Rubrik: Allgemein

Straßennamen: Reformierte Schreibung oder nicht?

Kürzlich kam in einem Gespräch die Frage auf, wie sich das eigentlich höchst offiziell mit der Rechtschreibreform in Bezug auf Straßennamen verhält. Müssen Straßennamen in Dokumenten erst dann nach den neuen Regeln geschrieben werden, wenn die Reform auch auf den Straßenschildern und in Stadtplänen angekommen ist?

Schloßstraße_

Die Antwort lautet natürlich: Nein! Die neuen Regeln sind in Kraft, und das seit August 2007 sogar verbindlich und ausschließlich. Im Duden* heißt es dazu:

Die Schreibung auf den Straßenschildern weicht oft von den Regeln ab, doch unabhängig von der Schreibweise auf Schildern sollen Straßennamen, beispielsweise innerhalb von Adressen, nach den gültigen orthografischen Regeln geschrieben werden.

Wenn also auf dem Straßenschild »Schloßstraße« steht, dann ist das kein Argument dafür, es auch in Adressen und sonstigen Texten so zu schreiben. Die Schreibweise mit ß ist inzwischen falsch: Wir haben es mit einem kurz ausgesprochenen o zu tun, deshalb schreibt man »Schloss« mit ss – und demzufolge »Schlossstraße« mit drei s. Bei »Straße« spricht man das a lang aus, deshalb bleibt dort das ß.

Wir wollen mal davon ausgehen, dass Städte und Gemeinden nur deshalb keine neuen Schilder aufstellen, weil sie unsere Steuergelder schonen wollen.

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* Band 9: »Richtiges und gutes Deutsch«, 7. Aufl. 2011
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Immo-Anzeigen: gesammelte Werke (Teil 4)

In letzter Zeit ist mein Steckenpferd, die Beschäftigung mit Wohnungsanzeigen aus sprachlicher Sicht, ein wenig kurz gekommen. Heute aber gibt es endlich mal wieder eine neue Folge!

Vor einigen Jahren erntete ich bei einer Wohnungsbesichtigung verständnislose Blicke einer Maklerin. Sie hatte in der Anzeige 4 Zimmer beschrieben, vorhanden waren aber nur 3. Auf  Nachfrage sprach die Dame: »Wieso – brauchen Sie denn 4 Zimmer?« Sie fand es noch nicht mal seltsam, eine 4-Zimmer-Wohnung zu annoncieren und damit Leuten die Zeit zu stehlen, für die eine 3-Zimmer-Wohnung gar nicht infrage kommt.

Ähnlich unentschieden zeigt sich dieser Vertreter:

3 oder 4

 

Während manch einer die Zimmer nur so ungefähr abzählt, gibt es andere, die es ganz genau nehmen:

5,2 Zimmer

Auch dieser Makler beugt vor: Wer – wie ja so sehr viele von uns – auf dunkle Buden steht, in die sich kaum je ein Sonnenstrahl verirrt, kann sich diese Besichtigung gleich mal sparen. Das nenn ich Service!

Wer helle Wohnungen mag

Vielen Maklern eigen ist die Angewohnheit, die Verhältnismäßigkeit der Preise und der Wohnungsgrößen zu beurteilen. Allerdings legen sie dabei erstaunlich häufig andere Maßstäbe an als ihre potenziellen Kunden:

Viel Platz für wenig Geld

Was ebenfalls nicht ausstirbt, ist der falsche Gebrauch des Fachvokabulars. Über die Maisonette habe ich mich hier schon mal ausführlich ausgelassen, aber auf mich hört ja mal wieder keiner ;-)

Maisonette 2 Etagen

Von genereller Sorgfalt beim Schreiben und Formulieren will ich mal gar nicht anfangen. Damit höre ich lieber auf:

Hsdamburg netral

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Mehr gesammelte Werke:

Teil 2

Teil 3

 

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Der, die, das … was?

Gibt es eigentlich eine Regel dafür, wie sich das Genus von Fremdwörtern bestimmt? Konkret gefragt: Heißt es zum Beispiel der, die oder das Review?

Schlechte Nachrichten: Leider gibt es hier nicht einmal ansatzweise eine befriedigende Regelung.

