Rubrik: Allgemein

Website oder Webseite?

Ich werde öfter mal gefragt, warum ich als Sprachpingel auch in deutschen Texten »Website« schreibe und nicht »Webseite«.

Die Antwort ist ganz einfach: weil das nicht dasselbe ist.

Wegen der klanglichen Ähnlichkeit liegt die Vermutung nahe, dass das eine die Übersetzung des anderen ist. Tatsächlich bedeutet aber das englische Wort »site« nicht etwa »Seite«, sondern so viel wie »(Bau-)Platz« oder auch »Gelände«, ist also viel umfassender. Eine Website beinhaltet alles, was jemand unter einer Domain im Netz zur Verfügung stellt – die deutsche Entsprechung ist also Internetpräsenz bzw. Internetauftritt. Eine Webseite ist eine einzelne Seite (web page) innerhalb einer Internetpräsenz.

Bestimmt genauso häufig setzen Leute in der Alltagssprache den Begriff der Internetpräsenz bzw. des Internetauftritts mit »Homepage« gleich. Die Homepage ist aber streng genommen nur die Startseite eines Internetauftritts, und auf der allein ist in der Regel nicht allzu viel Information zu finden.

So selbstverständlich wir uns heute im Internet bewegen, so wenig selbstverständlich ist es, die Dinge richtig zu bezeichnen. Ich arbeite dran!

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Feuer frei!

Kürzlich erreichte mich dieses Fundstück aus einem Ferienhaus in Dänemark:

Klar, möglich ist alles. Aber es kann mir doch keiner erzählen, dass DAS keinen Ärger mit dem Vermieter gibt! :-)

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Beauftragen vs. in Auftrag geben

Folgenden Satzanfang fand ich neulich in einem zu lektorierenden Text:

Eine von der Stiftung beauftragte Studie zeigte, dass …

Es ist klar, wie das Ganze gemeint ist – wie es nur gemeint sein kann: Die Stiftung hat jemandem den Auftrag gegeben, eine Studie durchzuführen. Und doch ist das Partizip »beauftragte« hier falsch. Das Verb »beauftragen« braucht zwingend ein Objekt, und zwar eines, das in diesem Fall im Akkusativ steht (Frage: »Wen oder was?«): Man beauftragt immer jemanden, etwas zu tun.

Das Partizip »beauftragte« kann sich demnach nur auf eine Person oder Institution beziehen, die einen Auftrag erhalten hat bzw. ausführt.

Im oben zitierten Satz bezieht es sich aber auf die Studie selbst, und die hat nun ganz sicher keinen Auftrag. Richtig ist deshalb:

Eine von der Stiftung in Auftrag gegebene Studie zeigte, dass …

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After-Work-Beratung

Werbung für diesen Service ist mir neulich schon mal an einer U-Bahn-Haltestelle aufgefallen.

Ein Schmunzeln konnte ich mir ja nicht verkneifen: Die Krankenkasse findet es nämlich total flexibel, dass man jetzt, wie es sinngemäß auf dem Plakat stand, ganz bequem nach der Arbeit zu seinem Berater gehen kann – jetzt, da die Geschäftsstellen bis 18 Uhr geöffnet haben. Hört, hört! Dass in der Kombination von »bequem nach der Arbeit« und »bis 18 Uhr geöffnet« ein kleiner Widerspruch liegt, ist in der Marketingabteilung offenbar niemandem aufgefallen. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Um zu rechtfertigen, dass ich im Sprachpingel-Blog darüber berichte: Erfreulicherweise ist hier mal korrekt gekoppelt, das passiert bei Kombinationen (Komposita) aus deutschen und englischen Begriffen eher selten. Aber »After-Work-Beratung« mit zwei Bindestrichen ist genau richtig. Gut gemacht!

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Geht doch!

