Rubrik: Allgemein

»Zwei Minuten für die Sprache« im Februar: Jubiläum

Anlässlich der 100. Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es Infos zum Begriff des Jubiläums – liegt ja irgendwie nahe.

Umgangssprachlich reden wir ja gerne mal von einem »X-jährigen Jubiläum«. Sprachpingelig betrachtet ist das falsch, denn es ist ja nicht das Jubiläum selbst, das X Jahre alt ist. Vielmehr sagt das Wort aus, dass etwas seit X Jahren besteht.

Der Rechtschreibduden verzeichnet unter den Beispielen zum Stichwort »Jubiläum« denn auch gar kein soundso altes selbiges, sondern »das Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens, der vierzigjährigen Betriebszugehörigkeit«.

Sprachlich korrekt, aber ganz schön umständlich.

Konsultiert man Band 9 der Duden-Reihe (»Richtiges und gutes Deutsch«), der den tatsächlichen Sprachgebrauch abbildet, findet sich zum »vierzigjährigen Jubiläum« folgende Anmerkung: »Diese Fügung hat sich (…) so sehr eingebürgert, dass sie nicht mehr als falsch anzusehen ist.« Dem stimme ich, auch und vor allem im Sinne klarer und leicht lesbarer Texte, uneingeschränkt zu.

 

Dies ist die Februar-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es auch als Buch!
Mehr Infos dazu gibt es hier.

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Januar: Kontamination

In der Umgangssprache passiert es häufig, dass sich zwei Wörter oder Wendungen mit ähnlicher Form und Bedeutung vermischen. Solche Wortkreuzungen heißen in der Fachsprache Kontamination, also Verunreinigung; ein amüsanter und doch treffender Begriff, wie ich finde.

Besonders oft höre und lese ich zum Beispiel bei Xing oder in anderen Online-Foren die Satzeinleitung »Meines Wissens nach …«. Tatsächlich gibt es im Deutschen nur die Wendungen »meiner Meinung nach« und »meines Wissens«. Die Mischform »meines Wissens nach« ist ebenso verbreitet wie falsch.

Genauso wenig gibt es im korrekten Deutsch die »Mund-zu-Mund-Propaganda«: Sie ist eine Verschmelzung aus »Mund-zu-Mund-Beatmung« (sprachlich korrekt, inhaltlich nicht so ganz, aber das ist hier nicht das Thema) und »Mundpropaganda«. Ich staune immer wieder, wie oft der falsche Begriff selbst in renommierten Medien vorkommt.

Es gibt aber auch Kontaminationen, die beabsichtigt sind und in den normalen Sprachgebrauch eingehen. Das sind dann meist Einzelwörter, in denen zwei Begriffe zusammengepackt sind und die man deshalb auch Kofferwörter nennt: In diese Kategorie gehören unter anderem »Besserwessi«, »Teuro«, »Brunch«, »Webinar« oder »Denglisch«.

 

Dies ist die Januar-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es auch als Buch!
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Warum nicht mal klein anfangen?

Neulich stieß ich in diesem Internet auf ein ganz neues Makler-Geschäftsmodell:

Kaufen Sie das Haus einfach Stück für Stück. Die Haustür kommt zuerst, dann die Wand drumrum. Wenn Sie dann wieder ein bisschen gespart haben, kaufen Sie die linke Außenwand. Und so weiter. Dass da noch niemand drauf gekommen ist!

Sie können auch mit Garten und Balkon beginnen. Wenn Sie Glück haben, gibt Ihnen der Anbieter gleich eine Wohnung dazu:

Vielleicht überlegen Sie aber auch ohnehin, sich zu verkleinern. Wer braucht schon 5 Zimmer – man ist ja eh immer bei der Arbeit, oder? Dann ist dieses Angebot, das mir die Übersetzerin Katja Heimann-Kiefer zugespielt hat, vielleicht etwas für Sie: 

Aber lassen Sie sich bloß nicht unter Druck setzen. Höchstens ein bisschen!

(Diese Wohnung war übrigens mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate, inseriert.)

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Nicht nur neu, sondern auch gut

In diesen Tagen fällt mir auf, dass in meiner Zusammenstellung von Schreibweisen zum Jahresende noch ein Punkt fehlte: der gute Rutsch!

Es gibt nämlich nicht nur viele Menschen, die einem alles Gute fürs (Achtung, falsch:) Neue Jahr wünschen, sondern die auch den guten Rutsch als Eigennamen betrachten und das »guten« großschreiben.