Teilweise bestimmt sich das Genus nach dem entsprechenden deutschen Wort. Es heißt das Souvenir (nach das Andenken) oder das Chanson (nach das Lied). Sobald es aber mehrere deutsche Entsprechungen gibt, kommt man ins Schlingern: Heißt es das Match (nach das Spiel) oder der Match (nach der Wettkampf)? Antwort: In Deutschland heißt es das, in der Schweiz der. Fragen Sie mich nicht, warum. Ähnlich willkürlich gewählt erscheinen zahlreiche andere Artikel von Fremdwörtern.

Die zweite Regelmäßigkeit folgt dem Prinzip »Kennste eines, kennste alle«: Wörter mit der gleichen Endung haben meist auch den gleichen Artikel. Es heißt das Networking, das Online-Banking und das Rafting; die Entourage, die Kartonage, die Menage. Aber auch das eignet sich nicht als Faustregel.

Und die Moral von der Geschicht’? Lernen, merken und immer wieder nachschlagen. Leider.

Bleibt noch die Frage nach »Review«. Wenn man von einem Titel(bestandteil) englischer oder amerikanischer Zeitschriften spricht, ist die richtig (die Harvard Business Review). Geht es aber um eine kritische Besprechung, gibt der Duden an: »das od. der (…) auch die«.

Hurra.

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Juli: genau so oder genauso?

Sagen Sie mal ganz spontan: Welche der folgenden Schreibweisen ist richtig?

  • genauso
  • genau so

Die langjährigen Leser dieses Newsletters winken vermutlich bereits ab, denn wenn ich so frage, lautet die Antwort eigentlich immer: Es kommt darauf an. Das gilt natürlich auch hier. Aber worauf kommt es denn an?

Klare Frage, einfache Antwort: auf die Betonung.

Auseinander schreibt man nur dann, wenn das »so« als Adverb betont ist, wenn also die Art und Weise, wie etwas geschieht, durch das »genau« näher beschrieben wird:

Wir haben das Essen genau so zubereitet, wie es im Rezept stand.
Genau so etwas habe ich gesucht.

In den meisten Fällen ist aber nur die Silbe »nau« betont, das »so« dagegen nicht. In diesen Fällen schreibt man »genauso« in einem Wort:

Das sehe ich genauso wie du.
Dieses Eis schmeckt genauso wie früher.

Wenn weitere Adverbien oder Zahlwörter hinzukommen, schreibt man die aber getrennt von dem Wort »genauso«: genauso gut, genauso oft, genauso viel usw.

 

Dies ist die Juli-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke. Zur Anmeldung geht es hier.

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40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es auch als Buch!
Mehr Infos dazu gibt es hier.

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Juni: Jetzt wird’s kritisch

Gefühlt mindestens zweimal am Tag laufen sie mir über den Weg: die »kritischen Erfolgsfaktoren«.

Diese Kombination ist so verbreitet, dass kaum noch jemand merkt: Sie ist eigentlich ein Anglizismus. Im Englischen bedeutet »critical« unter anderem »entscheidend« im Sinne von »wichtig«, und genau das ist gemeint, wenn von einem »critical success factor« die Rede ist.

Im Deutschen aber heißt »kritisch« vor allem »prüfend und bewertend«, wobei diese Bewertung sowohl positiv als auch negativ ausfallen kann. In zweiter Bedeutung drückt »kritisch« eine starke Gefährdung aus (»Der Zustand des Patienten ist kritisch.«) oder kündigt eine Wende oder neue Entwicklung an, die dann aber auch eher negativ bzw. gefährlich ist.

Wer von »kritischen Erfolgsfaktoren« spricht, hat in meinen Augen allzu unkritisch aus dem Englischen übernommen, denn er meint in der Regel die Faktoren, die vorhanden oder erfüllt sein müssen, damit der Plan aufgeht. Man kann sich natürlich mit etwas Gezerre und gutem Willen die deutsche Bedeutung von »kritisch« so hinbiegen, dass sie für diesen Fall passt. Viel einfacher und vor allem klarer ist es aber, schlicht und einfach von »entscheidenden Erfolgsfaktoren« zu sprechen.

 

Dies ist die Juni-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke. Zur Anmeldung geht es hier.

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40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es auch als Buch!
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Von Möglichkeiten und Fähigkeiten

Es gibt viele Wege, einen Text oder auch nur einen Satz unnötig aufzublähen. Die Substantive »Fähigkeit« und »Möglichkeit« laden dazu offenbar besonders ein. Zwei Beispiele:

  • Er hatte die Möglichkeit, einen früheren Zug nehmen zu können.
  • Die Fähigkeit, komplexe Rechenaufgaben lösen zu können, haben nur wenige Menschen.

