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Ja, wie denn nun?!

Falls Sie gerade zum ersten Mal dieses Blog besuchen, dann möglicherweise deshalb, weil Ihnen diese Postkarte in die Hände gefallen ist:

Vielen geht es so, dass sie den ersten Satz lesen und denken: Ja, so stimmt es. Dann lesen sie den zweiten und kommen ins Zweifeln. Ja, wie denn nun?!

Tatsächlich ist nur die zweite Lösung richtig:

Das war eins der besten Konzerte, die ich je gesehen habe!

Warum das so ist und wie Sie sich das für die Zukunft merken können, steht auf den Seiten 57 und 58 meines Buches »Zwei Minuten für die Sprache – Tipps und Tricks, um besser zu schreiben«.

Gestaltet hat die Karte – wie übrigens auch das Buch selbst – Katja Frauenkron, die Deichgrafikerin.

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Mehr ist mehr (manchmal jedenfalls)

So was gibt es auch: Man macht rechtschreibtechnisch alles richtig, und trotzdem ist das Ergebnis schwer zu lesen.

Über die Verwendung von Ergänzungsstrichen habe ich mich ja schon mehrfach ausgelassen, zum Beispiel hier oder auch hier. In die Kombination »Linienbusan- und -abreise« gehören zwei Ergänzungsstriche, denn gemeint ist ja »Linienbusanreise und Linienbusabreise«. Wenn sich in der ausgeschriebenen Form so viel doppelt, kann man Ergänzungsstriche als Platzhalter für das setzen, was im anderen Teil auch vorkommt: Im vorderen Teil ersetzt der Strich in diesem Fall den Wortteil »reise« und im hinteren Teil – ja, da ist ein Strich; leider hat jemand ein Fischbrötchen auf die Scheibe geschmiert – den Wortteil »Linienbus«.

Alles korrekt also. Und trotzdem … irgendwie fließt das nicht, oder? Weiter als bis »Linienbusan« bin ich auf Anhieb nicht gekommen. Hä?

Stolperfallen in Texten sind immer ungünstig, und wenn man mit diesen Texten was verkaufen will, gilt das umso mehr. An solchen Brocken verschlucken sich die Leser, halten inne und verlieren das Gesamtbild aus den Augen. In diesem Fall wäre es deutlich sinnvoller gewesen, ein paar mehr und dafür kürzere Wörter zu kombinieren, um die Information in einem Schwung rutschen zu lassen:

Inselweite An- und Abreise mit dem Linienbus …

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Mit Weihnachtskarten glänzen – nicht nur optisch!

10 Tage war ich im Urlaub, aber in dieser Zeit hat sich die Umgebung meines Büros deutlich verändert. Nichts Böses ahnend betrat ich vorhin das Stadtteilkaufhaus, nur um mich drei Schritte später in einem Meer aus Tannenzweigen, Christbaumkugeln und ähnlichem Glitzerzeug zu verheddern.

Im wahren Wortsinn führt kein Weg daran vorbei: Es weihnachtet zunehmend. Und das bedeutet auch, dass die Zeit der Schöne-Feiertage-Post naht, firmenindividuelle Karten werden jetzt gedruckt. Höchste Eisenbahn also für die dazugehörigen Rechtschreibtipps!

  1. Der häufigste Fehler ist sogar auf gefühlten 75 % der vorgedruckten Karten zu finden: das große N. Natürlich schreibt man »Neujahr« groß, denn das ist der Name für den 1. Januar. Sonst aber gilt: 2014 ist das neue Jahr – aus jetziger Perspektive. Spätestens Anfang März ist es aber nicht mehr neu, und dann dauert es auch schon gar nicht mehr so furchtbar lange, bis es ein neues »neues Jahr« gibt. Großgeschriebene Adjektive kommen bei Eigennamen und sonstigen Spezialbezeichnungen vor (zum Beispiel »das Rote Meer« oder »das Neue Testament«), aber nicht beim Jahreswechsel. Richtig ist also zum Beispiel: »Wir wünschen Ihnen ein frohes neues Jahr.«
  2. Zwischen »frohes« und »neues« steht kein Komma, denn die beiden Adjektive sind nicht gleichrangig – »neues« ist inhaltlich mit dem Jahr verbunden, während »frohes« diese Kombination näher beschreibt.
  3. Auch wenn das Wort in der Weihnachtspost selbst meist nicht vorkommt, gehört es doch irgendwie dazu: Silvester schreibt sich mit i, nicht mit y. 

Dass man »Weihnachten« mit h schreibt, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen; dies also nur der Vollständigkeit halber. Häufiger habe ich dafür in letzter Zeit von lustigen Vertippern à la »Weichnachten« gelesen, die allerdings wohl in der Regel noch rechtzeitig gefunden werden …

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Die Kosmetikpflegerin

Wie schon oft erwähnt, glänzen Striche in deutschen Texten ja eher selten durch korrekte Verwendung. Meist fehlen sie dort, wo sie eigentlich hingehören. Hin und wieder tauchen sie aber auch an Stellen auf, an denen sie gar nichts zu suchen haben.

