Rubrik: Allgemein

»Zwei Minuten für die Sprache« im März: insofern und insoweit

Oft habe ich den Eindruck, dass man das kleine Wörtchen »als« nicht so richtig für voll nimmt. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, dass ihm so oft ein »dass« seine Position streitig macht oder sich zumindest an seine Seite drängt.

Einer Konstruktion mit »insoweit« oder »insofern« zum Beispiel folgt im korrekten Deutsch ein Nebensatz, der nur mit »als« eingeleitet wird:

Die Lage ist insofern erfreulich, als es keine vereisten Straßen mehr gibt.

Ich kann ihn insoweit verstehen, als er kaum eine andere Wahl hatte.

Der Einstieg in den Nebensatz mit »dass« ist hier genauso falsch wie der mit »als dass«. Trotzdem sind diese beiden Varianten nach meinem Eindruck verbreiteter als die richtige. Möglich und korrekt ist auch die umgedrehte Form, die ganz ohne »als« auskommt; die allerdings auch ziemlich geschraubt klingt und deshalb für zeitgemäße Unternehmenskommunikation nicht zu empfehlen ist:

Die Lage ist erfreulich, insofern es keine vereisten Straßen mehr gibt.

Auch in Verbindung mit »umso mehr« reicht das einfache »als« für einen korrekten Satz:

Das freut mich umso mehr, als man so mit weniger Wörtern auskommt.

 

Dies ist die März-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Zur Anmeldung geht es hier.

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Pleo… was?

Wissen Sie, was ein Pleonasmus ist? Vielleicht nicht, und doch bin ich sicher, Sie haben schon hin und wieder einen verwendet.

Laut Fremdwörter-Duden* ist der Pleonasmus eine »überflüssige Häufung sinngleicher oder sinnähnlicher Wörter, Ausdrücke«. Als Beispiele gibt er »weißer Schimmel« und »schwarzer Rappe« an. Der Pleonasmus wird zwar als rhetorische Figur eingeordnet und hat in der Literatur durchaus seine Berechtigung. Im täglichen Sprachgebrauch ist er aber meist nur eine unnötige sprachliche Dopplung (Wolf Schneider** nennt es »verbale Blähung«), und die passiert häufiger, als es uns bewusst ist.

Wie oft habe ich schon gelesen, Angela Merkel sei die erste weibliche Bundeskanzlerin in Deutschland. Aha. Und was waren dann Gerhard Schröder oder Helmut Kohl: männliche Bundeskanzlerinnen? Ähnlich ist es mit der grauen Eminenz im Hintergrund – der Begriff »graue Eminenz« beinhaltet  bereits, dass diese Person nicht an vorderster Front unterwegs ist, sondern ihren Einfluss hinter den Kulissen ausübt. Der Zusatz ist also völlig überflüssig.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum wir um eine Rückantwort bitten, etwas rückerstattet haben wollen oder bei Rückfragen gerne zur Verfügung stehen? Warum wir etwas vorbestellen, vorprogrammieren oder anmieten? Ob eine nachfolgende Abbildung tatsächlich etwas anderes ist als eine folgende? Warum wir ein Haus neu renovieren oder Stillschweigen vereinbaren?

Alle im letzten Absatz kursiv gesetzen Wortteile können Sie bedenkenlos streichen. Texte kürzen kann ganz einfach sein!

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* Duden-Reihe, Band 5: »Das Fremdwörterbuch«, Duden-Verlag
** Wolf Schneider, »Deutsch für Profis«, Mosaik bei Goldmann
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»Zwei Minuten für die Sprache« im Februar: Jubiläum

Anlässlich der 100. Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es Infos zum Begriff des Jubiläums – liegt ja irgendwie nahe.

Umgangssprachlich reden wir ja gerne mal von einem »X-jährigen Jubiläum«. Sprachpingelig betrachtet ist das falsch, denn es ist ja nicht das Jubiläum selbst, das X Jahre alt ist. Vielmehr sagt das Wort aus, dass etwas seit X Jahren besteht.

Der Rechtschreibduden verzeichnet unter den Beispielen zum Stichwort »Jubiläum« denn auch gar kein soundso altes selbiges, sondern »das Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens, der vierzigjährigen Betriebszugehörigkeit«.

