen Fällen ist »anvisieren« ein geeignetes Verb, vergleichbar mit »ins Auge fassen« oder »anstreben«.

Ganz anders verhält es sich mit »avisieren«: Es leitet sich von »Avis« ab, und das wiederum ist in der Kaufmannssprache eine (meist schriftliche) Nachricht oder Ankündigung. Man spricht das Wort übrigens mit Betonung auf der zweiten Silbe aus, das s am Ende kann hörbar sein oder nicht. Das dazugehörige Verb »avisieren« bedeutet dann auch »ankündigen«, »in Aussicht stellen«. Dazu noch ein Hinweis aus meiner Beobachtung: Ich lese und höre »avisieren« häufig in Verbindung mit »vorher« oder »vorab«. Das ist eine Dopplung, denn eine Ankündigung erfolgt immer im Voraus. Lassen Sie diesen Zusatz einfach weg.

 

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