Zum Beispiel in dieser völlig normalen Kombination von Adjektiv und Substantiv:

Da ist ein Bindestrich fehl am Platz. Was man diesem Fehler aber zugute halten muss, ist, dass er wenigstens nicht den Sinn der Aussage verfälscht. Ganz im Gegensatz zu diesem hier:

Bildschirmfoto 2013-07-02 um 11.53.41

Der Strich hinter »Kosmetik« soll offenbar ein Ergänzungsstrich sein. Korrekt gesetzt, zeigt ein solcher Strich an, dass der zweite Teil der folgenden Zusammensetzung auch für diese gilt; dass man aber im Sinne der Lesbarkeit darauf verzichtet, diesen zweiten Teil doppelt zu nennen (Beispiel: »Käse- und Wurstspezialitäten« statt »Käsespezialitäten und Wurstspezialitäten«).

Der zweite Teil der folgenden Zusammensetzung ist in diesem Fall aber »pflegerin« – was wiederum bedeutet, dass die Langfassung dieser Zeile »Kosmetikpflegerin und Fußpflegerin« lautet.

Gemeint ist natürlich »Kosmetikerin und Fußpflegerin«. Tatsächlich enden also auch hier beide Wörter gleich, nämlich auf »-erin«. Das aber ist kein Bestandteil einer Zusammensetzung, sondern eine Endung – und für die ist der Ergänzungsstrich nicht zuständig, die muss man beide Male schreiben.

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Oktober: Höchstwerte und Mindestwerte

»Der Höchstwert liegt heute bei maximal 15 Grad.«
Aus einem Wetterbericht in einem x-beliebigen Radiosender

Wetterberichte sind offenbar besonders anfällig für falsches Deutsch. Merken Sie, was an dem oben zitierten Satz, der so oder so ähnlich fast jeden Tag aus dem Radio ertönt, falsch ist?

Da ist von einem Höchstwert die Rede, und das ist für sich schon eine Aussage. Wenn ich einen Höchstwert angebe, nenne ich damit die Obergrenze für die Werte, von denen ich spreche. Der Aspekt »maximal« ist in dem Begriff bereits enthalten und muss deshalb nicht separat angeführt werden. Ohnehin ist er nur die lateinischstämmige Entsprechung von »höchst(e)«. Richtig ist also:

»Der Höchstwert liegt heute bei 15 Grad.«

Ähnliches beobachte ich häufig bei Angaben von Mindestmengen. Da heißt es dann zum Beispiel »Mindestalter: ab 8 Jahre« oder »Mindestabnahme: ab 100 Stück«. Die Struktur ist hier genau die gleiche wie bei den Höchstwerten: Der Wortteil »Mindest« liefert das »ab« quasi mit; es noch einmal zu erwähnen, ist eine Dopplung.

Und wieder werden Texte ein wenig kürzer und klarer.

 

Dies ist die Oktober-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Seit Anfang September gibt es die »Zwei Minuten für die Sprache« auch als Buch! Mehr dazu hier.

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»Zwei Minuten für die Sprache« – schwarz auf weiß!

Im November 2005 erschien die allererste Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«. Hätte mir damals jemand gesagt: »Diesen Newsletter verschickst du im Jahr 2013 immer noch jeden Monat, und es kommen immer noch laufend neue Abonnenten dazu!«, hätte ich wahrscheinlich mindestens Zweifel angemeldet. Aber genau so ist es. Und ich freue mich! Auch und besonders darüber, dass mich so viele von Ihnen und euch über die Jahre immer wieder gefragt haben, ob es die »Zwei Minuten« auch als Buch gibt.

Diese Frage habe ich bisher immer verneint. Aber auch die Zeiten sind jetzt vorbei:

40 Newsletter-Texte, die besonders häufige Unsicherheiten in Rechtschreibung, Grammatik und Stil behandeln, finden sich in diesem Buch. Jedem Kapitel ist – und das ist anders als in den Newslettern selbst – eine Multiple-Choice-Frage vorangestellt. Diese Fragen dienen als Einstimmung auf das jeweilige Thema und natürlich auch als Selbsttest für die Leserinnen und Leser. Die Antworten gehen in der Regel aus dem Folgetext hervor, sind aber im Anhang auch noch einmal gesammelt aufgeführt.

Satz und Umschlaggestaltung stammen von der wunderbaren Deichgrafikerin. Liebe Katja, danke für die wie immer tolle Zusammenarbeit!