Kundenbewertungen im Netz sind doch immer wieder ein Quell der Freude:

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»Zwei Minuten für die Sprache« im März: Apposition

Eine Apposition (Beifügung) ist in der Grammatik ein in Kommas eingeschlossener Zusatz, der ein Bezugswort im Satz näher beschreibt:

Hans Müller, der Inhaber der XY GmbH, hielt eine Rede.
Der Baum, eine alte Eiche, musste gefällt werden.

So weit, so klar. Schwierig wird es für viele dann, wenn das Bezugswort nicht im Nominativ steht (1. Fall, Frage mit »Wer oder was?«), sondern in einem anderen Fall. Hier gilt: Wenn die Apposition mit einem Artikelwort beginnt, wie es oben mit »der« bzw. »eine« der Fall ist, muss die Apposition im gleichen Fall stehen wie das Bezugswort.

Genitiv (2. Fall, Frage mit »Wessen?«):

Die Rede Hans Müllersdes Inhabers der XY GmbH, war sehr unterhaltsam.

Dativ (3. Fall, Frage mit »Wem?«):

Die Rede von Hans Müllerdem Inhaber der XY GmbH, war sehr unterhaltsam.

Akkusativ (4. Fall, Frage mit »Wen oder was?«):

Fragen Sie doch mal Hans Müllerden Inhaber der XY GmbH, was er meint.

Sehr oft sehe ich Appositionen im Dativ, wenn das Bezugswort im Genitiv steht (falsch: »Herr Müller ist Inhaber der XY GmbH, einem Möbelhaus«). Warum so viele Menschen hier zum Dativ neigen, habe ich noch nicht durchschaut, aber es ist wirklich auffällig.

Beginnt die Apposition dagegen ohne Artikelwort, steht sie meist im Nominativ (»Wer oder was?«). In welchem Fall das Bezugswort steht, ist dann egal:

Nach Aussage Hans Müllers, Inhaber der XY GmbH, …

*

Dies ist die März-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Alle Wörter da, alle richtig – und doch …

Es fand sich ein Termin für jeden Bedarf.

So stand es in einem Text, den ich vor einiger Zeit zum Lektorieren auf dem Tisch hatte. Aus sprachlicher Sicht einzig mögliche Bedeutung: Es gab einen Termin, bei dem alles geklärt/zur Verfügung gestellt wurde, was die Beteiligten brauchten.

Nun wurde aber aus dem Zusammenhang deutlich, dass etwas anderes gemeint war: Es gab unterschiedliche Arten von Informationsbedarf, entsprechend fand man mehrere Termine, die sich jeweils auf eines der relevanten Themenfeld konzentrierten. Korrekt musste der Satz also lauten:

Es fand sich für jeden Bedarf ein Termin.

Beide Sätze bestehen aus exakt denselben Wörtern, sie sind nur unterschiedlich angeordnet. Und schon ändert sich die komplette Aussage.

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Zeichensetzung bei Aufzählungen

In sehr vielen Texten kommen Aufzählungen vor. Sie können einen Sachtext optisch auflockern, sorgen für Übersicht und machen es dem Leser leicht, wichtige Dinge schnell zu erfassen. Häufig aber gibt es Irritationen über die korrekte Zeichensetzung. Dabei gibt es grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten: Die Zeilen der Aufzählung können (a) Teil des Satzes sein oder (b) jeweils für sich allein stehen.

Im Fall (a) werden sie behandelt wie normale Aufzählungsglieder im Fließtext, denen eben nur ein Spiegelstrich oder ein Aufzählungspunkt vorangestellt ist. Das heißt: Hinter jeder Zeile steht ein Komma (hinter dem vorletzten ggf. ein »und« oder »sowie« statt des Kommas) und hinter der letzten ein Punkt. Diese Form ist gängig, wenn die Aufzählungsglieder aus mehr als nur ein paar Worten bestehen bzw. Nebensätze zur Einleitung bilden.

Ein Text ist dann perfekt, wenn

  • er keine Rechtschreib- und Grammatikfehler enthält,
  • man ihn flüssig lesen kann,
  • die angesprochene Zielgruppe den Inhalt auf Anhieb versteht.

