Rubrik: Allgemein

Bitte keine Anführungszeichen einwerfen!

Es ist ja so: Wenn an meinem Briefkasten steht »Bitte keine Werbung einwerfen«, dann meine ich damit: Bitte keine Werbung einwerfen. Im Subtext steht: Wenn Sie es trotzdem tun, dann dürfen Sie damit rechnen, dass ich diese Werbung – sofern ich gerade einen schlechten Tag habe – in einem unfrankierten A4-Umschlag mit dem Vermerk »Porto und Strafporto zahlt Empfänger« an Sie zurückschicke.

Oder dass ich sie für mein Blog verwende. :-D

Heute fischte ich dies hier aus dem Kasten:

Kampfsport-Flyer_1

Das Ganze gedruckt auf festem Papier mit Hochglanzlack. Soll ja wertig rüberkommen! Aber Wertigkeit bemisst sich halt nicht allein am Papier. Zum Layout sag ich jetzt mal nichts, das ist nicht meine Baustelle. Aber zu den Anführungszeichen!

Also. Fangen wir doch mal von vorn an. Anführungszeichen stehen im Deutschen entweder vorn unten und hinten oben („…“) oder als Guillemets (»…«). Sie können mehrere Funktionen haben:

  1. Sie zeigen Zitate/direkte Rede an.
  2. Sie kennzeichnen Namen oder Titel, die ohne die Striche einen anderen Sinn ergeben würden – man kann zum Beispiel in den Spiegel sehen oder in den »Spiegel« (die Zeitschrift).
  3. Sie deuten auf Ironie oder Wortspiele hin.

Nie, nie, niemals aber sind Anführungszeichen dazu da, etwas zu betonen! Die Hervorhebung, die hier beabsichtigt war, ist mit der Versalschreibung bereits mehr als erfüllt. Die Anführungszeichen sind nicht nur fehl am Platz, sondern erwecken auch noch einen falschen Eindruck. Denn der einzige der drei echten Zwecke – siehe oben –, der hier überhaupt infrage kommt, ist der dritte. Damit sagt die Überschrift aus: Wir liefern keine Extraklasse, aber wir schreiben das trotzdem mal hin, weil’s ja schließlich viel besser klingt und aussieht.

Noch interessanter wird es auf der Rückseite:

Kampfsport-Flyer_2b

Wenn Kampfsport jetzt mein Ding wäre – mich könnte man kaum misstrauischer machen als mit solchen Zeilen, da nützt das schönste Hochglanzpapier nichts.

Interessant finde ich bloß, dass das Wort EINSTEIGEN nicht  in Anführungszeichen steht. Das meinen sie dann wohl doch ernst.

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Mehr zum Thema: Darf’s ein bisschen mehr sein?Wirklich?

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Herzlich willkommen! (Teil 4)

Ich habe schon nicht mehr daran geglaubt, überhaupt noch mal ein richtig geschriebenes »Herzlich willkommen« lesen zu dürfen. Dass diese Rubrik sich so langsam füllt, liegt nicht etwa daran, dass ich Tomaten auf den Augen habe – es gibt einfach fast niemanden, der das richtig schreibt.

Nun aber fiel ich in Westerland auf Sylt förmlich über dies:

Jensen-willkommen

Zugegeben, ansonsten kann man von »fehlerfrei« jetzt nicht wirklich sprechen, aber hier geht es ja mal nur um die letzten zwei Wörter, und die sind richtig geschrieben: mit kleinem w.

Weitere Fotos von korrekten Willkommensgrüßen nehme ich übrigens gern entgegen!

Rubriken: AllgemeinHerzlich willkommen! | Bisher kein Kommentar |
»Zwei Minuten für die Sprache« im April: Ballast abwerfen

In der deutschen Alltags-Schriftsprache gibt es viele Wendungen, die aufwendiger sind als nötig. Damit werden sie zu Nebelkerzen, die den klaren Blick auf die Aussage verstellen.

Das Wörtchen »mit« ist als Ergänzung für verschiedene Verben ebenso gängig wie überflüssig: »mit einbeziehen«, »mit berücksichtigen«, »mit dabei sein«, »mit ins Boot holen« büßen nichts an Aussagekraft ein, wenn man es streicht. Ein Grenzfall ist »mithelfen«, hier kann sich die Bedeutung je nach Kontext durchaus etwas verändern.

Entbehrlich ist auch das »rück« in »rückerstatten« oder in »Rückantwort«, denn wohin sonst sollten beide gehen? Weitere Beispiele sind (Überflüssiges jeweils kursiv): „vorprogrammieren«, »Problemstellung« bzw. »Aufgabenstellung«, »absenken« oder »aufoktroyieren«.

