Jetzt wird’s philosophisch

Solche und ähnliche Hinweise lese ich oft in Wohnungsanzeigen, die im Internet ganz normal öffentlich zugänglich sind. Und immer wieder frage ich mich: Wer sind in diesem Zusammenhang eigentlich »Dritte«?

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Ein Fehler mit Seltenheitswert

Ich hätte nicht geglaubt, dass ich mal so eine Überschrift schreibe. Diese Packung Hühnersuppe hat mich so weit gebracht:

Wo man geht und steht, begegnet man heute Schreibungen, in denen Bindestriche fehlen. Da liest man von »Gute Laune Hits«, wo es »Gute-Laune-Hits« heißen müsste; von »Englisch Unterricht«, wo »Englisch-Unterricht« (oder noch besser »Englischunterricht«) richtig wäre; oder auch von »Social Media-Plattform«, wo »Social-Media-Plattform« die einzig richtige Schreibweise wäre.

Diesen Beispielen ist gemein, dass sie als Verbund jeweils ein Substantiv bilden; die Bezeichnung für eine Sache. Deshalb schreibt man sie korrekt auch in einem Wort bzw. bei längeren und unübersichtlichen Zusammensetzungen mit Bindestrichen gekoppelt. Die Stellen, an denen ein solcher Bindestrich fehlt, obwohl er nach den Rechtschreibregeln zwingend notwendig ist, bezeichnen wir Sprachpingel mehr oder weniger liebevoll als »Deppenleerzeichen«. Die gibt es viel häufiger, als die Sprachpolizei erlaubt. Und so hat unsereiner sehr häufig das Bedürfnis, einen großen Kübel Bindestriche in die Textwelt zu schütten.

Zurück zur Hühnersuppe. Dort ist genau das Gegenteil passiert, und so etwas ist in der Tat ähnlich selten wie ein vierblättriges Kleeblatt: »Heißer-Genuss« steht da, mit Bindestrich. Einem Bindestrich, der da aber auch so überhaupt gar nichts zu suchen hat, denn das Substantiv ist hier nur der Genuss – »heißer« ist ein ganz normales Adjektiv, da gehört nichts gekoppelt.

Und trotzdem steht da ein Bindestrich.

Ich möchte nur zu gern glauben, dass das der Rächer für all die vernachlässigten Bindestriche dieser Welt ist …

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Tolles Projekt: Atlas zur deutschen Alltagssprache

Die Universität Augsburg arbeitet seit einiger Zeit an einem sehr interessanten Sprachprojekt: Der Fachbereich Germanistik kartiert Begriffe aus der deutschen Alltagssprache, das heißt, die Linguisten protokollieren, welche Wörter für bestimmte Dinge in welchen Gegenden des deutschen Sprachraums benutzt werden. So entsteht nach und nach der »Atlas zur deutschen Alltagssprache«.

Dazu gibt es in Runden aufgeteilte Online-Umfragen, an denen jeder teilnehmen kann. Man gibt ein, in welchem Teil Deutschlands man wohnt oder sprachlich geprägt wurde, und kreuzt jeweils an, welche Begriffe dort üblich sind. Es geht ausdrücklich nicht darum zu wissen, was korrektes Deutsch ist, sondern darum, was in der täglich gesprochenen Sprache üblich ist. Die Auswertungen der einzelnen Runden – derzeit läuft gerade die neunte – führen zu Landkarten, in denen die Häufigkeit der einzelnen Begriffe grafisch dargestellt ist.

Da lacht das Sprachlerherz: Abgesehen davon, dass es interessant ist zu erfahren, wie verbreitet die eigenen Begriffe und Wendungen sind, finde ich es auch immer wieder faszinierend, was für Auswahlmöglichkeiten sich in den Fragebögen bieten. So habe ich in der neunten Runde gelernt, dass man irgendwo auch »Heubürzli«, »Gigastutz«, »Purzigagile« oder »Kusselkopp« sagt, wenn ich von einem »Purzelbaum« sprechen würde.

Hier geht es zur aktuellen neunten Runde der Umfrage. Weitere Infos zum Projekt »Atlas zur deutschen Alltagssprache« gibt es hier.

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Anscheinend fällt die Unterscheidung schwer!