Solche Satzkonstruktionen sind erstaunlich verbreitet. Aber sie sind falsch, denn »Möglichkeit« und »Fähigkeit« enthalten bereits die Aussage, dass etwas sein oder geschehen kann. Das Verb »können« in dem entsprechenden Satz zu verwenden, ist deshalb eine Dopplung. Richtig ist:

  • Er hatte die Möglichkeit, einen früheren Zug zu nehmen.
  • Die Fähigkeit, komplexe Rechenaufgaben zu lösen, haben nur wenige Menschen.

Noch besser – weil noch weniger aufgebläht – sind jedoch diese einfachen Konstruktionen:

  • Er konnte einen früheren Zug nehmen.
  • Komplexe Rechenaufgaben können nur wenige Menschen lösen.

Ähnliche Dopplungen gibt es häufig bei Temperaturen oder Preisen: Beide können nur hoch, niedrig oder von mir aus auch gemäßigt sein. Die Adjektive »warm« und »kalt« beinhalten bereits den Bezug auf Temperatur, die Adjektive »billig« und »teuer« den Bezug auf Preise, sodass eine sprachlich unzulässige Dopplung entsteht, wenn man sie kombiniert (falsch sind also »warme Temperaturen« oder »billige Preise«).

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Genderei mal andersrum

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit sah ich eine männliche Politesse. Ähm … Moment mal, haben die eigentlich keine eigene Bezeichnung? In Zeiten der geschlechtergerechten Sprache kann das wohl fast nicht sein, aber auf Anhieb hätte ich die Frage nicht beantworten können.

Der einzige sinnvoll daraus abgeleitete männliche Begriff, der mir einfiel, war »Politeur« – aber da dachte ich nur an »polieren«, nicht an jemanden, der Knöllchen schreibt.

In meinem werbegeschädigten Oberstübchen drängte sich die nächste Idee nach vorn: »Poliboy«! Nee, das ist auch was anderes.

Also: nachgucken.

Die erste Quelle, nämlich Duden online, schweigt sich zu dieser Frage aus. Politessen gibt es dort, männliche Formen sind nicht vorgesehen. Die große Suchmaschine bringt ans Licht: »Politeur« ist offenbar tatsächlich gängig – wenigstens das, was man eben so gängig nennen kann in diesem Zusammenhang. Auch »Hilfspolizist« nennen einige Seiten als Möglichkeit. Außerdem lerne ich, dass »Politesse« eine Verschmelzung aus »Polizist« und »Hostess« ist. Für diese Erkenntnis muss man zwar nicht gerade studiert haben; ich gebe aber zu, dass mir das bisher nicht so bewusst war. Hostess … ich weiß ja nicht.

Übrigens gibt es noch eine weitere Bedeutung des Wortes »Politesse«, die im Rechtschreibduden, interessanterweise aber nicht im Duden-Universalwörterbuch verzeichnet ist: nämlich als veraltetes Synonym für »Höflichkeit, Artigkeit«. Na, dann!

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Mai: Punkt hinter URLs?

Wenn E-Mail- oder Internetadressen am Satzende stehen, setzt man danach noch einen Schlusspunkt? Diese Frage höre ich oft, und sie wird bisher in keinem mir bekannten Nachschlagewerk beantwortet. Das ist umso erstaunlicher, als wir ja nun nicht erst seit gestern mit dem Internet zu tun haben und an vielen Stellen auf Websites und Mailadressen hinweisen.

In diesem Fall könnte der Grund für das Schweigen aber einfach darin liegen, dass es keinen Anlass für eine Sonderregelung gibt: Ein Satz ist ein Satz, und Sätze enden mit einem Punkt. Ein Beispiel:

Weitere Sprachtipps finden Sie auf www.sprachpingel.de.

Dass ein zusätzlicher Punkt nach ».de« oder ».com« merkwürdig aussieht, spielt dabei keine Rolle. Es ist heute jedem Leser zuzutrauen, selbst zu erkennen, dass der letzte Punkt bei »www.sprachpingel.de.« nicht zur URL gehört. Und in Dokumenten, die online gelesen werden, verlinkt man ohnehin direkt zum jeweiligen Referenzobjekt.