Eins meiner Lieblingsthemen in diesem Zusammenhang sind die Streckverben. Statt mit einem Verb beschreiben sie einfache Tätigkeiten mit einer Konstruktion, die den Umweg über ein Substantiv nimmt: Da heißt es dann »in Rechnung stellen« statt »berechnen«, »eine Erstattung vornehmen« statt »erstatten« oder »die Umsetzung durchführen« statt »umsetzen«.

Die meisten dieser Wendungen benutzen wir unbewusst. Wenn Sie einen Text geschrieben haben, sehen Sie ihn mit etwas zeitlichem Abstand noch einmal auf genau solche Formulierungen durch. Sie werden sich wundern!

 

Dies ist die April-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Zur Anmeldung geht es hier.

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40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es auch als Buch!
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»Zwei Minuten für die Sprache« im März: insofern und insoweit

Oft habe ich den Eindruck, dass man das kleine Wörtchen »als« nicht so richtig für voll nimmt. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass ihm so oft ein »dass« seine Position streitig macht oder sich zumindest an seine Seite drängt.

Einer Konstruktion mit »insoweit« oder »insofern« zum Beispiel folgt im korrekten Deutsch ein Nebensatz, der nur mit »als« eingeleitet wird:

Die Lage ist insofern erfreulich, als es keine vereisten Straßen mehr gibt.

Ich kann ihn insoweit verstehen, als er kaum eine andere Wahl hatte.

Der Einstieg in den Nebensatz mit »dass« ist hier genauso falsch wie der mit »als dass«. Trotzdem sind diese beiden Varianten nach meinem Eindruck verbreiteter als die richtige. Möglich und korrekt ist auch die umgedrehte Form, die ganz ohne »als« auskommt; die allerdings auch ziemlich geschraubt klingt und deshalb für zeitgemäße Unternehmenskommunikation nicht zu empfehlen ist:

Die Lage ist erfreulich, insofern es keine vereisten Straßen mehr gibt.

Auch in Verbindung mit »umso mehr« reicht das einfache »als« für einen korrekten Satz:

Das freut mich umso mehr, als man so mit weniger Wörtern auskommt.

 

Dies ist die März-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Zur Anmeldung geht es hier.

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Pleo… was?

Wissen Sie, was ein Pleonasmus ist? Vielleicht nicht, und doch bin ich sicher, Sie haben schon hin und wieder einen verwendet.

Laut Fremdwörter-Duden* ist der Pleonasmus eine »überflüssige Häufung sinngleicher oder sinnähnlicher Wörter, Ausdrücke«. Als Beispiele gibt er »weißer Schimmel« und »schwarzer Rappe« an. Der Pleonasmus wird zwar als rhetorische Figur eingeordnet und hat in der Literatur durchaus seine Berechtigung. Im täglichen Sprachgebrauch ist er aber meist nur eine unnötige sprachliche Dopplung (Wolf Schneider** nennt es »verbale Blähung«), und die passiert häufiger, als es uns bewusst ist.

Wie oft habe ich schon gelesen, Angela Merkel sei die erste weibliche Bundeskanzlerin in Deutschland. Aha. Und was waren dann Gerhard Schröder oder Helmut Kohl: männliche Bundeskanzlerinnen? Ähnlich ist es mit der grauen Eminenz im Hintergrund – der Begriff »graue Eminenz« beinhaltet  bereits, dass diese Person nicht an vorderster Front unterwegs ist, sondern ihren Einfluss hinter den Kulissen ausübt. Der Zusatz ist also völlig überflüssig.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum wir um eine Rückantwort bitten, etwas rückerstattet haben wollen oder bei Rückfragen gerne zur Verfügung stehen? Warum wir etwas vorbestellen, vorprogrammieren oder anmieten? Ob eine nachfolgende Abbildung tatsächlich etwas anderes ist als eine folgende? Warum wir ein Haus neu renovieren oder Stillschweigen vereinbaren?

Alle im letzten Absatz kursiv gesetzen Wortteile können Sie bedenkenlos streichen. Texte kürzen kann ganz einfach sein!

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* Duden-Reihe, Band 5: »Das Fremdwörterbuch«, Duden-Verlag
** Wolf Schneider, »Deutsch für Profis«, Mosaik bei Goldmann
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»Zwei Minuten für die Sprache« im Februar: Jubiläum

Anlässlich der 100. Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es Infos zum Begriff des Jubiläums – liegt ja irgendwie nahe.

Umgangssprachlich reden wir ja gerne mal von einem »X-jährigen Jubiläum«. Sprachpingelig betrachtet ist das falsch, denn es ist ja nicht das Jubiläum selbst, das X Jahre alt ist. Vielmehr sagt das Wort aus, dass etwas seit X Jahren besteht.