Die zwei Wörter »scheinbar« und »anscheinend« sind nicht synonym, auch wenn viele Menschen sie in der Umgangssprache beliebig gegeneinander austauschen. Ich beobachte, dass das Wort »scheinbar« deutlich häufiger benutzt wird als »anscheinend« – tatsächlich müsste es aber umgekehrt sein, denn tatsächlich ist nur sehr selten das gemeint, was »scheinbar« ausdrückt.

Aber der Reihe nach. Fangen wir mal mit zwei Beispielsätzen an:

 

Person A sagt: »Herr X ist anscheinend ein guter Berater.«
Person B sagt:  »Herr X ist scheinbar ein guter Berater.«

 

Nur ein Wort ist ausgetauscht, und doch verändert sich die gesamte Bedeutung. Person A bekundet mit ihrer Aussage: Alle ihr vorliegenden Informationen deuten darauf hin, dass Herr X sein Handwerk versteht – es gibt nichts, was diesen Eindruck trübt. Bei der Aussage von Person B dagegen ist das »aber« schon eingebaut: Vielleicht hat sie ihn bereits engagiert und festgestellt, dass er trotz zahlreicher guter Referenzen »nix druff« hat. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass es nur so aussieht, als sei er ein guter Berater.

Das bedeutet, dass »scheinbar« eher selten die richtige Wahl ist; nur dann nämlich, wenn man bereits weiß, dass etwas in Wirklichkeit anders ist, als es nach außen hin scheint. In den meisten Fällen wissen wir das aber (noch) nicht, sondern bewerten nur das, was uns gerade an Informationen zur Verfügung steht – also den äußeren Anschein.

Eselsbrücke:
allem Anschein nach (es spricht nichts dagegen) → anscheinend
es scheint nur so (ist aber tatsächlich anders) → scheinbar

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Das neue Jahr kann kommen!

Ich freu mich drauf, denn ich werde jeden Arbeitstag mit einem Lachen beginnen:

Diese Tagesabreißkalender sind schon so gut wie vergriffen. Wer keinen hat und auch keinen mehr bekommt, muss mit den Online-Bilderserien des »Hohlspiegel« auskommen. Auch die lohnen sich aber immer wieder: Für den »Hohlspiegel« sammelt die Redaktion missglückte Headlines, verkorkste Sätze, unfreiwillige Doppeldeutigkeiten und Vertipper, die der deutsche Blätterwald hervorbringt. Sehr empfehlenswert!

Euch/Ihnen allen einen furiosen Jahresausklang und einen guten Start in ein gesundes, glückliches und erfolgreiches 2012!

 

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Das Opa-Buch

In diesem Jahr habe ich endlich ein Projekt fertiggestellt, das mich schon längere Zeit beschäftigt, für das ich mir aber viel zu selten Zeit genommen habe. Umso stolzer und glücklicher bin ich jetzt über das Ergebnis: Ich habe meinen Opa posthum zum Buchautor gemacht!

Mein Großvater mütterlicherseits, geboren 1896 im mittelschlesischen Ransen, hat im Jahr 1975 Erinnerungen an seine Kindheit und Jugendzeit auf dem Lande aufgeschrieben. Mühsam hat er die Seiten damals auf seiner alten Schreibmaschine getippt – mit zwei Durchschlägen, denn alle drei Kinder sollten ein Exemplar bekommen.Mein Opa war als ehemaliger Hamburger Polizist ein sehr planvoller Mensch, aber Erinnerungen lassen sich eben doch nur begrenzt im Voraus strukturieren, zumal, wenn man fast 80 Jahre alt ist. Von Computern war damals sowieso noch nicht die Rede. Dementsprechend sah das Manuskript aus:

Mehr als 40 Seiten, eng beschrieben, mit durchgestrichenen Stellen, die teilweise mit Ersatztext versehen waren, und auch mit zahlreichen Dopplungen. Ich stelle mir vor, wie der alte Herr immer wieder vor seiner Schreibmaschine saß und nicht mehr so genau wusste, ob er bestimmte Dinge schon geschrieben hatte oder nicht.