Manchmal sehe ich einen Leerschritt zwischen URL und Schlusspunkt. Diese Variante ist genauso falsch, wie sie es in einem Satz ohne URL am Ende wäre. Wenn Sie sich mit dem korrekten Punkt gar nicht anfreunden können, bauen Sie den Satz einfach um:

Auf www.sprachpingel.de finden Sie weitere Sprachtipps.

Oder formulieren Sie einen Hinweis, der kein vollständiger Satz ist, dann fällt der Punkt weg:

Weitere Tipps: www.sprachpingel.de

 

Dies ist die Mai-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich einmal pro Monat per Mail verschicke. Zur Anmeldung geht es hier.

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40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es auch als Buch!
Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Rubriken: AllgemeinWussten Sie schon, ...? | 10 Kommentare |
Bitte keine Anführungszeichen einwerfen!

Es ist ja so: Wenn an meinem Briefkasten steht »Bitte keine Werbung einwerfen«, dann meine ich damit: Bitte keine Werbung einwerfen. Im Subtext steht: Wenn Sie es trotzdem tun, dann dürfen Sie damit rechnen, dass ich diese Werbung – sofern ich gerade einen schlechten Tag habe – in einem unfrankierten A4-Umschlag mit dem Vermerk »Porto und Strafporto zahlt Empfänger« an Sie zurückschicke.

Oder dass ich sie für mein Blog verwende. :-D

Heute fischte ich dies hier aus dem Kasten:

Kampfsport-Flyer_1

Das Ganze gedruckt auf festem Papier mit Hochglanzlack. Soll ja wertig rüberkommen! Aber Wertigkeit bemisst sich halt nicht allein am Papier. Zum Layout sag ich jetzt mal nichts, das ist nicht meine Baustelle. Aber zu den Anführungszeichen!

Also. Fangen wir doch mal von vorn an. Anführungszeichen stehen im Deutschen entweder vorn unten und hinten oben („…“) oder als Guillemets (»…«). Sie können mehrere Funktionen haben:

  1. Sie zeigen Zitate/direkte Rede an.
  2. Sie kennzeichnen Namen oder Titel, die ohne die Striche einen anderen Sinn ergeben würden – man kann zum Beispiel in den Spiegel sehen oder in den »Spiegel« (die Zeitschrift).
  3. Sie deuten auf Ironie oder Wortspiele hin.

Nie, nie, niemals aber sind Anführungszeichen dazu da, etwas zu betonen! Die Hervorhebung, die hier beabsichtigt war, ist mit der Versalschreibung bereits mehr als erfüllt. Die Anführungszeichen sind nicht nur fehl am Platz, sondern erwecken auch noch einen falschen Eindruck. Denn der einzige der drei echten Zwecke – siehe oben –, der hier überhaupt infrage kommt, ist der dritte. Damit sagt die Überschrift aus: Wir liefern keine Extraklasse, aber wir schreiben das trotzdem mal hin, weil’s ja schließlich viel besser klingt und aussieht.

Noch interessanter wird es auf der Rückseite:

Kampfsport-Flyer_2b

Wenn Kampfsport jetzt mein Ding wäre – mich könnte man kaum misstrauischer machen als mit solchen Zeilen, da nützt das schönste Hochglanzpapier nichts.

Interessant finde ich bloß, dass das Wort EINSTEIGEN nicht  in Anführungszeichen steht. Das meinen sie dann wohl doch ernst.

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Mehr zum Thema: Darf’s ein bisschen mehr sein?Wirklich?

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Herzlich willkommen! (Teil 4)

Ich habe schon nicht mehr daran geglaubt, überhaupt noch mal ein richtig geschriebenes »Herzlich willkommen« lesen zu dürfen. Dass diese Rubrik sich so langsam füllt, liegt nicht etwa daran, dass ich Tomaten auf den Augen habe – es gibt einfach fast niemanden, der das richtig schreibt.

Nun aber fiel ich in Westerland auf Sylt förmlich über dies:

Jensen-willkommen

Zugegeben, ansonsten kann man von »fehlerfrei« jetzt nicht wirklich sprechen, aber hier geht es ja mal nur um die letzten zwei Wörter, und die sind richtig geschrieben: mit kleinem w.

Weitere Fotos von korrekten Willkommensgrüßen nehme ich übrigens gern entgegen!

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