Ist aber auch falsch! Korrekt wünscht man einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Dass man Silvester mit i hinter dem S schreibt, stand zwar in dem anderen Blogpost schon drin, aber ich wiederhole es hier der Vollständigkeit gern noch mal (besser is’!). ;-)

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Die Sache mit der Qualität

Schreibfehler machen wir alle mal, keine Frage. Gerade im Zusammenhang mit Aussagen zur Qualität der eigenen Leistungen finde ich die immer besonders … öhm … charmant.

Hier zwei Beispiele, die mir in den letzten Wochen untergekommen sind:

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»Zwei Minuten für die Sprache« im Dezember: Kopplungen mit Anführungszeichen

Mehrere Wörter, die zusammen eine neue Sache bezeichnen, müssen verbunden werden, um genau das deutlich zu machen. Über die Bindestrichkopplung habe ich vor einiger Zeit* schon mal geschrieben. Kurz zur Wiederholung: Es heißt

Max Planck, aber: Max-Planck-Institut;
Social Media, aber: Social-Media-Berater.

Eine Variante habe ich damals nicht behandelt. Bei Titeln ist es nämlich oft sinnvoll, mit Anführungszeichen zu arbeiten. Wenn Sie zum Beispiel von einem der Buchbände über Harry Potter schreiben, haben Sie zwei Möglichkeiten:

das Harry-Potter-Buch
oder: das »Harry Potter«-Buch

Beides ist korrekt. Wichtig ist nur, dass Sie nicht mischen: Wenn Sie den Titel in Anführungszeichen schreiben, schaffen Sie damit bereits die nötige Verbindung zwischen den Wörtern, die zwischen dem An- und dem Abführungszeichen stehen. Den Bindestrich brauchen Sie dann nur noch für die Verbindung mit dem folgenden Wort. Innerhalb der Anführungszeichen (»Harry-Potter«-Buch) wäre er eine Dopplung und damit falsch.

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* Der komplette Newsletter aus dem September 2009 findet sich auf Seite 43/44 des »Zwei Minuten«-Buches.
 

Dies ist die Dezember-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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»Zwei Minuten für die Sprache« im November: gesetzte Ziele

Viele Texte lassen sich schon mit einfachen Mitteln straffen und damit besser lesbar gestalten. Ein Ansatzpunkt sind Konstruktionen wie »die gesetzten Ziele«, »die gemachten Angaben« oder »nach erfolgter Anmeldung«.

In allen diesen Fällen können Sie das Partizip II, also das Wort in der Mitte, einfach streichen: Es doppelt etwas, was bereits im folgenden Hauptwort enthalten ist. Ziele wären keine Ziele, wenn nicht jemand sie vorher gesetzt hätte. Wenn Sie über Angaben sprechen, die irgendwo zu lesen sind, hat jemand sie vorher geschrieben, also gemacht. Und ein »nach Anmeldung« kann es nur geben, wenn die Anmeldung erfolgt ist.

Wenig überraschend ist, dass sich solche Kombinationen in der Behörden- und Juristensprache besonders hartnäckig halten. Trotzdem kommen sie auch außerhalb dieser Bereiche noch recht häufig vor. Sinnvoll sind sie aber nur dann, wenn die Tätigkeit gleichzeitig näher bestimmt wird: »die bei Projektbeginn gesetzten Ziele«, »die in Teil 1 gemachten Angaben«, »die im Januar erfolgte Anmeldung«.

Die behördische Note bleibt dabei aber bestehen. Deshalb lohnt es sich meist, den Satz umzuformulieren: »Die Ziele, die das Team (sich) bei Projektbeginn gesetzt hat« ist aktiver, klarer und deutlich lesefreundlicher als »die bei Projektbeginn gesetzten Ziele«.

 

Dies ist die November-Ausgabe der »Zwei Minuten für die Sprache«, die ich an jedem ersten Freitag im Monat per Mail verschicke. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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40 Ausgaben der »Zwei Minuten für die Sprache« gibt es auch als Buch!
Mehr dazu hier: bit.ly/17RKqLd

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Ja, wie denn nun?!

Falls Sie gerade zum ersten Mal dieses Blog besuchen, dann möglicherweise deshalb, weil Ihnen diese Postkarte in die Hände gefallen ist:

Vielen geht es so, dass sie den ersten Satz lesen und denken: Ja, so stimmt es. Dann lesen sie den zweiten und kommen ins Zweifeln. Ja, wie denn nun?!