Meine Idee war es, dieses Manuskript zu einem Buch zu machen. Nicht zum Verkaufen, nur für private Zwecke. Dazu wollte ich die Erinnerungen in die richtige Reihenfolge bringen und die Dopplungen tilgen. Der Text selbst mit dem unnachahmlichen Stil meines Opas sollte aber erhalten bleiben. Aber die Manuskriptseiten sind zu eng beschrieben, als dass ich sie für eine Vorstrukturierung hätte bearbeiten können. Also habe ich im ersten Schritt einmal alles abgetippt, um eine elektronische Arbeitsgrundlage zu haben. Das ging relativ schnell – die eigentliche Bearbeitung habe ich leider viel zu oft aufschieben (müssen).

Als der Text fertig war, habe ich mit der wunderbaren Frau Langenhagen von der Buchbinderei Altona beratschlagt, wie ich das Format am besten bearbeite, damit sie ein schönes Buch daraus machen kann. Und Anfang Dezember übergab ich ihr schließlich drei Sätze von doppelseitigen Ausdrucken auf A4 – wegen des Beschnittrands, der an allen vier Seiten unterschiedlich ist; die eigentliche Seitengröße entspricht eher A5. Wir besprachen, wie der Einband aussehen sollte, welche Farbe das Vorsatzblatt bekommen sollte, in welcher Schrift der Deckel geprägt werden sollte und dass die Bücher ein Lesezeichenband bekommen sollten.

Viel Arbeit also insgesamt, aber sie hat sich wirklich gelohnt:



 

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Quintessenz der Unternehmenskommunikation

Kürzlich ist der dritte Band in der »Quintessenz«-Reihe des Springer-Verlages auf den Markt gekommen. Autorin Dr. Eva Salzer beschreibt darin in kompakter und verständlicher Form die wesentlichen Aspekte der Unternehmenskommunikation. Sie skizziert kurz theroretische Ansätze und Managementkonzepte, schildert Rollen und Aufgaben in der Unternehmenskommunikation und befasst sich mit der Beschaffung von Kommunikationsdienstleistungen (Leitfrage: »Make or buy?«).

Besonders anschaulich wird der bewusst schmal gehaltene Band durch vier Praxisbeispiele realer Unternehmen, die bestimmte Teilbereiche der Unternehmenskommunikation – Public Affairs, Krisenkommunikation, Employer Branding und Social Media – illustrieren. Schließlich stellt die Autorin acht Fragen, anhand derer sich Kommunikationsmaßnahmen zum Erfolg führen lassen.

Wie bereits bei den ersten beiden Bänden dieser Reihe, war ich auch hier als Lektorin im Hintergrund aktiv. Solche Buchprojekte sind immer spannend – in diesem Fall gilt das ganz besonders, denn die Unternehmenskommunikation ist ja auch mein eigenes Betätigungsfeld. Und lernen kann man ja ohnehin nie genug :-)

Eva Salzer: »Quintessenz der Unternehmenskommunikation«, Springer Verlag 2011, ISBN: 978-3-642-21688-6

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Achtung, Behördendeutsch-Alarm!

Heute habe ich mal wieder ein Beispiel aus der Abteilung: »Wie viele Substantive passen in einen Satz von handelsüblicher Länge?«

Inhaltlich geht es um Folgendes: Eine Firma führt eine neue Software ein, die die Lieferantenrechnungen elektronisch erfasst. Nun teilt sie ihren Lieferanten mit, wie deren Rechnungen aussehen müssen, damit die Software sie lesen kann. Am Ende heißt es (Hervorhebungen von mir):

Wir weisen darauf hin, dass mögliche Nichtbeachtung der obigen Informationen zu einer Verzögerung in der Bearbeitung ihrer Rechnung führen kann.

Fünf Hauptwörter auf engstem Raum, und davon haben auch noch vier die gleiche Endung. Das wirkt holzig und holprig.

Und noch etwas kommt erschwerend hinzu: Der Schreiber möchte ja erreichen, dass die Empfänger, also die Lieferanten, seine neuen Rechnungsrichtlinien beachten – aber die Lieferanten kommen hier gar nicht vor. Durch ein behördenartiges »Wir weisen darauf hin« (noch nicht einmal »Wir weisen Sie darauf hin«!) werden die sich auch kaum angesprochen, sondern höchstens herumkommandiert fühlen. Ob das so etwas wird mit dem Lerneffekt, wage ich zu bezweifeln.