Das Buch ist ab sofort erhältlich und kostet 8,90 Euro. Zu bestellen ist es zum Beispiel hier, hier oder hier – aber auch bei mir direkt und ganz besonders gern über jede Buchhandlung im wirklich wahren Leben.

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Juliane Topka
»Zwei Minuten für die Sprache – Tipps und Tricks, um besser zu schreiben«
BoD, ISBN: 978-3-7322-4797-4

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»Zwei Minuten für die Sprache« im September: Expertise

Sagen oder schreiben Sie hin und wieder, dass Sie über besondere Expertise auf einem bestimmten Gebiet verfügen?

Falls ja, behaupte ich, dass das nicht stimmt.

Wenn Sie sich jetzt gerade entrüsten wollen, warten Sie bitte noch einen Moment: Ich zweifle keineswegs daran, dass Sie auf Ihrem Gebiet über großen Sachverstand und hohe Kompetenz verfügen, über Fachkenntnisse und Geschick.

All das sind Übersetzungsmöglichkeiten für das englische Wort »expertise«. Das Hauptwort »Expertise« in der deutschen Sprache gehört aber nicht zu den deutschen Entsprechungen. Hierzulande können Sie eine Expertise einholen, wenn Sie zum Beispiel die Echtheit eines Schmuckstücks oder eines Gemäldes prüfen wollen: Im Deutschen bezeichnet der Begriff ausschließlich ein Expertengutachten. Wenn Sie das eingeholt haben, können Sie natürlich auch darüber verfügen (allerdings dann über eine Expertise, nicht einfach nur über Expertise).

 

Dies ist die September-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Forne kurz?

Immer wieder gern genommen:

Fokuhila

Offenbar ist die Herkunft dieses Begriffs vielen Leuten gar nicht (mehr) bewusst. Er ist nämlich einfach nur eine Kurzform von »Vorne kurz, hinten lang«.

Und wenn man das weiß, gibt es auch keinen Zweifel an der richtigen Schreibweise: »Vokuhila«.

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»Zwei Minuten für die Sprache« im August: fremdsprachig oder fremdsprachlich?

Lesen Sie fremdsprachige Bücher? Oder doch lieber fremdsprachliche? Und falls beides zutrifft, wo liegt der Unterschied?

Wenn etwas fremdsprachig, deutschsprachig oder sonst wie -sprachig ist, dann bezieht es sich auf etwas, das in der jeweiligen Sprache passiert, oder auf jemanden, der in dieser Sprache agiert, zum Beispiel mehrsprachige Kundenmagazine oder die deutschsprachige Bevölkerung in der Schweiz. Im Gegensatz zu »sprachlich« kommt »sprachig« nicht als Einzelwort vor.

Englischsprachiger Unterricht findet also auf Englisch statt; er beschäftigt sich aber nicht notwendigerweise mit der englischen Sprache. Auch Erdkunde- oder Mathematik-Unterricht kann englischsprachig sein. Geht es im Unterricht aber um die englische Sprache, ist er englischsprachlich (wobei er natürlich trotzdem und gleichzeitig englischsprachig sein kann). Die Formen mit -sprachlich bezeichnen nämlich das, was sich auf die jeweilige Sprache bezieht oder zu ihr gehört. Weitere Beispiele: fremdsprachliche Weiterbildung, umgangssprachliche Floskel, neusprachliche Entwicklung.

 

Dies ist die August-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Bad, so bad

Nachdem ich am Freitag das Bild vom »Körpermist« gebloggt hatte, sah ich bei Twitter dieses Foto, das der Präsentationsberater Peter Claus Lamprecht aufgenommen hat und das wunderbar dazu passt. Denn auch dabei sorgt die Mischung aus Deutsch und Englisch in Kombination mit mangelhafter Zeichensetzung für Missverständnisse.

In beiden Fällen ergibt die eine Hälfte der Zusammensetzung, in diesem Fall das »BAD«, in beiden Sprachen Sinn – aber leider einen völlig unterschiedlichen.

Die einzige Möglichkeit, eindeutig zu dokumentieren, dass hier mit »Bad« das Badezimmer gemeint ist, bleibt ungenutzt: der Bindestrich. Stünde dort nämlich »BAD-DESIGN«, könnte das »BAD« aus rein sprachlicher Sicht gar nicht das englische Wort für »schlecht« sein – schließlich stehen Adjektive allein und werden weder im Deutschen noch im Englischen an das Hauptwort gekoppelt, das sie näher beschreiben.

Dass notwendige Bindestriche nicht gesetzt werden, ist ja leider fast schon normal. Hier sorgt dieses Versäumnis für eine Abwertung des eigenen Geschäfts, die so wohl kaum beabsichtigt ist. Dass viele Badezimmer-Einrichtungsgeschäfte diesen Fehler machen, tröstet da höchstens ein bisschen.

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