Tatsächlich ist nur die zweite Lösung richtig:

Das war eins der besten Konzerte, die ich je gesehen habe!

Warum das so ist und wie Sie sich das für die Zukunft merken können, steht auf den Seiten 57 und 58 meines Buches »Zwei Minuten für die Sprache – Tipps und Tricks, um besser zu schreiben«.

Gestaltet hat die Karte – wie übrigens auch das Buch selbst – Katja Frauenkron, die Deichgrafikerin.

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Mehr ist mehr (manchmal jedenfalls)

So was gibt es auch: Man macht rechtschreibtechnisch alles richtig, und trotzdem ist das Ergebnis schwer zu lesen.

Über die Verwendung von Ergänzungsstrichen habe ich mich ja schon mehrfach ausgelassen, zum Beispiel hier oder auch hier. In die Kombination »Linienbusan- und -abreise« gehören zwei Ergänzungsstriche, denn gemeint ist ja »Linienbusanreise und Linienbusabreise«. Wenn sich in der ausgeschriebenen Form so viel doppelt, kann man Ergänzungsstriche als Platzhalter für das setzen, was im anderen Teil auch vorkommt: Im vorderen Teil ersetzt der Strich in diesem Fall den Wortteil »reise« und im hinteren Teil – ja, da ist ein Strich; leider hat jemand ein Fischbrötchen auf die Scheibe geschmiert – den Wortteil »Linienbus«.

Alles korrekt also. Und trotzdem … irgendwie fließt das nicht, oder? Weiter als bis »Linienbusan« bin ich auf Anhieb nicht gekommen. Hä?

Stolperfallen in Texten sind immer ungünstig, und wenn man mit diesen Texten was verkaufen will, gilt das umso mehr. An solchen Brocken verschlucken sich die Leser, halten inne und verlieren das Gesamtbild aus den Augen. In diesem Fall wäre es deutlich sinnvoller gewesen, ein paar mehr und dafür kürzere Wörter zu kombinieren, um die Information in einem Schwung rutschen zu lassen:

Inselweite An- und Abreise mit dem Linienbus …

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Mit Weihnachtskarten glänzen – nicht nur optisch!

10 Tage war ich im Urlaub, aber in dieser Zeit hat sich die Umgebung meines Büros deutlich verändert. Nichts Böses ahnend betrat ich vorhin das Stadtteilkaufhaus, nur um mich drei Schritte später in einem Meer aus Tannenzweigen, Christbaumkugeln und ähnlichem Glitzerzeug zu verheddern.

Im wahren Wortsinn führt kein Weg daran vorbei: Es weihnachtet zunehmend. Und das bedeutet auch, dass die Zeit der Schöne-Feiertage-Post naht, firmenindividuelle Karten werden jetzt gedruckt. Höchste Eisenbahn also für die dazugehörigen Rechtschreibtipps!

  1. Der häufigste Fehler ist sogar auf gefühlten 75 % der vorgedruckten Karten zu finden: das große N. Natürlich schreibt man »Neujahr« groß, denn das ist der Name für den 1. Januar. Sonst aber gilt: 2014 ist das neue Jahr – aus jetziger Perspektive. Spätestens Anfang März ist es aber nicht mehr neu, und dann dauert es auch schon gar nicht mehr so furchtbar lange, bis es ein neues »neues Jahr« gibt. Großgeschriebene Adjektive kommen bei Eigennamen und sonstigen Spezialbezeichnungen vor (zum Beispiel »das Rote Meer« oder »das Neue Testament«), aber nicht beim Jahreswechsel. Richtig ist also zum Beispiel: »Wir wünschen Ihnen ein frohes neues Jahr.«
  2. Zwischen »frohes« und »neues« steht kein Komma, denn die beiden Adjektive sind nicht gleichrangig – »neues« ist inhaltlich mit dem Jahr verbunden, während »frohes« diese Kombination näher beschreibt.
  3. Auch wenn das Wort in der Weihnachtspost selbst meist nicht vorkommt, gehört es doch irgendwie dazu: Silvester schreibt sich mit i, nicht mit y. 

Dass man »Weihnachten« mit h schreibt, hat sich ja mittlerweile herumgesprochen; dies also nur der Vollständigkeit halber. Häufiger habe ich dafür in letzter Zeit von lustigen Vertippern à la »Weichnachten« gelesen, die allerdings wohl in der Regel noch rechtzeitig gefunden werden …

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