Sprachlich korrekt, aber ganz schön umständlich.

Konsultiert man Band 9 der Duden-Reihe (»Richtiges und gutes Deutsch«), der den tatsächlichen Sprachgebrauch abbildet, findet sich zum »vierzigjährigen Jubiläum« folgende Anmerkung: »Diese Fügung hat sich (…) so sehr eingebürgert, dass sie nicht mehr als falsch anzusehen ist.« Dem stimme ich, auch und vor allem im Sinne klarer und leicht lesbarer Texte, uneingeschränkt zu.

 

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Januar: Kontamination

In der Umgangssprache passiert es häufig, dass sich zwei Wörter oder Wendungen mit ähnlicher Form und Bedeutung vermischen. Solche Wortkreuzungen heißen in der Fachsprache Kontamination, also Verunreinigung; ein amüsanter und doch treffender Begriff, wie ich finde.

Besonders oft höre und lese ich zum Beispiel bei Xing oder in anderen Online-Foren die Satzeinleitung »Meines Wissens nach …«. Tatsächlich gibt es im Deutschen nur die Wendungen »meiner Meinung nach« und »meines Wissens«. Die Mischform »meines Wissens nach« ist ebenso verbreitet wie falsch.

Genauso wenig gibt es im korrekten Deutsch die »Mund-zu-Mund-Propaganda«: Sie ist eine Verschmelzung aus »Mund-zu-Mund-Beatmung« (sprachlich korrekt, inhaltlich nicht so ganz, aber das ist hier nicht das Thema) und »Mundpropaganda«. Ich staune immer wieder, wie oft der falsche Begriff selbst in renommierten Medien vorkommt.

Es gibt aber auch Kontaminationen, die beabsichtigt sind und in den normalen Sprachgebrauch eingehen. Das sind dann meist Einzelwörter, in denen zwei Begriffe zusammengepackt sind und die man deshalb auch Kofferwörter nennt: In diese Kategorie gehören unter anderem »Besserwessi«, »Teuro«, »Brunch«, »Webinar« oder »Denglisch«.

 

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Warum nicht mal klein anfangen?

Neulich stieß ich in diesem Internet auf ein ganz neues Makler-Geschäftsmodell:

Kaufen Sie das Haus einfach Stück für Stück. Die Haustür kommt zuerst, dann die Wand drumrum. Wenn Sie dann wieder ein bisschen gespart haben, kaufen Sie die linke Außenwand. Und so weiter. Dass da noch niemand drauf gekommen ist!

Sie können auch mit Garten und Balkon beginnen. Wenn Sie Glück haben, gibt Ihnen der Anbieter gleich eine Wohnung dazu:

Vielleicht überlegen Sie aber auch ohnehin, sich zu verkleinern. Wer braucht schon 5 Zimmer – man ist ja eh immer bei der Arbeit, oder? Dann ist dieses Angebot, das mir die Übersetzerin Katja Heimann-Kiefer zugespielt hat, vielleicht etwas für Sie: 

Aber lassen Sie sich bloß nicht unter Druck setzen. Höchstens ein bisschen!

(Diese Wohnung war übrigens mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate, inseriert.)

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Nicht nur neu, sondern auch gut

In diesen Tagen fällt mir auf, dass in meiner Zusammenstellung von Schreibweisen zum Jahresende noch ein Punkt fehlte: der gute Rutsch!

Es gibt nämlich nicht nur viele Menschen, die einem alles Gute fürs (Achtung, falsch:) Neue Jahr wünschen, sondern die auch den guten Rutsch als Eigennamen betrachten und das »guten« großschreiben.

Ist aber auch falsch! Korrekt wünscht man einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Dass man Silvester mit i hinter dem S schreibt, stand zwar in dem anderen Blogpost schon drin, aber ich wiederhole es hier der Vollständigkeit gern noch mal (besser is’!). ;-)

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Die Sache mit der Qualität

Schreibfehler machen wir alle mal, keine Frage. Gerade im Zusammenhang mit Aussagen zur Qualität der eigenen Leistungen finde ich die immer besonders … öhm … charmant.