Ist aber (b) die Aufzählung nicht in den Satz eingebunden, steht vor der Aufzählung meist ein Doppelpunkt. Die Aufzählungsglieder erhalten dann kein Satzzeichen am Zeilenende.

Wir haben heute für Sie im Angebot:

  • rote Rosen
  • weiße Tulpen
  • gelbe Narzissen

Auch in diesem Fall (b) gilt aber: Sind die einzelnen Glieder vollständige Sätze, sollten sie einen Schlusspunkt erhalten.

 

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Für die einen ist es ein Schluckauf, für die anderen ein Gluggsi

Vor einem Jahr habe ich schon einmal über den »Atlas zur deutschen Alltagssprache« berichtet, ein Projekt, das ich mit großem Interesse verfolge. Die Ergebnisse der neunten Runde, über die ich letztes Jahr berichtete, sind jetzt online, und gerade hat die zehnte Runde mit neuen Begriffen begonnen. Wie immer kann jeder mitmachen, der möchte. Besondere Rechtschreib- oder linguistische Kenntnisse sind nicht erforderlich, man sollte nur Auskunft darüber geben können, wie den Leuten in der eigenen Umgebung oder wahlweise der Heimatregion der Schnabel gewachsen ist.

Denn: Ziel der Linguisten ist es, die geografische Verbreitung und Verteilung von Bezeichnungen und Redewendungen zu dokumentieren. Dabei geht es ausdrücklich nicht um richtige oder falsche Wörter, sondern darum, was im alltäglichen Sprachgebrauch quer durch den deutschsprachigen Raum üblich ist. Meist sieht man ein Bild eines Gegenstandes und klickt dann eine oder mehrere Checkboxen mit den Bezeichnungen an, die man selbst als gebräuchlich empfindet.

Und nebenbei lernt man noch ganz wunderschöne neue Wörter: Aus dem letzten Jahr ist mir vor allem das (der?) Heubürzli in Erinnerung geblieben – so nennt man in Teilen der Schweiz einen Purzelbaum. Dieses Mal hat es mir »Gluggsi« angetan, ebenfalls ein Wort aus der Schweiz, und zwar für das, was zumindest wir hier im Norden Deutschlands als Schluckauf bezeichnen.

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Soweit ich weiß, ist es noch nicht so weit

Zwei von drei Veranstaltungseinladungen beginnen mit den Worten: »Es ist wieder soweit!«

Ich mag es nicht mehr lesen.

Abgesehen davon, dass es kaum eine langweiligere und einfallslosere Einleitung für solche Texte gibt, ist das Ganze auch noch in aller Regel falsch geschrieben – nämlich so, wie ich es gerade zitiert habe. Richtig ist aber in diesem Fall die Getrenntschreibung: »Es ist wieder so weit!«

Zusammengeschrieben wird nur dann, wenn »soweit« als Konjunktion einen Nebensatz einleitet, der dann in der Regel anzeigt, dass man die Aussage des Hauptsatzes vorsichtig einschränkt:

Soweit ich weiß, ist er noch im Urlaub.

In allen anderen Fällen schreibt man getrennt, auch wenn es noch so oft anders zu lesen ist. Richtig ist also:

So weit die Theorie. Kommen wir nun zur Praxis.
Ich kann gar nicht so weit laufen.

Apropos laufen – kürzlich fand ich diese Headline im Netz:

Hier ist es sogar so, dass beide Schreibungen einen Sinn ergeben. In dem Artikel ging es um untrainierte Jedermann-Sportler, die sich vornehmen, einen Marathon zu laufen. Da kann man nun bezüglich der Überschrift interpretieren: In der gewählten Schreibung bedeutet sie so viel wie »Falls die Knie das aushalten(, ist das zu schaffen)«. Als schlüssiger empfinde ich hier aber die Getrenntschreibung, sodass die Aussage wäre: Diese Sportler können eine bestimmte Strecke (= so weit) laufen, bis die Schmerzen in den Knien sie zum Aufgeben zwingen.

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