Ein weiterer Aspekt aus der empfängerorientierten Kommunikation: Nicht drohen (»Wenn du X nicht tust, passiert Y!«), sondern mit den positiven Anreizen arbeiten!

Mal zum Vergleich – so hätte man es auch schreiben können:

Bitte beachten Sie: Das schnelle elektronische System kann nur Rechnungen verarbeiten, die diese Kriterien erfüllen. Je genauer Sie diese beachten, desto schneller bekommen Sie Ihr Geld.

Darunter noch ein ehrlicher Dank für die Kooperation, und alles wäre in Butter.

Wäre.

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Alle Jahre wieder: Tipps für die Weihnachtspost

Seit einiger Zeit schon sind in den Kaufhäusern, Schreibwaren- und Geschenkeläden wieder Weihnachtskarten zu finden. Schöne und weniger schöne, mit traditionellen und modernen Bildern, lustige, besinnliche, peinliche … und vor allem viele fehlerhaft bedruckte!

Aber was die Verlage falsch drucken, muss man ja nicht auch noch bei der eigenen Post wiederholen. Deshalb hier – wie jedes Jahr – noch einmal die Checkliste für die richtigen Schreibweisen:

  1.  Das neue Jahr ist kein Eigenname, und auch sonst gibt es keinen Grund für ein großes N. Wer seinen Kunden und Geschäftspartnern ein frohes neues Jahr wünscht, hat alles richtig gemacht.
  2. Ja, »ins« ist eine Kurzform für »in das«. Trotzdem ist es unnötig, diese Kurzform mit Apostroph zu scheiben, denn sie ist eindeutig. Auslassungen muss man nur dann mit einem Apostroph kennzeichnen, wenn die Konstruktion anderenfalls Missverständnisse hervorrufen könnte. Richtig also zum Beispiel: »Kommen Sie gut ins neue Jahr!«
  3. Auch wenn das Wort in der Weihnachtspost eher selten vorkommt: Der letzte Tag des Jahres heißt »Silvester« – mit i, nicht mit y.
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Anglizismus des Jahres – mal im Positiven

Gestern bin ich über Twitter auf eine Aktion aufmerksam geworden, die ich höchst spannend finde: Da sucht eine Jury den Anglizismus des Jahres 2011.

Zuerst dachte ich – wie wahrscheinlich viele andere auch –, es ginge wieder einmal darum, hirnlose Übernahmen aus dem Englischen an den Pranger zu stellen. Gern gemacht, laut gelacht und das neue Sprachbewusstsein am nächsten Tag wieder vergessen.

Aber hier geht es um das genaue Gegenteil: Die Jury sucht nämlich solche Anglizismen, die gerade nicht genauso gut auf Deutsch ausgedrückt werden könnten. Ich zitiere aus den Nominierungsbedingungen:

Das Wort füllt eine interessante Lücke im deutschen Wortschatz, entweder, indem es eine vorhandene Wortbedeutung weiter ausdifferenziert oder indem es ein Wort für etwas bereitstellt, was es vorher nicht gab oder was vorher nur mühsam umschrieben werden konnte.

Sicher, der größte Teil der Anglizismen, die wir im täglichen Sprachgebrauch so von uns geben, ist überflüssig; ihr Inhalt ließe sich ebenso auf Deutsch sagen. Aber es gibt sie, diese Sonderfälle, die sich einfach nicht  ohne Verluste in Deutsche übertragen lassen. Ein Beispiel aus der jüngsten Zeit: »liken« ist einfach nicht dasselbe wie »mögen« und schon gar nicht adäquat ersetzbar durch »den Gefällt-mir-Knopf drücken«.

Um solche Begriffe geht es hier, und ich bin sehr gespannt, welche noch vorgeschlagen werden. Neu sollen sie sein und aus dem Englischen kommen, Produktnamen sind vom Wettbewerb ausgeschlossen. Hier könnt ihr/können Sie noch einmal alles nachlesen und Vorschläge einreichen: Anglizismus des Jahres 2011.

Mehr über die Hintergründe und auch über die diesjährige Jury findet sich in diesem Beitrag von Anatol Stefanowitsch im Sprachlog.

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