Hier zwei Beispiele, die mir in den letzten Wochen untergekommen sind:

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Dezember: Kopplungen mit Anführungszeichen

Mehrere Wörter, die zusammen eine neue Sache bezeichnen, müssen verbunden werden, um genau das deutlich zu machen. Über die Bindestrichkopplung habe ich vor einiger Zeit* schon mal geschrieben. Kurz zur Wiederholung: Es heißt

Max Planck, aber: Max-Planck-Institut;
Social Media, aber: Social-Media-Berater.

Eine Variante habe ich damals nicht behandelt. Bei Titeln ist es nämlich oft sinnvoll, mit Anführungszeichen zu arbeiten. Wenn Sie zum Beispiel von einem der Buchbände über Harry Potter schreiben, haben Sie zwei Möglichkeiten:

das Harry-Potter-Buch
oder: das »Harry Potter«-Buch

Beides ist korrekt. Wichtig ist nur, dass Sie nicht mischen: Wenn Sie den Titel in Anführungszeichen schreiben, schaffen Sie damit bereits die nötige Verbindung zwischen den Wörtern, die zwischen dem An- und dem Abführungszeichen stehen. Den Bindestrich brauchen Sie dann nur noch für die Verbindung mit dem folgenden Wort. Innerhalb der Anführungszeichen (»Harry-Potter«-Buch) wäre er eine Dopplung und damit falsch.

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* Der komplette Newsletter aus dem September 2009 findet sich auf Seite 43/44 des »Zwei Minuten«-Buches.
 

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»Zwei Minuten für die Sprache« im November: gesetzte Ziele

Viele Texte lassen sich schon mit einfachen Mitteln straffen und damit besser lesbar gestalten. Ein Ansatzpunkt sind Konstruktionen wie »die gesetzten Ziele«, »die gemachten Angaben« oder »nach erfolgter Anmeldung«.

In allen diesen Fällen können Sie das Partizip II, also das Wort in der Mitte, einfach streichen: Es doppelt etwas, was bereits im folgenden Hauptwort enthalten ist. Ziele wären keine Ziele, wenn nicht jemand sie vorher gesetzt hätte. Wenn Sie über Angaben sprechen, die irgendwo zu lesen sind, hat jemand sie vorher geschrieben, also gemacht. Und ein »nach Anmeldung« kann es nur geben, wenn die Anmeldung erfolgt ist.

Wenig überraschend ist, dass sich solche Kombinationen in der Behörden- und Juristensprache besonders hartnäckig halten. Trotzdem kommen sie auch außerhalb dieser Bereiche noch recht häufig vor. Sinnvoll sind sie aber nur dann, wenn die Tätigkeit gleichzeitig näher bestimmt wird: »die bei Projektbeginn gesetzten Ziele«, »die in Teil 1 gemachten Angaben«, »die im Januar erfolgte Anmeldung«.

Die behördische Note bleibt dabei aber bestehen. Deshalb lohnt es sich meist, den Satz umzuformulieren: »Die Ziele, die das Team (sich) bei Projektbeginn gesetzt hat« ist aktiver, klarer und deutlich lesefreundlicher als »die bei Projektbeginn gesetzten Ziele«.

 

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Mehr dazu hier: bit.ly/17RKqLd

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Ja, wie denn nun?!

Falls Sie gerade zum ersten Mal dieses Blog besuchen, dann möglicherweise deshalb, weil Ihnen diese Postkarte in die Hände gefallen ist:

Vielen geht es so, dass sie den ersten Satz lesen und denken: Ja, so stimmt es. Dann lesen sie den zweiten und kommen ins Zweifeln. Ja, wie denn nun?!

Tatsächlich ist nur die zweite Lösung richtig:

Das war eins der besten Konzerte, die ich je gesehen habe!

Warum das so ist und wie Sie sich das für die Zukunft merken können, steht auf den Seiten 57 und 58 meines Buches »Zwei Minuten für die Sprache – Tipps und Tricks, um besser zu schreiben«.

Gestaltet hat die Karte – wie übrigens auch das Buch selbst – Katja Frauenkron, die Deichgrafikerin.

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