Der Rechtschreibduden verzeichnet unter den Beispielen zum Stichwort »Jubiläum« denn auch gar kein soundso altes selbiges, sondern »das Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens, der vierzigjährigen Betriebszugehörigkeit«.

Sprachlich korrekt, aber ganz schön umständlich.

Konsultiert man Band 9 der Duden-Reihe (»Richtiges und gutes Deutsch«), der den tatsächlichen Sprachgebrauch abbildet, findet sich zum »vierzigjährigen Jubiläum« folgende Anmerkung: »Diese Fügung hat sich (…) so sehr eingebürgert, dass sie nicht mehr als falsch anzusehen ist.« Dem stimme ich, auch und vor allem im Sinne klarer und leicht lesbarer Texte, uneingeschränkt zu.

 

Dies ist die Februar-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Januar: Kontamination

In der Umgangssprache passiert es häufig, dass sich zwei Wörter oder Wendungen mit ähnlicher Form und Bedeutung vermischen. Solche Wortkreuzungen heißen in der Fachsprache Kontamination, also Verunreinigung; ein amüsanter und doch treffender Begriff, wie ich finde.

Besonders oft höre und lese ich zum Beispiel bei Xing oder in anderen Online-Foren die Satzeinleitung »Meines Wissens nach …«. Tatsächlich gibt es im Deutschen nur die Wendungen »meiner Meinung nach« und »meines Wissens«. Die Mischform »meines Wissens nach« ist ebenso verbreitet wie falsch.

Genauso wenig gibt es im korrekten Deutsch die »Mund-zu-Mund-Propaganda«: Sie ist eine Verschmelzung aus »Mund-zu-Mund-Beatmung« (sprachlich korrekt, inhaltlich nicht so ganz, aber das ist hier nicht das Thema) und »Mundpropaganda«. Ich staune immer wieder, wie oft der falsche Begriff selbst in renommierten Medien vorkommt.

Es gibt aber auch Kontaminationen, die beabsichtigt sind und in den normalen Sprachgebrauch eingehen. Das sind dann meist Einzelwörter, in denen zwei Begriffe zusammengepackt sind und die man deshalb auch Kofferwörter nennt: In diese Kategorie gehören unter anderem »Besserwessi«, »Teuro«, »Brunch«, »Webinar« oder »Denglisch«.

 

Dies ist die Januar-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Rubriken: AllgemeinWussten Sie schon, ...? | 2 Kommentare |
Warum nicht mal klein anfangen?

Neulich stieß ich in diesem Internet auf ein ganz neues Makler-Geschäftsmodell:

Kaufen Sie das Haus einfach Stück für Stück. Die Haustür kommt zuerst, dann die Wand drumrum. Wenn Sie dann wieder ein bisschen gespart haben, kaufen Sie die linke Außenwand. Und so weiter. Dass da noch niemand drauf gekommen ist!

Sie können auch mit Garten und Balkon beginnen. Wenn Sie Glück haben, gibt Ihnen der Anbieter gleich eine Wohnung dazu:

Vielleicht überlegen Sie aber auch ohnehin, sich zu verkleinern. Wer braucht schon 5 Zimmer – man ist ja eh immer bei der Arbeit, oder? Dann ist dieses Angebot, das mir die Übersetzerin Katja Heimann-Kiefer zugespielt hat, vielleicht etwas für Sie: 

Aber lassen Sie sich bloß nicht unter Druck setzen. Höchstens ein bisschen!

(Diese Wohnung war übrigens mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate, inseriert.)

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Nicht nur neu, sondern auch gut

In diesen Tagen fällt mir auf, dass in meiner Zusammenstellung von Schreibweisen zum Jahresende noch ein Punkt fehlte: der gute Rutsch!

Es gibt nämlich nicht nur viele Menschen, die einem alles Gute fürs (Achtung, falsch:) Neue Jahr wünschen, sondern die auch den guten Rutsch als Eigennamen betrachten und das »guten« großschreiben.

Ist aber auch falsch! Korrekt wünscht man einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Dass man Silvester mit i hinter dem S schreibt, stand zwar in dem anderen Blogpost schon drin, aber ich wiederhole es hier der Vollständigkeit gern noch mal (besser is’!). ;-)

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Die Sache mit der Qualität

Schreibfehler machen wir alle mal, keine Frage. Gerade im Zusammenhang mit Aussagen zur Qualität der eigenen Leistungen finde ich die immer besonders … öhm … charmant.

Hier zwei Beispiele, die mir in den letzten Wochen untergekommen sind:

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